Jüdisches Leben
in Bayern

Autenhausen Gemeinde

In Autenhausen bestand eine jüdische Gemeinde bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück.

Nach den Aufzeichnungen des zum Kloster Langheim gehörenden Hofes Tambach lebten um 1675 sechs jüdische Familien in Autenhausen. 1682 soll nach einer Archivnotiz ein Simon Jud ein Haus um 200 Taler erworben haben.

Die Gemeinde gehörte bis 1826 dem Distriktsrabbinat Burgpreppach an und wurde dann dem Rabbinat in Bamberg zugeteilt. Aus dieser Zeit liegen auch die ersten gesicherten Einwohnerzahlen vor. 1816 machten die 85 jüdischen Einwohner fast 28 Prozent der Gesamteinwohnerzahl aus. Die Matrikellisten der 1820er Jahre weisen 17 Stellen aus.1840 stieg diese Zahl bei 125 jüdischen Bewohner auf fast 40 Prozent an.

In diese Zeit fällt auch der Bau einer Synagoge (1829), ein Friedhof wurde 1836 angelegt. Noch aus dem 18./18. Jahrhundert stammen auch die baulichen Reste einer Mikwe. Sie wurde als Baudenkmal in die bayerische Denkmalliste aufgenommen.

Die Gemeinde unterhielt im 19. Jahrhundert auch eine Schule, an der seit 1829 festangestellte Lehrer tätig waren. Die Berufsverteilung nach dem Matrikeln von 1824 zeigt 13 Viehhändler, aber auch vier Bauern.

Bereits ab der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zahl der Gemeindeangehörigen bedingt durch Auswanderung und Umzug stark rückläufig.1910 lebten noch 20 Jüdinnen und Juden in Autenhausen.

In der Nacht vom 3./4. November 1923 waren die beiden verbliebenen Familien Gutmann schwerer Verfolgung ausgesetzt. Sie wurden von Mitgliedern der rechtsradikalen Organisationen Bund Wiking und Jungdeutscher Orden zu Hause überfallen, ausgeplündert und schwer misshandelt. Nach einem Zeitungsbericht war auch Erbprinz Johann Leopold von Sachsen-Coburg und Gotha an diesem Überfall beteiligt und Herzog Carl Eduard habe die Flucht des Anführers unterstützt.

Von den in Autenhausen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Ida Blum geb. Gutmann (1861), Emanuel Gutmann (1885), Karoline Gutmann geb. Gutmann (1858), Babette Lebrecht geb. Strauss (1873), Mathilde Ochs geb. Gutmann (1867), Hermann (Hesslein) Strauss (1876), Nani (Nanny) Strauss (1883). Für den 1876 in Autenhausen geborenen Jakob Friedmann, Viehhändler in Coburg, wurde am Gebäude Ketschengasse 6 in Coburg ein sog. "Stolperstein" verlegt (Angaben nach Alemannia Judaica).

   

   


Literatur

  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017
  • Guth, Klaus: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch, Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur, 1), S. 103-109
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, S. 205f.