Jüdisches Leben
in Bayern

Acholshausen Gemeinde

In Acholshausen bestand eine jüdische Gemeinde wahrscheinlich seit dem 16. Jahrhundert. 1580 und 1589 gibt es erste Nennungen von Juden.

Um 1800 lebten unter dem Schutz des Würzburger Stiftes Haug 42 Personen jüdischen Glaubens in Acholshausen, 7 Männer, 6 Frauen, 24 Kinder und 5 Bedienstete. Die Familien besaßen ein Haus oder eine Haushälfte, die Männer waren im Handel tätig.

Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 werden die folgenden jüdischen Familienvorstände auf neun Matrikelstellen genannt (mit neuen Familiennamen und Erwerbszweig): Wolf Jakob Straus (Handelschaft), Kalman Hirsch (Schmuserei), Faust Levi Blumm (Schmuserei), Hirsch Kalmus Weil, Herz Simon Bach (Handelschaft und Schmuserei), Moses Samuel Reis (Handelschaft und Schmuserei), Jakob Wolf Wolfsheimer (Handelschaft und Schmuserei), Samuel Bach, Witwe von Abraham Hirsch Hofmann (lebt von Nähen und Stricken).

Diese geringe Zahl jüdischer Familien sollte bis 1900 auf 25 Familienangehörige sinken. Trotz des Widerstandes aus Acholshausen setzte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine gemeinsame Religionsschule mit dem wenige Kilometer entfernten Gaukönigshofen durch. 1871 konnte die Gemeinde bereits keinen eigenen Minjan bilden. 1874 erfolgte deshalb eine provisorische Zusammenlegung der Acholshausen Gemeinde mit der Gemeinde von Gaukönigshofen. Am 18. Dezember 1895 kam es zur Vereinigung der beiden Kultusgemeinden.

Die offizielle Auflösung der Kultusgemeinde von Acholshausen erfolgte aber erst im Juli 1937. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der einzige hier noch lebende jüdische Bürger (Moritz Weil) von SA- und SS-Männern aus Ochsenfurt überfallen, misshandelt und sein Besitz zerstört. Er wurde über Aub nach Ochsenfurt ins Gefängnis gebracht. Moritz und Betty Weil wurden gemeinsam mit den Juden von Gaukönigshofen am 24. März 1942 nach Izbica bei Lublin deportiert.  

Literatur

  • Berger-Dittscheid, Cornelia: Gaukönigshofen mit Acholshausen, in: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hrsg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 613-639