Jüdisches Leben
in Bayern

Abensberg Gemeinde

In Abensberg bestand ab 1348 eine jüdische Gemeinde. Im März 1366 bestätigte der reichsunmittelbare Ortsherr Ulrich III. von Abensberg (1322-1366) kurz vor seinem Tod noch einmal allen Bürgern, seien es nun Christen oder Juden, bei der Beschickung seines Marktes ungehinderten Zugang. Erstmals werden 1391 und 1398 Juden in der Stadt urkundlich erwähnt. Weitere Nennungen gibt es im 15. Jahrhundert. Ehemals in Abensberg lebende Juden ("von Abensberg") erscheinen 1450 in Plattling und 1411 sowie 1465-75 in Regensburg. Die jüdischen Familien in Abensberg lebten vor allem vom Geldhandel und der Pfandleihe.

Im Zusammenhang mit der allgemeinen Vertreibung der Juden aus Bayern 1450/51, spätestens aber nach dem Übergang der Ortsherrschaft an die bayerischen Herzöge im Jahr 1485 wurden die jüdischen Einwohner aus Abensberg ausgewiesen. Für eine nur zögerliche "Ausschaffung" spricht die Nennung einzelner Juden noch in den Jahren 1458 und letztmals 1518. In der in den 1520er-Jahren verfassten Bairischen Chronik des in Abensberg geborenen Johannes Turmaier gen. Aventinus (1477-1534) gibt der Chronist an, das sich der Stadtherr Johann II. von Abensberg (gest. 1474) gegen den herzoglichen Ausweisungsbefehl gewehrt habe und "behilt ir etlich auf den schwaigen umb Abensberg." Erst sein Sohn Nikolaus von Abensberg († 1484) habe die jüdischen Einwohner zu vertrieben. Zur Situation in Abensberg schreibt Aventinus weiterhin: "Es haist noch die Judengassen, der Judenprunnen, der Judenpühel (ir grebnus) alda, und die sinagog ist ietzo das schergenhaus der stat." 

Die jüdischen Familien hatten ihre Wohnungen im Bereich der "Judengasse" (heute Mahlergasse). In der parallel dazu verlaufenden Schmidtgasse befand sich die (um 1520) genannte Synagoge, die nach 1485 zum "Schergenhaus" (Gefängnis) umgebaut wurde.

Erst im frühen 19. Jahrhundert hatten sich wieder vereinzelt jüdische Personen und Familien in Abensberg niedergelassen, eine Gemeinde bildete sich jedoch nicht mehr. Wenn sie überhaupt religiös lebten, gehörten sie der IKG Regensburg an. 1910 lebte nurmehr eine jüdische Person in Abensberg. Zwischen 1946 und 1950, nach vielen Umbauten und Umnutzungen, wurde die ehemalige Synagoge endgültig abgerissen. Im Bereich der Schmidtgasse und der Mahlergasse wurden die historische Bausubstanz größtenteils abgebrochen, sodass der mittelalterliche Charakter des Wohngebietes weitgehend verloren gegangen ist. Der "Judenbuckel" ist bis heute ein Flur- und Straßenname östlich des Ortskerns, aber von der Begräbnisstätte haben sich keine Überreste oder Spuren erhalten.


(Patrick Charell)

Bilder

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Maximilian Georg Kroiß: "Auf dem Judenbuckel". Abensberg und die Juden. Ein Versuch der Annäherung. Abensberg 2021 (0 Abensberger Hefte. Beiträge zur Geschichte 5).
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 336.
  • Germania Judaica, Frankfurt 1987, Bd. III,1 S. 3.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 53.
  • Johannes Turmair (Aventinus): Bayerische Chronik, Bd. 2/III - VIII, München 1886 (= Johannes Turmair's, genannt Aventinus, sämmtliche Werke 5), S. 591.