Jüdisches Leben
in Bayern

Wilhermsdorf Friedhof

Der jüdische Friedhof Wilhermsdorf liegt an einer Anhöhe nordwestlich des Ortes, erreichbar von der Straße nach Siedelbach. Er hat eine Fläche von fast 4000 qm und wurde möglicherweise im Spätmittelalter angelegt. Es sind noch etwa 500 Grabsteine erhalten.

Lage: Anhöhe nordwestlich des Ortes, erreichbar von der Straße nach Siedelbach. 

Größe: 3950 qm; fast V-förmige Grundfläche, gemauerte, stufenförmige Ziegelsteinmauer. 

Alter: 1452 (?); bis 1842 war noch ein Grabstein erhalten, der die Jahreszahl 5212 (1452) trug. Der älteste bis heute erhaltene Grabstein stammt aus dem Jahr 1690. Juden lebten aber bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Wilhermsdorf. Die Erweiterung des Friedhofs erfolgte 1865. Der Vorstand der Gemeinde hatte sich an den Gemeinderat von Wilhermsdorf mit der Bitte gewandt, einen Streifen Boden abzugeben. „In Erwägung, daß das fragliche Stückchen Gemeindeland gar keinen Nutzen abwirft“, beschloss der Gemeinderat am 15. Dezember 1863, „der jüdischen Kultusgemeinde das fragliche Land ganz frei resp. ohne alles Gegenreichniß zu überlassen“.

Einzugsbereich: Dietenhofen, Markt Erlbach. 

Beerdigungen: Ca. 500, teilweise sehr alte und schöne Grabsteine sind erhalten geblieben; auf der rechten Seite neuere Mazzewot. Das Sterberegister wurde erst seit 1824 vom Fürther Distriktrabbiners Dr. Loewy gefährt und bis zur letzten Beisetzung am 8. April 1936 fortgeschrieben. Der erste Eintrag bezieht sich auf die Beisetzung des am 3. Januar 1824 verstorbenen Abraham Michael Wiener; sie fand am 4. Januar 1824 statt. Der letzte Eintrag für eine Beerdigung stammt vom 8. April 1936 und bezieht sich auf den am 5. April 1936 im Alter von 70 Jahren verstorbenen Viehhändler Gottlieb, der 1936 wegen Beleidigung eines Ortspolizisten zwei Wochen in Haft gehalten worden war. 

Besonderheiten: Eine Chewra Kaddischa existiert seit 1862. 

Schändungen: 1938 und 1945.

Adresse / Wegbeschreibung

91452 Wilhermsdorf

Von der Ortsmitte aus der Hauptstraße nach Langenzenn folgen, dann links Richtung Emskirchen-Siedelbach abbiegen. Der Weg führt bergauf und macht auf der Höhe eine Linkskurve; auf diesem Weg bleiben und die Sportstätte rechts hinter sich lassen. Nach ca. 800m liegt der Friedhofseingang links der Straße.

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 204-207.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 783f.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (19) [Allersheim, Ichenhausen, Wilhermsdorf]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 13, Nr. 76 (April 1998), S. 12-14.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 199f.