Jüdisches Leben
in Bayern

Walsdorf Friedhof

Der jüdische Friedhof Walsdorf liegt in einem Waldgebiet an der Straße nach Steinsdorf-Schönbrunn. Er hat eine Fläche von etwa 7000 qm und wurde vermutlich im 16. Jahrhundert angelegt. Es sind noch über 1000 Grabsteine erhalten.



Lage: Der Friedhof liegt in einem Waldgebiet an der Straße nach Steinsdorf-Schönbrunn, etwa 10 Minuten Fußweg (800 m westlich) von Walsdorf entfernt an einer Steigung (Flur-Nr. 650). Man verlässt die Ortsmitte Walsdorf auf der Staatsstraße 2279 in Richtung Steinsdorf. Nach ca. 1 km liegt der große Friedhof gut sichtbar an der Straße. 

Größe: 7010 qm; der Friedhof, der sich über eine Länge von 200 m an der Straße entlang erstreckt, ist einer der größten und bedeutendsten jüdischen Friedhöfe im Landkreis Bamberg. 

Alter: Vermutlich im 16. Jahrhundert angelegt, 1628/1629 erstmals urkundlich erwähnt durch eine Beschwerde des Bamberger katholischen Pfarrers Heinrich Fuchs, dem die Begräbnisgebühr der Juden an die Schlossverwaltung ein Dorn im Auge war. Erweiterung 1719. Der älteste erhaltene Grabstein stammt von 1632. Ein Kontrakt von 1676 zur Einzäunung bestätigt die Anlage als Begräbnisplatz für die Juden von Bamberg, Bischberg, Burgebrach, Trunstadt, Viereth und Walsdorf. Der Friedhof gehörte bis 1963, als er durch Kaufvertrag an den Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern überging, der Freiherrlichen Stiftung Crailsheim an. Dies ist auf die damaligen Gebietsherren zurückzuführen, da der Fürst eine „Maut von jüdischen Verstorbenen“ bezog, obwohl die jüdischen Gemeinden stets alles daran setzten, die Friedhofsgrundstücke zu erwerben, und sich wegen der hohen Kosten häufig alle benachbarten jüdischen Gemeinden zusammenschlossen, was als heilige Pflicht galt. 

Einzugsbereich: Zentrale Funktion des Friedhofs für Bamberg und dessen westliches Umland. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bestatteten die Juden von Burgebrach ihre Toten auf dem Friedhof von Walsdorf. Die Kultusgemeinde Burgebrach gehörte zusammen mit Walsdorf, Bischberg, Trunstadt und Viereth dem Friedhofsverband Walsdorf an und stellte vor 1892 mit Veit Fuld und 1902 mit Hermann Heymann den zweiten Vorstand. Ferner beerdigten hier die Juden aus Aschbach, Bamberg (bis 1851), Frensdorf, Grasmannsdorf, Kolmsdorf, Lisberg und Reichmannsdorf ihre Verstorbenen. Bis 1851 unterstand der Friedhof als Distriktsfriedhof dem Rabbinat Bamberg. 

Beerdigungen: Heute sind noch 1086 Grabsteine erhalten. Hinter dem Eingangstor liegt der ältere Teil, der jüngere an steil abfallendem Gelände. Von besonderer Bedeutung sind die Rabbinergräber; nach Adolf Eckstein liegen folgende bedeutenden Rabbiner in Walsdorf begraben, so Mordechai Lüpschütz (gest. 1685), Nathan Utiz (gest. 1742), Joseph Breslau (gest. 1752), Juda Katz (gest. 1788), Uri Feust (gest. 1802) und Joseph Gersfeld (gest. 1814). Viele Grabsteine stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Bedarf für die Unterhaltung des Friedhofs in Höhe von etwa 30 Gulden pro Jahr wurde von den Gemeinden des Friedhofsverbandes durch Umlagen erbracht, die durch ein übereinkommen vom 18. August 1830 festgesetzt waren. Bei Sterbefällen von Erwachsenen musste von den betroffenen Familien eine Gebühr von 1/2 bis 1 1/2 Gulden an die Friedhofskasse entrichtet werden, bei Kindern bis 13 Jahren die Hälfte. Arme wurden ohne Entgelt begraben. 

Besonderheiten: Das Tahara-Haus im Fachwerkstil mit Walmdach (Größe 10 auf 6 m) wurde laut zweier Inschriftentafeln 1742 errichtet und ist eine Stiftung von Elieser Lippmann, Sohn des Vorstehers Chaim aus Hildesheim, sowie seiner Gattin Rachel, einer Tochter des Mendel aus Bamberg. 

Schändungen: 1831; im November 1935 wurden 70 Grabsteine umgeworfen; weitere Schändungen während des Dritten Reiches. Bürgermeister Herzog ließ 1936 die durch vier Hitlerjungen im November 1935 umgestürzten 70 Grabsteine auf Gemeindekosten wieder aufrichten. 1946 stellte die Gemeinde Walsdorf den ursprünglichen Zustand des Friedhofs wieder her. Weitere Schändungen 1949 und im Oktober 1953 durch Jugendliche nach dem Kirchweihfest, die sieben Grabsteine umstießen.

Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“: Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Adresse / Wegbeschreibung

96194 Walsdorf

Auf der Staatsstraße 2279 den Ort in Richtung Steinsdorf verlassen. Nach ca. 1km liegt der große Friedhof gut sichtbar auf der linken Straßenseite (Parkmöglichkeit bei der Ausfahrt).

Literatur

  • Susanne Talabardon: Der jüdische Friedhof in Walsdorf. Bamberg 2014.
  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 198-203.
  • Johann Fleischmann: Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach und Seebach. Die jüdischen Friedhöfe von Zeckern, Walsdorf, Aschbach, Uehlfeld, Mühlhausen, Lisberg, Burghaslach und Reichmannsdorf (Mesusa 3). o. O. [Mühlhausen] 2002, S. 103-158.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 766-772.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (2) [Altenstadt-Illereichen, Walsdorf, Georgensgmünd, Bad Kissingen]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 8, Nr. 59 (Mai 1993), S. 19f.
  • Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen
    Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187. Bayreuth 1992, S. 29–39.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 238f.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 332-342.