Jüdisches Leben
in Bayern

Nürnberg Friedhof

Die mittelalterliche Gemeinde besaß nach 1296 eine Begräbnisstätte, die damals noch im Osten vor der Stadt am Laufer Schlagturm lag. Bemerkenswert sind die Hinweise im Nürnberger Memorbuch auf zahlreiche Spenden für den Erhalt des Begräbnisplatzes und zum Ausbau eines Friedhofweges aus der Zeit vor 1349. Nach dem Pestpogrom 1349 wurde der "Gute Ort" eingeebnet, jedoch spätestens 1377 reaktiviert und mehrfach erweitert. Zuletzt war er etwa sieben Hektar groß und umfasste rund 3000 Grabsteine sowie ein kleines Taharahaus umfasste. Im Jahr 1499 wurde der Friedhof erneut und diesmal endgültig ausgelöscht. Heute ist das Areal vollständig überbaut, 22 erhaltene Grabsteine sind bekannt. Ein neuer jüdischer Friedhof in der Bärenschanzstraße wurde 1864 eingeweiht und 1922 geschlossen. Auf dem Neuen Friedhof in der Schnieglinger Straße fand 1910 die erste Beerdigung statt. Er ist bis heute der Friedhof der IKG Nürnberg.

Lage: Bärenschanzstraße 40, 90429 Nürnberg

Größe: Insgesamt 2.225 Beerdigungen; auf der linken und rechten Seite schmiedeeiserne Eingangstore. 

Alter: Einweihung am 28. Februar 1864 mit der Beisetzung von Jakob Hirsch Marschütz. Zuvor wurden die Verstorbenen in Fürth, Kinder zum Teil auf den städtischen Friedhöfen beigesetzt, was die evangelische Kirchenleitung 1857 verbot. 

Beerdigungen: Zwei lange Grabreihen im rechteckigen Winkel zur Straße; sehr viele alte, kostbare und kunstvolle Grabsteine. Bis zur Schließung 1922 beerdigte man auf diesem Friedhof 2.225 Personen. 

Besonderheiten: Zwischen den beiden Eingangstoren umgebautes früheres Tahara-Haus. Es sind heute nur noch Reste des durch Bomben zerstörten Gebäudes erkennbar, so zwei Fensterbögen auf der rechten Seite und der Treppenaufgang in der Mitte. 

Schändungen: Der Friedhof wurde bereits vor 1933 geschändet. Im Februar 1943 entfernt man alle metallischen Teile von den Gräbern und Grabsteinen, auch Namensplatten und Metallbuchstaben. Ein Luftangriff zerstörte am 2. Januar 1945 die Verwaltungsgebäude und mehrere hundert Gräber völlig. Im hinteren Teil des Friedhofs sind Zeichen der Schändungen deutlich sichtbar, vor allem an den Kindergräbern.






Lage: Schnieglinger Straße 155-157, 90425 Nürnberg. 

Größe: 40.000 qm. 

Alter: 1905 Erwerb eines Grundstücks, 1910 erste Beerdigung (Henriette Levy); Erweiterungen 1910 und 1916. 

Beerdigungen: In der Mitte des Areals großes Monument für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs und die Opfer der Nazidiktatur. Rechts der Leichenhalle zwei Reihen mit Soldatengräbern des Ersten Weltkriegs, darunter auch zwei Grabsteine für in Nürnberg gestorbene jüdisch-russische Kriegsgefangene. Feuerbestattungen wurde das gleiche Recht wie Erdbestattungen eingeräumt, so ein Bericht in der Zeitschrift „Liberales Judentum“ vom Januar 1914. Der Friedhof dient der Israelitischen Kultusgemeinde bis heute als Begräbnisstätte. 

Besonderheiten: Vor dem Haupteingang beeindruckende Leichenhalle mit mehreren imposanten Anbauten; links vom Haupteingang großes Verwaltungsgebäude mit ummauertem Grundstück (Wohnung, Hof, Garten usw.); rechts vom Haupteingang große Abteilung mit Urnengräbern.

Auf dem Friedhof befinden sich 31 KZ-Gräber, der Grabsteine individuell gestaltet sind. Zum Teil sind die KZ-Toten mit ihren Angehörigen bestattet. 

Schändungen: Überschwemmung auf dem Gelände im Februar 1909. Beschädigung zahlreicher Gräber und des Verwaltungsgebäudes durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg. Unmittelbar nach Kriegsende wurde mit den Instandsetzungsarbeiten begonnen.

Adresse / Wegbeschreibung

Bärenschanzstraße 40 / Schnieglinger Straße 155-157, 90429 / 90 Nürnberg

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 130-141.
  • Constanze Werner (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. "Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …". Regensburg 2011, S. 269-271.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 177-183.