Der Friedhof mit der Gedenkstätte liegt am Stadtrand im Gewerbegebiet. Er entstand im Zusammenhang mit dem Lager I des KZ-Außenlagerkomplexes Landsberg/Kaufering, dessen Kommandantur sich circa 600 m Luftlinie entfernt im heutigen Industriegebiet befunden hat. Von Juni bis Dezember 1944 starben im Lager 1658 Zwangsarbeiter. Die Toten aus dem gesamten Komplex wurden zunächst über das Lager I einmal wöchentlich nach Dachau gefahren, ab einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt bis zum 28. April 1945 begrub man sie am Lager I und (unter peinlicher Geheimhaltung) an verschiedenen anderen nahe gelegenen Orten. Rund 200 m vom ausgestalteten Friedhof entfernt befand sich von 1953 bis 1961 zusätzlich das "KZ-Einzelgrab Iglinger Straße Süd", ein Betonrondell mit Gedenkstein.
Das Massengrab von Lager I wurde nach der Befreiung durch die US-Armee für letzte Bestattungen durch ehemalige Häftlinge genutzt und im Mai 1945 endgültig geschlossen. Noch im Summer errichteten die Überlebenden einen Zaun um das Areal. Ab April 1946 wurden die Baumaßnahmen wieder aufgenommen und der Friedhof auf Wunsch des Komitees der überlebenden Häftlinge vergrößert. Landkreis und Stadt Landsberg besorgten das benötigte Baumaterial. Für die Gestaltung des zentralen Gedenkplatzes und des Gedenksteins wurde der Weilheimer Architekt Simbeck verpflichtet. Am 1. September 1946 wurde der Friedhof vom Oberbürgermeister der Stadt Landsberg am Lech Ludwig Thoma an den Bevollmächtigten für die KZ-Friedhöfe in Bayern, Dr. Abkras übergeben. Nach der Zeremonie sprach Bernhard Pickert, ein befreiter Häftling, das Kaddisch.
Die Größe beträgt 960 qm. Es sind hier etwa 600 Opfer der KZ-Außenlager I und III begraben.
Eine niedrige, massive Mauer umgibt den Friedhof; das schmiedeeiserne Tor trägt zwei Davidsterne. Das um 1950 entstandene Denkmal hat die Form einer Stele mit einem Magen David, der als Glasmosaik ausgeführt ist. Darunter ist eine hebräische Inschrift angebracht. Links neben dem Denkmal befindet sich in der Mauer eingefügt ein großes Gebetshaus (1947 fertig gestellt). Rechts und links des Denkmal stehen neun Grab- bzw. Gedenksteine. In der dem Eingang gegenüberliegenden Mauer sind Gedenktafeln eingelassen, wobei für jeden Namen hunderte weitere Tote stehen, die am selben Tag gemeldet wurden. Entlang der Mauern stehen steinerne Sitzbänke den Besuchern zur Verfügung.
Gedenkstein 1 (und 1a)
Dr. Elchanan Elkes (Häftlings-Nr. 81688)
Leiter des Judenrates im Getto Kaunas
Kam mit dem ersten Transport am 15. Juli 1944 in das Lager I und starb am 17. Oktober an Entkräftung.
Bereits 1946 errichteten freunde einen Gedenkstein. Einige Jahre später kam ein zweiter hinzu, irgendwann in den 1950er Jahren war der erste verschwunden.
Gedenkstein 2
Melamdowitsch Oscher (Häftlings-Nr. 81820)
Am 1888 in Kaunas (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I und starb am 9. November.
Gedenkstein 3
Nessanel Kotler (Häftlings-Nr. 80999)
Am 1893 in Kaunas (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I und starb am 10. Dezember.
Sein Sohn, Faiwusch Kotler (Häftlings-Nr. 82145)
Am 28.Oktober.1911 in Kaunas (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I und starb am 13. November.
Gedenkstein 4
Bernhard Kalisch (Häftlings-Nr. 119813)
Am 03.Juni 1900 in Galanta (Slovakei) geboren, im Januar 1945 ins Lager I verlegt, verstorben am 29. März.
Gedenkstein 5
Leiba Braude (Häftlings-Nr. 81498) und seine Frau Sara Braude (An einem unbekannten Datum getötet).
Am 17.Dezember 1882 in Zagare (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 02. Dezember nach Dachau gemeldet.
Gedenkstein 6
Leiba Koch (Häftlings-Nr. 81157)
Am 10. Juli 1894 in Neustadt (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 19. Dezember nach Dachau gemeldet.
Gedenkstein 7
Pinchus Burstein (Häftlings-Nr. 82604)
Am 12. Juli 1906 in Ukmerge (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 29. März 1945 nach Dachau gemeldet.
Gedenkstein 8
Anonym, mit einem Magen David markiert.
Gedenkstein 9
Mayer Itzchok Lisoprawski (Häftlings-Nr. 119306)
1894 in Litauen geboren, kam am 27. Oktober 1944 ins Lager I, als genaues Todesdatum wird der 13. April 1945 in Kaufering vermutet.
Gedenkstein 10
Salomon Finkelstein (Häftlings-Nr. 81215)
Am 10. Juni 1924 in Kaunas (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 17. Februar 1945 nach Dachau gemeldet.
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Gedenktafel 1
Judel Chaimowitz (Häftlings-Nr. 81303)
Am 17. Februar 1907 in Vilnius (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 30. Dezember nach Dachau gemeldet.
Gedenktafel 2
Alois Schlesinger(Häftlings-Nr. 92202)
Am 05. März 1884 in Brünn (Tschechien) geboren, kam unbestimmten Datums ins Lager I, sein Tod wurde am 03. Dezember nach Dachau gemeldet.
War Christ jüdischer Herkunft, seine Tafel trägt daher ein Kreuz.
Gedenktafel 3
Dr. Sabatino Schinazi (Häftlings-Nr. 116926)
Am28. Juni 1893 in Mehalla-Kebir (Ägypten) geboren, kam am 23. Oktober 1944 als Arzt ins Lager I, sein Tod wurde am 23. Februar 1945 nach Dachau gemeldet.
Gedenktafel 4
Dr. Leon Gerstein (Häftlings-Nr. 81897)
Am 26. Februar 1891 in Vilnius (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 24. November nach Dachau gemeldet.
Apotheker David Horowitz
Keine Informationen.
Dipl.-Ing. Adolf Blumenthal (Häftlings-Nr. 82164)
1891 in Schaulen (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 06. Februar 1945 nach Dachau gemeldet.
Dr. Boris Strasburg (Häftlings-Nr. 82375)
1888 in Kaunas (Litauen) geboren, kam am 15. Juli 1944 ins Lager I, sein Tod wurde am 02. Dezember nach Dachau gemeldet.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Max-von-Eyth-Straße, 86899 Landsberg am Lech
Hinter dem Anwesen Max-von-Eyth-Straße 8 und der A 96.
Literatur
- Gerhard Roletschek: Vom KZ-Sammelgrab Iglinger Straße "Nord" zum KZ-Friedhof an der Max-von-Eyth-Straße Landsberg am Lech. In: Landsberger Geschichtsblätter 121 Jg. (2023), S. 74-81.
- Gerhard Roletschek: Ein ehemaliger KZ-Friedhof in Landsberg am Lech - Das "KZ-Einzelgrab" Iglinger Straße "Süd". In: Landsberger Geschichtsblätter 121 Jg. (2023), S. 82f.
- FranKonzept (Hg.): Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Landsberg / Kaufering, Würzburg 2016.
- Constanze Werner (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. "Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …". Regensburg 2011, S. 62-65.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), 317f.
