Jüdisches Leben
in Bayern

Ichenhausen Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt südlich von Ichenhausen an der Straße nach Krumbach. Er hat eine Größe von über 10000 qm und die Anlegung wurde 1567 genehmigt. Es sind etwa 1000 Grabsteine erhalten. Der Friedhof zählten zu den größten jüdischen Begräbnisstätten in Bayern.

Lage: Südlich von Ichenhausen an der Straße nach Krumbach. 

Größe: 10.259 qm; mit zwei Eingängen und einer Ausdehnung von ca. 235 m Länge und ca. 45 m Breite zählt der teilweise ummauerte Friedhof zu den größten Anlagen dieser Art in Bayern. 

Alter: 1567 Genehmigung durch die Habsburgische Herrschaft, 1568 errichtet gegen den Willen des Burgauischen Landamtmannes, der fortan auf die Begräbnisgebühren der Ichenhäuser Juden verzichten musste. Vom Friedhof in Burgau, wo man die Juden aus Ichenhausen bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts beigesetzt hatte, ist nur noch die Lage bekannt. Das Friedhofsgelände wurde mehrfach erweitert. 

Einzugsbereich: Neu-Ulm (bis 1933), obwohl die Stadt Neu-Ulm der Jüdischen Gemeinde bereits 1875 genehmigt hatte, ein eigenes Gräberfeld auf dem kommunalen Friedhof anzulegen. 

Beerdigungen: Insgesamt sind etwa 1000 Grabsteine erhalten, man schätzt jedoch die Zahl der Beerdigungen auf insgesamt 7000 bis 8000. Drei Abteilungen: ein neuerer Teil (östlich) mit linear angelegten Grabreihen (Belegung ab Ende des 19. Jahrhunderts bis nach 1945), ein sehr alter Teil in der Mitte des Areals mit einigen Rabbinergrübern und mit Grabsteinen aus dem 18. Jahrhundert sowie ein alter Teil (Belegung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts). Die letzte Beerdigung eines Juden aus Ichenhausen fand 1942 statt. Im März 1945 setzte man 18 ungarische Juden, die im Zwangsarbeiterlager Burgau inhaftiert gewesen und die an den Folgen der Haft gestorben waren, hier bei, 1946 drei weitere Tote eines nahegelegenen Lagers für „Displaced Persons“. 

Besonderheiten: Links vom Haupteingang große Leichenhalle („Predigerhalle“) mit Tahara-Haus als Anbau, die erst 1934 vom „Jüdischen Jugendverein Ichenhausen“ errichtet wurde. In der Gemeinde existierte eine Chewra Kaddischa für Männer und Frauen seit 1735. 

Schändungen: Anfang Mai 1929, wobei die Bretterumzäunung teilweise niedergerissen und zehn Grabsteine zerstört wurden, sowie im Gefolge des Novemberpogroms 1938, als die Täter Hunderte von Grabsteinen umwarfen und dabei viele zerbrachen.

Literatur

  • Werner, Constanze (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. „Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …", Regensburg 2011
  • Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (19) [Allersheim, Ichenhausen, Wilhermsdorf]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 13., Nr. 76 (April 1998), S. 12-14, hier S. 13
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, 261-265
  • Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.): Juden auf dem Lande: Beispiel Ichenhausen. Katalog zur Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Ichenhausen - Haus der Begegnung, 9. Juli bis 29. 1991 (Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur, Nr. 22), München 1991