Jüdisches Leben
in Bayern

Heiligenstadt Friedhof

Der jüdische Friedhof liegt nordöstlich von Heiligenstadt im Waldstück „Im Köhlich“ dicht am Hang. Er hat eine Größe von über 2200 qm und wurde um 1700 angelegt. Die letzte Beisetzung erfolgte 1895.

Lage: Nordöstlich von Heiligenstadt im Waldstück „Im Köhlich“ dicht am Hang. 

Größe: 2280 qm; Umfriedung durch eine niedrige stabile Steinmauer. 

Alter: Der Friedhof wurde wahrscheinlich um 1700 angelegt; der Erwerb ist nicht eindeutig geklärt. Auflistungen über Begräbnisgebühren weisen allerdings darauf hin, dass die Freiherren von Stauffenberg den Friedhof im 18. Jahrhundert der Judenschaft überließen. 

Beerdigungen: Insgesamt haben sich nach Theodor Harburger nur noch 91 und damit recht wenige Grabsteine erhalten, darunter etwa 45 alte Steine. Die jüngsten mazzewot in der nordöstlichen Ecke stammen von 1887, 1896 und 1897. Die letzte Beisetzung auf dem Friedhof fand 1895 statt. Nach der Auflösung der Heiligenstadter Gemeinde übernahm die Jüdische Gemeinde Aufseß die Pflege des Friedhofs. 1841 erwarb die Bamberger Kultusgemeinde das Grundstück, 1943 übernahm es Berthold Schenk Graf von Stauffenberg. 

Schändungen: 1911 nutzte der Bienenzuchtverein den damals völlig verwilderten Friedhof für seine Zwecke. 1921 warfen Jugendliche Grabsteine um, einen antisemitischen Hintergrund verneinte man ausdrücklich. 1936 kam es hingegen zu antisemitischen Ausschreitungen, wobei 13 Grabsteine umgestürzt und teilweise beschädigt wurden.


Ein Film des Markt Heiligenstadt stellt den Friedhof vor.

Adresse / Wegbeschreibung

91332 Heiligenstadt i.OFr.

Von Bamberg kommend auf der Hauptstraße durch den Ort in Richtung Ebermannstadt. Bei dem Wegweiser "Familienzentrum / Pavillon Werntal" in den Steinweg einbiegen und ca. 1,5km bergaufwärts folgen. Vor der scharfen Rechtskurve scharf links in den Schotterweg abbiegen (Achtung Verkehr!) und ca. 250m folgen bis zum Wegweiser "Judenfriedhof 0,8km" (sic). Hier Auto stehen lassen, Weg bis zu einer Bank am Waldrand folgen. Vor dieser Bank, hinter einer hecke, scharf rechts in Wanderweg mit Hinweisschild "Judenfriedhof" einbiegen. Diesem ca. 600 m bergauf folgen, kurz vor Bergkuppe linkerhand Friedhofseingang.

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 114-117.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (22) [Zeckendorf, Pretzfeld, Heiligenstadt, Aufseß). In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 14, Nr. 79 (April 1999), S. 18-20.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd, 2.
    Fürth 1998, S. 285-287.
  • Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen
    Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187. Bayreuth 1992, S. 29–39.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 221f.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 186-194.