Der jüdische Friedhof Floß liegt an einer Anhöhe südöstlich des Ortes unmittelbar an der Straße nach Floß. Der älteste Grabstein stammt von 1692. Es sind fast 500 Grabsteine nachgewiesen.
Lage: Steile Anhöhe südöstlich des Ortes unmittelbar an der Straße nach Floß.
Alter: 1692 (ältester Grabstein); sieben Jahre zuvor hatten sich die ersten Juden in Floß niedergelassen. Erweiterungen des Friedhofs erfolgten 1729, 1754 und 1780.
Einzugsbereich: Schönsee, Waidhaus, Weiden (bis 1901).
Beerdigungen: 451 Grabsteine sind nachgewiesen, vier davon sind fast vollständig in der Erde versunken (freundliche Mitteilung von Peter Schleifenheimer). Die letzte Beerdigung fand 1946 statt; der Grabstein trägt die Inschrift: „Hier ruht in Frieden meine innig geliebte Frau Chana aus Poitrkow (Polen), gest. am 28. 2. 1946“. Ein Gedenkstein erinnert an die jüdischen Häftlinge des Konzentrationslagers Flossenbürg.
Besonderheiten: Die Leichenzüge aus Floß durften den Ort nicht passieren, sondern führten über den mit Granitplatten abgestützten „Totenweg“ durchs Tal. Seit 1794 war eine Chewra Kaddischa im Ort tätig.
1950 wurde eine KZ-Sammelgrabstätte für 33 unbekannte KZ-Häftlinge des KZ Flossenbürg eingeweiht. Der Gedenkstein aus Flossenbürger Granit trägt unterhalb des Davidsterns eine hebräische und deutsche Inschrift.
Schändungen: Am 28. Oktober 1929 wurden zwei Grabsteine umgestürzt und zwei Kindergräber verwüstet, ferner 1937 und im August 1997, als ein junges Liebespaar 44 Grabsteine umstürzte.
Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“:
Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.
Seit Juli 2006 erarbeitete Peter Schleifenheimer, Bamberg, auf Wunsch des Marktes Floß und mit Kenntnis und Erlaubnis des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden ehrenamtlich eine Dokumentation des jüdischen Friedhofs Floß. Da die Grabsteine zum Teil starke Verwitterungsspuren aufweisen, soll die Dokumentation anhand älterer Fotografien vervollständigt werden. Die Ergebnisse sind hier einsehbar: Jüdischer Friedhof - Dokumentation
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Flossenbürger Straße, 92685 Floß
Auf der Flossenbürger Straße Richtung Flossenbürg, ca. 30m rechts hinter dem Ortsende ein Parkplatz mit Eingang zum Friedhof.
Literatur
- Michael Schneebeerger: Die Juden von Floß. In: Jüdisches Leben in Bayern 19, Nr. 95 (September 2004), S. 34-39.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 202-203.
- Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (18) [Mellrichstadt, Floß, Kleinheubach, Buttenheim]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 11, Nr. 75 (Dezember 1997), S. 14-17.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 285f.
Weiterführende Links
- Jdischer Friedhof Floß (Landesverband Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern)
- Jüdischer Friedhof Floß (Alemannia Judaica)
- Jüdischer Friedhof Floß (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)
- Jüdischer Friedhof - Dokumentation und Gräberverzeichnis (Markt Floß)
- Jüdischer Friedhof Floß (Wikipedia)
- Jüdischer Friedhof Floß (Bayerischer Denkmal-Atla)
