Jüdisches Leben
in Bayern

Burgkunstadt Friedhof

Lage: Der jüdische Friedhof in Burgkunstadt liegt etwa einen Kilometer nördlich des Stadtzentrums am Ebnether Berg im Wald. Mit fast 15000 qm zählt er zu den zehn größten geschlossenen jüdischen Friedhöfen in Bayern. Der Friedhof wurde 1620 angelegt und mehrfach erweitert. Heute sind noch etwa 2000 Grabsteine erhalten.

Lage: Ca. 1 km nördlich des Stadtzentrums am Ebnether Berg im Wald, 150 Meter links von der Straße nach Ebnath. 

Größe: 14450 qm; der Friedhof zählt damit zu den zehn größten geschlossenen jüdischen Friedhöfen in Bayern. Einfriedungsmauer aus Sandsteinquadern; drei Gräberfelder. 

Alter: Um 1620, 1679 erweitert. Nachweisbar seit 1620 sind Begräbnisse von Juden aus Altenkunstadt. Eine Nachricht weist darauf hin, dass ein Platz am „Hutanger“ als jüdische Begräbnisstätte dienen solle. Der älteste Grabstein stammt von 1623. Die Lehensbedingungen sahen eine Leichengebühr von 1 Gulden pro Beerdigung sowie alljährlich 5 Gulden Schutzgebühr vor. Starb der Gabbaj, musste sein Nachfolger vom Magistrat neu belehnt werden. Auf dem Areal sind eindeutig drei Belegungsperioden zu erkennen: 17. und 18. Jahrhundert (Norden), 19. Jahrhundert (Osten) und 20. Jahrhundert (Westen) Einzugsbereich: Altenkunstadt, Bayreuth (bis 1787), Burgkunstadt, Coburg, Ebneth, Fassoldshof, Friesen, Hochstadt (bis 1840), Horb am Main, Kronach, Küps (von 1832 bis 1835), Kulmbach, Lichtenfels, Lichtenstein, Maineck, Mistelfeld, Mitwitz, Oberlangenstadt (ab 1831), Redwitz, Rothwind, Seubelsdorf und Weidnitz. Zwischenzeitlich besaßen einige dieser Gemeinden eigene Friedhöfe, so Bayreuth (seit 1787), Küps (seit 1835) und Lichtenfels (seit 1840). 

Beerdigungen: Heute sind noch etwa 2000 Grabsteine, darunter sehr prunkvolle Arbeiten aus der Zeit um 1700 erhalten. Diese stehen im nördlichen und nordwestlichen Teil; rechts vom Eingang befinden sich die Grabsteine aus der Zeit nach 1800, links vom Eingang die aus der Zeit nach 1900.

Besonderheiten: Links vom Eingang kleines Leichenhaus aus Sandstein; ein Brunnen lieferte Wasser für die Tahara. In die Außenwand des Tahara-Hauses eingemauert ist eine Steinplatte mit dem hebräischen Segensspruch: „Gelobt seit Du unser G’tt, König der Welt, der Euch gezeugt hat nach dem Gesetz und Euch ernährt und erhalten hat nach dem Gesetz und Euch zu sich berufen hat nach dem Gesetz […] Er weiß die Zahl von Euch und er wird Euch in der Zukunft auferstehen lassen nach dem Gesetz. Gelobt seist Du G’tt, der die Toten auferstehen lässt“. Die Gemeinde verfügte über eine Chewra Kaddischa für Männer (seit 1855 auch für Frauen). Schändung: Mehrere Schändungen 1937 und zwischen 1943 und 1945 sowie 1973 durch Betrunkene nach einer durchzechten Faschingsnacht, entdeckt von einem Spaziergänger am 24. Februar 1973. Sie hatten etwa 600 Grabsteine umgeworfen.

Fotodokumentation „Steinerne Zeugnisse“:

Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation „Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern“ überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Adresse / Wegbeschreibung

96224 Burgkunstadt

Stadtauswärts auf der Ebnether Straße, nach Ortsausgang zweite Abzweigung links.

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 54-59.
  • Michael Schneeberger: Jüdische Landgemeinden in Bayern (5). Die Juden von Kunstadt. In: Jüdisches Leben in Bayern. Mitteilungsblatt des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern 18, Nr. 92 (September 2003), S. 24-29, hier S. 24.
  • Josef Motschmann / Siegfried Rudolph: Guter Ort über dem Maintal. Der jüdische Friedhof bei Burgkunstadt. Mit einem Beitrag von Günter Dippold über die benachbarten jüdischen Friedhöfe. Lichtenfels 1999 (= CHW-Monographien 1).
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, bd. 2. Fürth 1998, S. 118-130.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (12) [Oberwaldbehrungen, Autenhausen, Weimarschmieden, Burgkunstadt]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 11, Nr. 69 (April 1996), S. 18-19, hier S. 19.
  • Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen
    Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187. Bayreuth 1992, S. 29–39.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 211f.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch, Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 76f.