In Bamberg gab es bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung 1478 auch einen Friedhof. Er lag am östlichen Fuß des Michelsberges. Nach der Zerstörung wurden Grabsteine als Bodenplatten verwendet,
Seit 1851 bestattet die Gemeinde ihre Verstorbenen auf dem Friedhof in der Siechenstraße. Die erste Beisetzung fand 1851 statt. Auf dem Areal finden sich etwa 1100 Grabstätten.
1397 angelegt wurde der Friedhof außerhalb vom Sandtors bereits 1407 erweitert. Er lag innerhalb der Siedlung am östlichen Fuß des Michelsberges hinter den Häusern der Unteren Sandstraße (Nr. 19 bis 29) hinter dem Haus des Häfners Johann Käth. Im Jahr 1478 wurden die Juden der Stadt verwiesen und der Friedhof abgeräumt. Nach der Wiederbesiedelung brachte man bis um 1650 die Toten nach Zeckendorf, später nach Walsdorf. Zwischen 1960 und 1965 fanden sich bei Umbauarbeiten im Haus Sandstraße 29 Grabsteine des mittelalterlichen Friedhofs, die – umgedreht – als Bodenplatten gedient hatten. Sie sind jetzt im Tahara-Haus des Friedhofs in Bamberg aufgestellt.
Lage: Siechenstraße 102 direkt neben dem Städtischen Friedhof.
Größe: 7640 qm.
Alter: 19. Oktober 1851 mit der Beisetzung von Is. Kolb in Betrieb genommen. Die Rede zur Einweihung sprach Rabbiner Samson Wolf Rosenfeld.
Beerdigungen: Insgesamt befinden sich etwa 1100 Gräber auf dem Areal. In der linken Abteilung stößt man zumeist auf neue Gräber, an der rückwärtigen Mauer, die den jüdischen vom christlichen Friedhof abgrenzt, sind rechter Hand Gräber der Jahre 1936 bis 1946, linker Hand teilweise recht ärmliche Gräber der unmittelbaren Nachkriegszeit. In der vorderen Reihe am Eingang stehen besonders schöne Soldatengräber, dahinter ein Rabbinergrab. Rechts vom modernen Eingang erinnert ein Mahnmal an die Opfer des Holocaust.
Besonderheiten: Leichenhalle von 1890 an der Siechenstraße mit Wohnung des Friedhofwärters und mit Gedenktafel für die gefallenen jüdischen Soldaten des Ersten Weltkriegs. Die Leichenhalle wurde von 1993 bis 1997 renoviert.
Schändungen: Enteignung des Friedhofs 1943/44. Während des Nazi-Regimes wurde das Tahara-Haus an die Firma Bosch vermietet, die es als Metalllager verwendete.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Siechenstraße 102, 96052 Bamberg
Literatur
- Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 32-37.
- Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen
Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187. Bayreuth 1992, S. 29–39. - Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 206-210.
Weiterführende Links
- Die jüdischen Friedhöfe in Bamberg 8Alemannia Judaica)
- Die jüdischen Friedhöfe in Bamberg (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)
- Jüdischer Friedhof Bamberg (Wikipedia)
- Jüdischer Friedhof (www.juden-in-bamberg.de)
- Jüdischer Friedhof Siechenstraße (Bayerischer Denkmal-Atlas)
