Zeitzeugen berichten

Werner Neugebauer Gewerkschaftsfunktionär

Signatur
zz-1331.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte(Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1993

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Werner Neugebauer über den Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze während der Übernahme von Continental durch die FAG. Eine große Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit mit Marie Elisabeth Schaeffler.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Werner Neugebauer, geführt am 15.06.2010 in Landshut im Rahmen des Projekts Geschichte der Gewerkschaften, über seine von Armut geprägte Kindheit, die Arbeit als Dreher in Schweinfurt, seine Karriere in der IG Metall und den Kampf für mehr Arbeitnehmerrechte wie der 35-Stunden-Woche.

Biogramm

Am 18. November 1950 in Schweinfurt geboren, nach der Volksschule Arbeit bei den Schwedischen Kugellager-Fabriken (SKF) in Schweinfurt als Dreher, 1971/72 Zivildienst, danach Ausbildung und Tätigkeit als Organisationssekretär in den DGB-Kreisen Landshut, Regensburg und Cham, ab 1974 Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Landshut, 1976-1988 Erster Bevollmächtigter der IG Metall Landshut, 1988-2010 Bezirksleiter der IG Metall in Bayern.

GND: 121072207

Inhalte

Aufgewachsen in Schweinfurt, Kindheit und Jugend im Arbeiterviertel „Musikerviertel“, Vater Alleinverdiener: Leben am Existenzminimum, trotz Armut schöne Kindheit, Ausbildung zum Dreher, sehr guter Schüler, zwei Jahre Oberrealschule, danach wieder Volksschule, ab 1965 Lehre als Dreher bei SKF, ab 1967 Mitglied bei der IG Metall, Mitglied bei der SDAJ, Eintreten für bessere Ausbildungsbedingungen und gerechte Lohnverteilung, 1972 Ausbildung zum Organisationssekretär beim DGB-Kreis Landshut, 1973/74 Einsatz für den DGB in Regensburg und Cham, Ermordung des chilenischen Präsidenten Salvador Allende: Studentenunruhen und Teilnahme an Demonstrationen, ab 1974 Gewerkschaftssekretär in Landshut: Jugendarbeit, Bildungsarbeit sowie Vertrauensleute- und Betriebsrätearbeit, wegen Lungenkrebserkrankung des Kollegen Oswald Zimmermann alleinige Führung der Verwaltungsstelle für ein Jahr, ab 1976 Bevollmächtigter der IG Metall in Landshut, Themen/Aufgabenbereiche: Tarifverträge, Betriebsstilllegungen, Betriebsverlagerungen ins Ausland, Ausbildungsplätze, Rente mit 60, Flexibilisierung der Arbeitszeit, Debatte um Arbeitszeitverkürzung, BMW: Kurzarbeitergeld, trotzdem massenhaft Austritte aus der IG Metall, 1988 Bezirksleiter der IG Metall in Bayern und Mitglied des DGB-Bezirksvorstandes, „Wiener Memorandum“, ab 1990 Zusammenarbeit mit tschechischen Gewerkschaften: Vertrauensverhältnis, Skoda Pilsen, Unterstützung der osteuropäischen Gewerkschaften: Einkommensniveau in Tschechien und Ungarn sorgt für verminderte Auslagerung der Produktion aus Deutschland - Siemens als „Lieblingsbetrieb“: Ausgliederungen und Einkommensverschlechterung der Arbeiter, Aufgabe des Aufsichtsratspostens bei Siemens, 1995 Streik in Bayern: Umsetzung der 35-Stunden-Woche, Lohn- und Gehaltserhöhungen, Lehren aus dem Streik von 1995: keine Auseinandersetzungen mit der Polizei, sondern Dialog mit den Arbeitgebern, 1998 zweiter Konkurs des Stahlwerks Maxhütte in der Oberpfalz, Max Aicher, spezielles Verhältnis zu Otto Wiesheu, gemeinsame Themen: Kettler, AEG, Grundig, 2003 Verabschiedung der "Agenda 2010": Ende des traditionellen Schulterschlusses zwischen SPD und Gewerkschaften, Einschnitte in den Sozialstaat: Hartz IV, Leiharbeit, Befristung, 2006 Schließung des AEG Stammwerks in Nürnberg: Streiks, zähe Verhandlungen mit der Mutterfirma Elektrolux: als Ergebnis hohe Abfindungen und Beschäftigungsgesellschaften für die Arbeiter, 2006 Konkurs von BenQ, Zahlung von 400 Millionen Euro durch den vorherigen Arbeitgeber Siemens, Berthold Huber, 2008 Warnstreik bei BMW in Wackersdorf: Forderung von 8% mehr Lohn, Gründe: geplante Stilllegung, drohende Streichung von 2.000 Arbeitsplätzen, Streik erfolgreich, Wirtschaftskrise: schwere Auswirkungen auf die Metall- und Elektroindustrie, 6-Punkte-Programm: u.a. Abwrackprämie, Kurzarbeit, „keine betriebsbedingten Kündigungen“, Lehren aus der Krise 1993/94: damals Facharbeitermangel durch Reduzierung der Belegschaft, Marie Elisabeth Schaeffler: Verkalkulierung bei der Übernahme von Continental, Hilfe durch die IG Metall zum Schutz der Arbeitnehmer, Ergebnis der Verhandlungen: Aufsichtsrat, erhöhte Transparenz, Probleme beim Autozulieferer Mahle, Kritik an der Zeitarbeit: keine gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit, Organisationsgrad der IG Metall in Deutschland bei 50% - Organisationsgrad in Bayern 45% - Jugendarbeit, Wandel in der Organisation der Gewerkschaft seit den 1970er Jahren, „Ausdifferenzierung der Tariflandschaft“, Änderung der Sozialmilieus mithilfe der Gewerkschaften, Balance zwischen den Interessen der Stammbelegschaften und den Interessen von Leiharbeitern, IG Metall nicht konfliktorientiert, jedoch Warnstreiks als Druckmittel, Forderung: mehr Aufmerksamkeit für soziale Randgruppen, sinkendes Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen im Gegensatz zu früher, demokratische Funktion der Gewerkschaft, politische Funktion der Gewerkschaft, Verhältnis zu Otto Wiesheu, Emilia Müller und Martin Zeil, Erhöhung der Frauenquote bei der Gewerkschaft, nach der Wende Zuständigkeit auch für Sachsen, dort Erneuerung der Organisationsstruktur, heute Mischung der Gewerkschaftsvertreter aus Facharbeitern und Universitätsabgängern, „katastrophale Entwicklung“ der Industrie in Deutschland: Zunahme des Dienstleistungssektors auf Kosten des Gewerbes, gesundheitsbedingte Aufgabe des Amtes als Bezirksleiter, wichtigste Errungenschaften: zwei Kinder, Freunde.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
02:00 h
Aufnahmedatum:
15.06.2010
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.