Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Hans Weber, wie er als Oberbürgermeister die erste Großdemonstration von Regensburger Oberschülern gegen eine Fahrpreiserhöhung für die Straßenbahn 1968 erlebte.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Hans Weber, geführt am 26.11.1996 in Regensburg.
Biogramm
Hans Weber, geboren 1912 in Regensburg, stammte aus einer Regensburger Eisenbahnerfamilie. 1926 begann er mit 14 Jahren eine Elektrikerlehre und trat sowohl den Freien Gewerkschaften als auch der SPD bei. An einer Handelsschule erwarb er die Mittlere Reife. Daneben war er bei der Arbeiterjugend und den Falken aktiv. Am 01.05.1933 sollte er hauptamtlicher Jugendsekretär der SPD werden. Durch die Besetzung und Beschlagnahme der Büros und Organisationsräume durch die Nationalsozialisten und dem am 14.06.1933 verhängten Verbot der SPD konnte er die Stelle aber nicht antreten. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten betätigte er sich im Widerstand als Kurier bei der Verbreitung illegaler Zeitschriften aus der Tschechoslowakei. 1934 wurde er verhaftet und kam in ein Konzentrationslager im Emsland. Nach seiner Freilassung wurde er im Zweiten Weltkrieg in der Bewährungsdivision 999 im deutschen Afrika-Korps der Wehrmacht eingesetzt und geriet im März 1943 in französische Gefangenschaft. Dort organisierte der gelernte Nachrichtentechniker den Lagerfunk sowie politische Vorbereitungskurse für seine Kameraden. Nach knapp vierjähriger Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Regensburg zurück und begann eine erfolgreiche Karriere als Kommunalpolitiker in der SPD. 1961-1972 war er Bürgermeister der Stadt Regensburg. 2003 starb Hans Weber in Regensburg.
Inhalte
Elternhaus / Jugend in Regensburg – Arbeiter Turn- und Sportverein 1922/23 / bayerisches Turnfest 1923 – Sozialistische Arbeiterjugend / Kinderfreunde-Bewegung 1926 / Falken-Bewegung – Wahl zum 2. Bezirksvorsitzenden der Arbeiterjugend – Machtübernahme ("Machtergreifung") der NSDAP – Besetzung / Beschlagnahme der Büros der Volkswacht – Eiserne Front gegen die Nationalsozialisten: Reichsbanner / Gewerkschaften / Turnerschaften – General Franz Ritter von Epp Reichsstatthalter von Bayern – Übernahme der Regensburger Volkswacht und des Gewerkschaftshauses durch die SA und Landespolizei – Parteivorstand der "Sopade" nach Prag – Hans Diel – Gottlieb Peter – Überbringung der ersten „Neuen Vorwärts“ über Mies bei Tachau – Treffen in Schwarzenfeld in der Oberpfalz – Fußball zur Tarnung – "Neuer Vorwärts" versteckt im Laib Brot – „Neuer Vorwärts“ später „Sozialistische Aktion“ – Kleinformat vergrößert und vervielfältigt – Tarnnamen: Hans Weber = Karl Stein – Sepp Schober – Transport mit Fahrrad aus Geldnot – Zeitungstransport per Lieferwagen / Austausch in Großmarkthalle München – Furth im Wald / Voithenberg Skifahren, um Hans Diel zu treffen – Otto Kuhn aus Schwandorf – Motorradfahrt durch den tiefen Schnee nach Schwandorf – Treffen mit Freund Margeth in Furth im Wald / Übernahme von 200 Zeitungen – Waldmünchen – Motorradpanne bei Cham / Weiterfahrt mit dem Zug / Lektüre des "Völkischen Beobachters" zur Tarnung im Zug – Schweigen gegenüber der Familie - Landshut / Franz Böck / Lahmer / Joringen – zufällige Entdeckung eines Zeitungsversteckes beim Arbeitsplatz eines Freundes / Auffliegen des Verteilerkreises – Verhaftung Alfons Bayerer am 8. Mai / Hans Weber 12. Mai – Haft in der Augustenburg – Vernehmung – Ausflug über KZ Flossenbürg nach Mies zu Hans Diel – Köppel – unterschiedliche Dauer des Prozesses / Haftstrafen – Weihnachten 1934 in der Gefängniszelle – rote Nelken von der Frau – 11.03.1935 Verurteilung / 68 Angeklagte – 4 Jahre Zuchthaus / 5 Jahre Ehrverlust – Jackenstricken und Brillenherstellung als Arbeit während der Haft – Moorlager Emsland / Kultivierungskommando – Solidarität unter den Gefangenen – ein SA-Mann schießt einem Häftling die Hoden ab – Baracke 12 mit Otto Kuhn – Soldaten erzählen ihnen von der "Reichkristallnacht" (Reichspogromnacht) 1938 – Abbau und Abtransport des Lagers zum Bau des Westwalls bei Esterwegen – Willkür der SA-Leute – Gefängnis Aschendorf kurz vor Haftende – Heydrich / Schutzhaft verlängert aufgrund der Befürchtung, weiterhin gegen das NS-Regime zu agieren – Beschwerdebrief an die Gestapo – Vorladung bei der Gestapo in Regensburg – tägliche Meldungspflicht bei der Polizeiwache – Polizeiaufsicht – Musterung / Wehrdienstunwürdigkeit wegen Ehrverlusts – 1942 erneute Musterung / „tropenfähig“ – Einberufung in die Bewährungseinheit 999 der Wehrmacht ins deutsche Afrikakorps (Nachrichtenabteilung) – Militärausbildung in Marienheide / Belgien – Aramon / Avignon / Neapel – Tunis / Bombardements der Alliierten – Eingekesselt in Tunis / Freude über Kapitulation – Kriegsgefangenschaft bei den Franzosen – Strapazen des Fußmarsches nach Zaguan – Hunger im Gefangenenlager – Bizerta / Registrierung / „Entlarvung“ ihrer Verbrecherkompanie – Befragung durch das Deuxième Bureau – Lagerinformationsdienst / Lagerradio – Theater – Schule / politische Bildung – Ahndung eines politischen Mordes – Jugendgruppen im Lager – Arbeit im Elektrizitätswerk / Monsieur Laforét – Entlohnung – Lazarettaufenthalt – Heimreise – Marseille – Fors / Avignon – Tuttlingen – Entlassung aus Kriegsgefangenschaft am 27.01.1947 – München – Regensburg – Wiedersehen mit der Frau – 1947 Mitarbeiter bei Karl Esser bis 1952 – Anstellung bei der ÖTV – politische Karriere – Aufgaben als Oberbürgermeister – Pension 1962 – Seniorengruppe der SPD – Entwicklung der SPD / Waldemar von Knoeringen in Eisenstein / Franz Höni / Otto Kuhn / Fritz Renner / Brennel / Hans Fried – innerparteiliche Volkspartei – Diskussion in der SPD – mehr Arbeitermitglieder bei der CSU – die "bösen Roten" / Probleme der SPD mit dem ländlich-konservativen Milieu – Verhältnis Landes- / Bundespolitiker – Politik früher und heute – Studentenbewegung in den 1960ern / Schlichtinger / Rudi Dutschke – Alt gegen Jung in der SPD – Standpunkt zum Vorwurf der unmodernen SPD – Fehler der SPD in den 1970ern.
Daten
Interview. Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.