Zeitzeugen berichten

Thea Schroff 1983-1992 Präsidentin des Landesfrauenausschusses

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Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Thea Schroff über die Nöte der Frauen in den 1950er Jahren, die sie im Münchner Sozialdienst beobachten konnte. Viele Witwen mussten ihr Auskommen ohne Rente fristen, Kinder, die aus Vergewaltigungen hervorgegangen waren, erlebten besonders große materielle Nöte.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Thea Schroff, geführt am 11.11.1997 im Rahmen des Projekts Frauen in Bayern, über den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit, die Arbeit bei der Bundesbahn-Betriebsfürsorge, die private Rollenverteilung innerhalb ihrer Familie und die Arbeit im Landesfrauenausschuss.

Biogramm

Thea Schroff wurde 1926 in München geboren und wurde gegen Kriegsende zum Arbeitsdienst herangezogen. Nach dem Krieg absolvierte sie eine Ausbildung an der Sozialen Frauenschule in München und war dort von 1949 bis 1970 als Referentin tätig. Von 1971 bis 1992 übernahm sie die Leitung der Landesstelle. 1973 war Thea Schroff als Gründungsmitglied an der Errichtung des neuen Landesfrauenausschusses beteiligt und war von 1983 bis 1992 dessen Präsidentin. Von 1976 bis 1990 war sie zudem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Modellberatungsstelle §218 in Bayern und seit 1983 Mitglied im Stiftungsrat „Hilfe für Mütter und Kinder“. Thea Schroff war darüber hinaus Vorstandsmitglied im Stiftungsrat der Katholischen Bildungsstätte und be3i „Aktion für das Leben“ – BOMITA, Mitglied im Landeskomitee der Katholiken, in der Landescaritaskonferenz und in er Arbeitsgemeinschaft katholischer Frauen in Bayern sowie 2. Vorsitzende des Deutschen Berufsverbandes der SozialarbeiterInnen, SozialpädagogInnen e.V. Landesverband Bayern.

Inhalte

Einschulung, Einführung des obligatorischen Hitlergrußes, 1938 Attentat im Münchner Bürgerbräukeller, als Geigerin anwesend, Vater: Geschäft am Isartorplatz, jüdische Kunden, wer es sich leisten konnte, wanderte aus, Vater nahm viele noch für eine Nacht auf, "Reichskristallnacht" (Reichspogromnacht) 09./10.11.1938, Juli-Jakob-Synagoge, Talmudschule, Geigenstunden gegenüber, brennende Synagoge, hilflose Kinder im Hof, verwüstete Geschäfte in der Maximilianstraße, alte Jüdin mit Angst vor vergiftetem Essen, Taxifahrer aus dem Haus zeitweilig im Konzentrationslager, Frauenbild in der Familie, Vater selbstständig, Mutter arbeitete mit, selbstbewusstes Mädchen, nicht dem Bild eines "deutschen Mädels" entsprochen, Klosterschule - Verwundetenversorgung, mit amerikanischem Jeep und schwerkranker Frau von Österreich nach Bayern gefahren, keine Angst vor Vergewaltigung, Typhusepidemie in Österreich, deshalb erst im Dezember 1945 zurückgekehrt, schlechter Gesundheitszustand, Neugründung der Sozialen und Karitativen Frauenschule, Sommer 1946, Vorpraktikum: Bibliothek für Kriegsgefangene Theologiestudenten zusammengestellt, diese hatten Erlaubnis zum Studium in Chartres, Unterkunft in zerbombtem Haus in der Münchner Heßstraße, Mäuse, Mausefalle, Haus des "Lebensborn" in Steinhöring, Kinder zur Adoption vermittelt, Ausbildungsstätte 1946 eröffnet, nur 23 von 50 machten das Examen, nebenamtliche Lehrkräfte, Alois Hundhammer (CSU) unterrichtete Sozialpolitik und Volkswirtschaftslehre, Verfassunggebende Landesversammlung 1946, zerbombte Universität, Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD), historischen Augenblick damals nicht begriffen, Hundhammer: Mann aus der Praxis, Erfahrungen im Krankenhaus in Salzburg, "Ami-Mädchen" auf Geschlechtskrankheiten untersucht, Praktikum in der JVA in Stadelheim, zahlreiche deutsche Frauen fingen etwas mit Amerikanern an, da es keine deutschen Männer gab, materielle Vorteile, Kriegsende: Bruch, Druck fiel ab, 1949 Staatsexamen als Sozialarbeiterin, Bundesbahn-Betriebsfürsorge, Selbsthilfeeinrichtung, Familienversorgung, Hausbesuche, Siedlungen, Tuberkulosekranke, Wohnsituation in ausrangierten Eisenbahnwaggons, Flüchtlingslager, Hotels in Bad Reichenhall, schlimmste Notsituation im Flüchtlingslager in Bad Reichenhall, Versorgung über Lebensmittelkarte, 1947, Hunger, Arbeit am Gesundheitsamt, "Tuberkulose-Sprechtage", ambulanter Röntgenwagen, "Säuglings-Sprechtage", Rachitis bei Kindern, Lebertran, bei Schwestern untergebracht, Salinenkaplan - Arbeit an der Fachhochschule für Sozialpädagogik, Besuch mit Studenten in Moskau 1989, eiskaltes Wohnheim, existentieller Hunger - Währungsreform 1948, Rippenfellentzündung, Angst davor, die Ausbildung nicht mehr bezahlen zu können, Streit der Eltern wegen Kopfgeld - Mann im Tanzkurs kennen gelernt 1947, Heirat, Mann nach Notabitur eingezogen, Kriegsgefangenschaft, keinen Beruf gehabt, S. musste arbeiten, keine Wahl, Eltern kümmerten sich ums Kind, Campingurlaub, damals unüblich im Beruf verheiratet zu sein, Verlobungsring, schiefe Blicke, relativ wenige Beziehungen abseits des Berufs, Leistung, Fortbildungen gemacht, damals noch unüblich, Mann unterstützte S., 1980 Bayerischer Verdienstorden, Einrichtung der bayerischen Schwangerenberatungsstellen, Mann begleitete S. bei Ordensverleihung, Marianne Strauß, Arbeiten im Haushalt nach Talenten geteilt, "Teamwork", Vertretung Bayerns beim Bund, viel unterwegs, 1951 "Katholischer Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Kinder", nur Frauen durften Mitglieder sein, Referentin, Aufbau örtlicher Verbände, Mutter-Kind-Einrichtungen, Bundessozialhilfegesetz, Schulungen gehalten, Rechtsanspruch auf Sozialhilfe 1962, Caritas-Kreisstellen, ehrenamtliche Vorstände geschult, von der damaligen Chefin viel gelernt, Weite der Sozialarbeit, "Nöte der Frauen" in den 1950er Jahren: Witwen, viele tote und vermisste Männer, Mündel, Kinder aus Vergewaltigungen, Männer wollten die Ehe nicht fortsetzen, materielle Nöte, Abtreibungen spielten keine Rolle, Jugendgerichtshilfe, Verhandlungen aber keine Verurteilungen, 17jährige starb bei Abtreibung, "Engelmacher", Wunsch nach Kindern in der Nachkriegszeit, anderes Lebensgefühl damals, zur Entbindung mit der Straßenbahn ins Krankenhaus gefahren, Kontakt mit männlichen Entscheidungsträgern, nie "lieb Kind" gemacht, kämpferische Haltung, Gleichberechtigung für Frauen erreichen, keine Dominanz eines Geschlechts über das andere, Schreiben der Deutschen Bischofskonferenz von 1981 zur Frau in Kirche und Gesellschaft, lebendiges Beispiel, in einige Positionen reingedrängt, Position lange aufgebaut, Leitungsfunktion im Verband für Frauenarbeit im Spitzenverband Caritas, Aufbau der Schwangerenberatung, Verhandlungen mit den Ministerien, flächendeckendes Netz von Frauenhäusern, organisatorisch sozialpolitische Tätigkeit der Sozialarbeit ausgeübt - in den 1950er Jahren: Frauen konnten kein Konto ohne die Erlaubnis des Mannes eröffnen, befreundete HNO-Ärztin, andere Probleme im Vordergrund, Arbeitskreis auf Bundesebene über die Reform des nichtehelichen Rechts, Gesetz 1977, Notsituation im Vordergrund, Prostituierte am Truppenübungsplatz Grafenwöhr, Kampf um Vormundschaften - Abtreibungsdiskussion § 218, Stern-Artikel "Ich habe abgetrieben", Podiumsdiskussion, offizielle Meinung des Caritasverbandes vertreten, Kardinal Döpfner, einig darin die offizielle Meinung der Kirche zu vertreten, Schwangerenberatung, Fortbildung für Beraterinnen, Kolloquium, Fallbesprechung, Ablehnung der Abtreibung, trotzdem innere Konflikte, Hilfe und nicht die Moral im Vordergrund, eigene Entscheidung, Mutter im Vordergrund, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Modellberatungsstelle § 218, Bundesgesetz 1975, gemeinsames Organ katholischer, evangelischer, kommunaler und Profamilia-Beratungsstellen, Vertretung gegenüber der Politik und den Ministerien, bayerisches Gesetz sah gemeinsame Leistung von Beratung und Hilfe vor, "Bayerische Landesstiftung - Hilfe für Mutter und Kind", zweiter Stiftungszweck "Schwangerenhilfe", Stiftungsgelder des Landes und der Kirchen, Hilfe für Beratungsstellen, Vertretung der katholischen Kirche, Einzelfallhilfen, Marianne Strauß Kuratoriumsvorsitzende, Schwangerengesetz vom August 1977, Nachbetreuung, flächendeckendes Netz von Beratungsstellen, Friedrich Kardinal Wetter, Angst um Familie, Beratung im oder neben dem staatlichen Netz, knapper Entscheidungszeitraum von Gewissheit über Schwangerschaft bis zur 12. Woche - Landesfrauenausschuss, 1976 Podiumsveranstaltung zur Schwangerenberatung, Beratung und Hilfen, Konsens, Präsidentin des Landesfrauenausschusses, Vertretung 36 unterschiedlichster Frauenverbände, zweite Wahl als Bestätigung, Gründungserlass, Arbeits- und Sozialminister Dr. Pirkl, Zusammenschluss, um Gehör zu finden, Geschäftsführung beim Ministerium, Ingeborg Geisendörfer, Ursula Wolfring, gute Zusammenarbeit, unterschiedliche Interessen der Verbände gebündelt, Demonstration gegen Gründung, Unterschiede bei der Schwerpunktsetzung bei Auseinandersetzungen zwischen Männern und Frauen, inhaltliche Auseinandersetzung, Durchsetzungsvermögen, Kungelei nicht nötig, durch Fachlichkeit überzeugt, 68er, Frauenhaus-Aktionen, in West-Berlin Häuser besichtigt, Hilfe durch Männer wegen gleichzeitiger Hilfe für die Kinder, Nord-Süd-Gefälle, Industrie, Landwirtschaft, kritische Stimmen von Priestern, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Aufgabenverteilung bei der Erziehung, Berufung einer Professorin mit zwei Kindern an der Fachhochschule, Erziehung genauso Aufgabe der Väter, Veränderung der Einstellung der Männer in den Beschlussgremien, Ablehnung von Gleichmacherei, Ausnutzen und Verwirklichen der Stärken, ganzheitlichere Sichtweise der Frauen, höhere Sozialkompetenz, Anpassung des Arbeitsrhythmus' an die Familie.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
11.11.1997
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.