Zeitzeugen berichten

Oskar Gensberger Gewerkschaftsfunktionär

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Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Oskar Gensberger beschreibt die betriebliche Umstrukturierung des Münchner Schlachthofs Anfang der 1950er-Jahre.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Oskar Gensberger, geführt am 04.06.1996 im Rahmen des Projekts Geschichte der Gewerkschaften, über seine Kindheits- und Jugenderlebnisse im "Dritten Reich", den Neuaufbau der Gewerkschaften nach dem Zweiten Weltkrieg, seine Studienfahrt in die USA und seine Tätigkeit als DGB-Geschäftsführer in München.

Biogramm

1921 in München geboren, Bäckerlehre, im Zweiten Weltkrieg in Dänemark eingesetzt, nach 1945 Kontakte zu den Gewerkschaften, Bayerischer und Deutscher Gewerkschaftsbund, in den 1950er und 60er Jahren Geschäftsführer der DGB-Verwaltungsstelle München, zuständig für den Bereich Tarifpolitik. Oskar Gensberger ist 2010 verstorben.

GND: 1194309453

Inhalte

1921 geboren, aufgewachsen in München, Isartor, Vater: Dekorationsmaler, Mutter: Hausfrau, acht Geschwister, Arbeitslosigkeit des Vaters, Lehre in einer Bäckerei mit 14, Kost und Logis, Vater: Gewerkschafter und SPD-Mitglied, Sterneckerbräu, NSDAP, Vater im Reichsbanner, Auseinandersetzungen, Kontrolle der Gewerkschaftsbeitragszahlung der Brüder durch den Vater, Deutsches Museum, Vater starb 1938, Versuch Koch zu werden scheiterte, Kellerbäckerei in der Hochbrückenstraße, schlechte Arbeitsbedingungen, Fahrrad gekauft, Schulzeit, Parteiabzeichen drei Pfeile, Reibereien mit NS-Jungvolk, Religionsunterricht unterminiert 1931/32, Schlägereien im Schulsaal, Berufsschule 1936, Ausflug mit Pfeilfahne, Überfall von NS-Jugend, Schrotflinte, im Auge getroffen, wochenlang in Münchner Augenklinik, Kriminalpolizei, Täter nie gefasst, weiter kriegstauglich, keine Mitgliedschaft in NS-Jugendverbänden, Hitlerjugend (HJ), Funkausbildung bei altem Marinesoldaten, Grundausbildung in München, weitere Ausbildungen, Peilfunker, Luftwaffe, Einsatz am Flugplatz München-Riem, Hamburg, Dänemark, Aufbau neuer Funkstationen, Informationen über alliierte Bomberverbände, Kapitulation im Mai 1945, in britische Kriegsgefangenschaft geraten, Uhren abgenommen, Kontakte zum dänischen Widerstand, Waffenlager, Hilfe bei Desertion angeboten, nach dem Krieg weiterhin Kontakte, Dänen reserviert, nicht aggressiv gegen deutsche Besatzer, Dänisch gelernt, Vermittler zwischen Bürgermeister und Kommandeur - von den Engländern an Amerikaner übergeben, im August 1945 nach Bayern geschickt, Entlassung, während der Kriegsgefangenschaft nicht versorgt, eigene Vorräte mitgenommen - Rückkehr nach München, Wohnung ausgebombt, Schwester besorgte Unterkunft, undichtes Dach, notdürftige Reparaturen, Zelt auf dem Dachboden, Mutter aus Evakuierung zurückgeholt, Arbeitsamt, Arbeit bei Bäckerei in der Lindwurmstraße, Sendling, Fahrrad, Schlauch bald defekt, Neugründung der Gewerkschaften, Gewerkschaftshaus in der Hochstraße, Mitglied geworden, Fahrradreifen bekommen, Gewerkschaft für Lebens- und Genussmittelarbeiter, später NGG Nahrung-Genuss- Gaststätten, Hauskassierer, Umzug der Gewerkschaft in die Landwehrstraße, Entschuttungsarbeiten, Kurse, Rainthaler Hof bei Garmisch, 14 Tage Gewerkschaftsgeschichte, Anfang 1947 hauptamtlich angestellt, 1949 Angebot der Amerikaner, die amerikanischen Gewerkschaften zu studieren, amerikanische Skepsis gegenüber Linken, Interesse an kleinen dezentralen Organisationen, Gewerkschaften zur Organisation des Arbeitslebens und zur politischen Stabilisierung, anfangs Versorgung der Arbeitnehmer mit Lebensmitteln, Kartoffelaktion, Kohlebeschaffung in Peißenberg, Penzberg, Beschäftigung mit Grundversorgung bis zur Währungsreform 1948, amerikanische Gewerkschaftsorganisationen, AFL, CIO, alte Gewerkschafter ziehen zentralistische Strukturen vor, Erlaubnis zum Zusammenschluss erst 1949 auf Länderebene, Betriebsräte, damals Vertrauensleute in den Betrieben, Kontrollratsgesetz Nr. 22, Betriebsratswahlen, Betriebsverfassungsgesetz, Arbeitsgemeinschaft der Betriebsratsvorsitzenden, Materialbeschaffung, regelmäßige Treffen, Kontakt zu den Behörden, KFZ von Amerikanern gestellt, allerdings ohne Benzin - Gründung des Bayerischen Gewerkschaftsbunds (BGB), Gustav Schiefer, Lorenz Hagen, Georg Reuter, Max Wönner, größere politische Einflussmöglichkeit, Arbeitsteilung BGB und Einzelgewerkschaften, Verteilung der Beiträge, Zahlung der Gehälter, Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), BGB hatte stärkere Stellung als DGB später, gemeinsame Kassen- und Geschäftsführung wurde aufgegeben, allerdings mussten Einzelgewerkschaften Personalkosten selbst tragen, Arbeitsrechtsstellen, Konsequenzen und Erfahrungen aus der Weimarer Zeit, Ende der Richtungsgewerkschaften, Prinzip: "ein Betrieb, eine Gewerkschaft", zersplitterte Strukturen vor 1933, Verhältnis der NGG zum BGB, Arbeitsteilung, vor der Währungsreform 1948: Organisation von Gerste für die Brauereien, Kontakte zur Staatsregierung, Gewerbeaufsichtsbeamte, Kontrolle des Nachtbackverbots, Eindämmung der Fluktuation, Kampf gegen Kellerbetriebe und Zwei-Zentner-Säcke - Gesellschaftspolitische Vorstellungen der Gewerkschaft, anfangs kein Programm, Vergesellschaftung von Großbetrieben, Verstaatlichung von Banken, sozialistische Vorstellungen, Grundsatzprogramm, Respekt vor Erfolgen der Marktwirtschaft, Betriebsverfassungsgesetz 1952, Stärkung der Unternehmer, Währungsreform 1948, Münchner Stadtkämmerer Hilscher, Kopfgeld, spontane Streiks wegen Versorgungslage, Kontakte zu Gewerkschaften in den anderen Zonen, Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB) immer stärker kommunistisch ausgerichtet, KPD-Einfluss nach 1945, vor 1949 Jugendsekretär, Jugendgruppe, Freizeitgestaltung, Unterricht erteilt in Gewerkschaftspolitik, Arbeitsrecht, 1949 vier Monate in den USA, 1951 Akademie der Arbeit, Mitgliederwerbung in den Betrieben, Vertrauensleute, Invalidenunterstützung, später Mitgliederwerbung Aufgabe der Betriebsräte, Organisationsgrade: Brauereien, Zigarettenindustrie, Müllereien, Zuckerfabriken, schlecht bei Klein- und Handwerksbetrieben, Gehilfenvereine, Genfer-Vereine, Delegierter beim Gründungskongress des DGB, Versuche der kleinen Gewerkschaften durch Zusammenschlüsse mehr Einfluss im DGB zu erhalten, Dominanz der IG Metall, Organisationsstruktur, zentralistische Struktur des BGB, Georg Reuter in den DGB-Bundesvorstand gewählt, Vorbereitungen zur Vereinigung in der damaligen Trizone - Einladung des amerikanischen Arbeitsministeriums: Kennenlernen von Organisationsstrukturen der amerikanischen Gewerkschaften, Studienfahrt in die USA, Betriebe aus derselben Branche besichtigt, Mühlen, Süßwarenhersteller, Lebensmittelproduktion, Closed-Job-System, keine gesellschaftspolitischen Ziele der US-Gewerkschaften, Konzentration auf Lohnfindung und Arbeitsbedingungen, CIO, AFL, Trittbrettfahrerproblem der Gewerkschaften, vor der Reise politische Überprüfung - 1951 Akademie der Arbeit in Frankfurt: bessere Ausbildung der Funktionäre, Wirtschaftspolitik, Tarifpolitik, Sozialrecht, Arbeitsrecht, nach der Reise alte Tätigkeit wieder aufgenommen, Betriebsräteschulungen, Wahl zum Vorsitzenden der Verwaltungsstelle München 1955, umfassendes Aufgabengebiet, Landesverbände, Einflussnahme auf Tarifpolitik, Mitbestimmungsrecht des Betriebsverfassungsgesetzes 1952, Personalentscheidungen, sozialpolitische Gestaltungsmöglichkeiten, Letztentscheidung des Arbeitgebers, Arbeitslosigkeit Anfang der 1950er Jahre, Gewerkschaft kümmerte sich nicht um die Arbeitslosen, Lebensmittelkarten, Holzaktion der Amerikaner, 1954 Demonstration gegen das Ladenschlussgesetz, Neuhauser Straße, Kaufinger Straße, Firma Brenninkmeyer, Läden Mittwoch Nachmittags geschlossen, 27.03.1954 Aufruf zur Demonstration, von Stachus und Marienplatz aus Zug vor Brenninkmeyer geplant, einstweilige Verfügung verbot die Demonstration, Bereitschaftspolizei, G. beschwerte sich über Polizisten, erhielt Anzeige und Verfahren wegen "Widerstands gegen die Staatsgewalt", Amtsgericht in der Au, in erster Instanz verurteilt, Freispruch im Berufungsverfahren, Ladenschlussgesetz regelte Öffnungszeiten, vorher Regelung über Gewerbeordnung - Schlachthof in München, Arbeitsgemeinschaft der Lohnschlächter, Sozialisierung des Münchner Schlachthofs, Ende der kleinen Handwerksbetriebe, Verhandlung der Schlachtlöhne mit der Stadtverwaltung, Tätigkeitsbereiche der 1950er und 60er Jahre: Betriebsräte schulen, Vertretung der Arbeitnehmerinteressen im Betrieb, Verbindungen zu den öffentlichen Einrichtungen, Stadtverwaltung, Landesregierung, Tarifpolitik, Tarifverhandlungen, Lohnforderungen, Verhandlungen mit Arbeitgeberverbänden, Kompromissfindung, Übergang vom Arbeitsleben in die Rente, Altersteilzeitmodelle, Vorruhestand, Bemühungen um gesetzliche Regelung, Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, Helmut Kohl, Lothar Späth, Franz Josef Strauß, befristete Vorruhestandsregelung - Streit um Haustrunk der Brauereien, Versteuerung, geldwerter Vorteil, Verhandlungen in Bonn, geplante Demonstration in Rott am Inn - Ortsklassen in den Tarifverträgen, schrittweise Abschaffung der Ortsklassen, Widerstände der Kleinbrauereien, Streik, Arbeitgebervorsitzender im Urlaub, Einstweilige Verfügung, Androhung von Zwangsgeld, Nichtbeachtung der Friedenspflicht, Streikabbruch, Arbeitsgerichtsprozess, tarifliche Vereinbarung zur Minderung der Ortsklassenabschläge - Unterschiedliche Organisationsgrade - Pauschalsätze für Trinkgelder, Probleme von Nachzahlungen an das Finanzamt - Sozialpartnerschaft, Partizipation von Erfolgen anderer Gewerkschaften, Großgewerkschaften Schrittmacher des Erfolgs - Gewerkschaftliche Errungenschaften: Vorruhestandsregelungen, andere Finanzierung in Tarifvertragsregelung als später gesetzlich, geringere Belastung der Sozialkassen, Erschwerniszulagen in Form von Freizeitausgleich, Arbeitszeitverkürzung, keine Erfolge für die Beschäftigungsentwicklung, laufende Verbesserung der Löhne und Gehälter, Preisabsprachen, Konkurrenzverhältnisse bei den Brauereien, industrieller Aufholprozess der bayerischen Wirtschaft, Notwendigkeit der Gewerkschaften auch in Zukunft, Interessenkonflikte, soziale Gerechtigkeit, Managergehälter.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
04.06.1996
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.