Zeitzeugen berichten

Zofia Ogłaza ehemalige Zwangsarbeiterin auf einem niederbayerischen Bauernhof; Chemikerin

Signatur
zz-2102.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Tilman Grimm)
Referenzjahr
1943

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Zofia Ogłaza über ihre Deportation nach Deutschland 1942/43, die Ankunft auf einem Bauernhof im niederbayerischen Urfar sowie über die Arbeiten, die sie, ihre Mutter und ihr Bruder dort verrichten mussten.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Zofia Ogłaza, geführt am 13.09.2021 in Regensburg, über ihre Kindheit in Polen während des Zweiten Weltkriegs, die Aktivität ihres Vaters im Widerstand, die Deportation ihrer Familie nach Deutschland, die Ankunft auf einem Bauernhof im niederbayerischen Urfar, die dort verrichteten Arbeiten, das Verhältnis zur Bauernfamilie, die Erkrankung und den Tod ihrer Mutter 1944/1945, die Beziehung zur ebenfalls Zwangsarbeit leistenden Zofia Albiniak, die Unterkunft im Kloster Indersdorf ab September 1945 sowie über die Rückkehr nach Polen 1946 und ihren weiteren Lebensweg.

Biogramm

Zofia Ogłaza wurde 1935 nahe der damals polnischen Stadt Brest geboren. Ihre Eltern gehörten der polnischen Intelligenz an und ihr Vater war im Widerstand aktiv. 1942/43 wurde Zofia gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Janusz nach Deutschland verschleppt, wo die Familie Zwangsarbeit auf einem niederbayerischen Bauernhof leisten musste. Zu Beginn des Jahres 1945 starb Zofias Mutter, woraufhin sich die damals selbst noch jugendliche Zwangsarbeiterin Zofia Albiniak um Zofia und ihren Bruder kümmerte. Nach Kriegsende 1945 kamen die beiden Kinder zunächst in ein Kinderheim für Kriegswaisen, das im Kloster Indersdorf eingerichtet worden war, ehe sie 1946 in einem polnischen Kinderheim untergebracht wurden.

Der Koffer, der Zofia Ogłaza auf ihrer Reise begleitete, sowie ein 1944 von ihrem Vater verfasster Brief sind heute im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg zu sehen.

Inhalte

Geboren 1935 im damals polnischen (heute weißrussischen) Dimitrowicze – Berufe der zur polnischen Intelligenz gehörenden Eltern (Vater: Straßenbauer, Mutter: Lehrerin und Angestellte bei der Post) – Kindheit in Polen – Wenig Wissen über den Krieg und die Motivation des Vaters, Widerstand zu leisten – Positive Erinnerungen an den Vater – Deportation nach Deutschland im Winter 1942 oder 1943 – Wenig Erinnerungen an die Deportation – Mehrtägiger Transport in vollen Viehwaggons – Ankunft in einem Durchgangslager und schließlich auf einem Bauernhof im niederbayerischen Urfar – Arbeiten auf dem Hof – Aneignen von Deutschkenntnissen während der Arbeit für die Bäuerin – Lange Arbeitstage der Mutter auf dem Feld – Unterkunft in einem Zimmer gemeinsam mit der Mutter und dem Bruder – Neutrales Verhältnis zur Bauernfamilie – Gewalttat des betrunkenen Sohnes der Bauersleute während dessen Fronturlaubs – Tagesablauf auf dem Bauernhof – Kontakte zu den Kindern aus der Nachbarschaft – Inhalt des Briefes, den der Vater 1944 an die Familie geschickt hat – Erkrankung der Mutter Ende 1944 – Besuche der kranken Mutter im 7 km entfernten Krankenhaus in Rotthalmünster – Zu Beginn Begleitung durch die ebenfalls auf dem Bauernhof in Urfar eingesetzte Zwangsarbeiterin Zofia Albiniak – Tod der Mutter im Februar 1945 – Grab der Mutter in Rotthalmünster – Charakterisierung der Mutter – Betreuung durch die damals 18-jährige Zofia Albiniak nach dem Tod der Mutter – Charakter Zofia Albiniaks – Schicksal Zofia Albiniaks nach Kriegsende: Rückkehr nach Polen ohne die Kinder – Suche nach den Kindern und Auffinden durch das Schweizerische Rote Kreuz 1980 – Tränenreiches Wiedersehen mit Zofia Albiniak in den 1980er-Jahren – Unterkunft im Kloster Indersdorf ab September 1945 – Unterricht und Spielen mit anderen Kindern in Indersdorf – Positive Erinnerungen an die Zeit in Indersdorf – Schilderung von Erinnerungen beim Betrachten mehrerer historischer Fotos: Wiegen der Kinder nach deren Ankunft in Indersdorf, Kleideranprobe in Indersdorf, Interview der Kinder auf Polnisch, Schulunterricht in Indersdorf, Teilnahme an einer Besprechung/Vorstellung, Reise die Schweiz Ende 1945 – Positive Erinnerungen an den Aufenthalt in der Schweiz von Dezember 1945 bis Juni 1946 – Reiche Bescherung an Weihnachten – Rückkehr nach Polen in ein Kinderheim bzw. Nonnenkloster in Szopienice – Unterbringung von 80 Kindern im Kloster – Positive Zeit (insgesamt zehn Jahre) im Kloster nach einer schwierigen Eingewöhnungsphase – Beruflicher Werdegang Zofia Ogłazas und ihres Bruders – Gründung einer eigenen Familie in Łódź – Insgesamt gute Bewältigung der Erlebnisse – Treffen und Kontakt mit Zofia Albiniak 1980 – Kontakt zur Historikerin und Autorin Anna Andlauer aus Weichs (Lkr. Dachau) – Engagement Anna Andlauers: Forschungen zum DP-Lager Indersdorf und Suche nach den Kindern auf den Fotos – Erinnerungsstück Koffer: Mitnahme des Koffers von Polen nach Deutschland, in die Schweiz und wieder zurück nach Polen – Kofferinhalt – Ausstellung des Koffers im Museum der Bayerischen Geschichte – Botschaft Zofia Ogłazas an die kommenden Generationen.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1 h
Aufnahmedatum:
13.09.2021
Sprache:
polnisch, deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Wolfgang Reinicke, Yvonne Klimecki (Übersetzung)

Kamera: Tilman Grimm