Zeitzeugen berichten

Zeitzeugeninterviews als Quelle

Zeitzeugeninterviews als Quelle (Sek I und II)

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind Menschen, die über geschichtliche Ereignisse berichten können, da sie in der betreffenden Zeit gelebt haben. Dies können Personen sein, die an wichtigen Entscheidungen beteiligt waren oder die von diesen Entscheidungen betroffen waren oder einfach Ereignisse miterlebt haben.

Die Methode der Geschichtswissenschaft, bei der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu bestimmten Ereignissen befragt werden, nennt sich Oral History. Die so entstandenen Erzählungen geben Auskunft über einen historischen Sachverhalt oder bestimmte Zusammenhänge und Anschauungen. Sie sind deshalb wertvolle Quellen.

Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Interviewten stets ihre persönliche Sichtweise auf die Dinge wiedergeben. Denn jeder Mensch beurteilt und bewertet Geschehnisse anders, je nachdem, wann und wie er sie erlebt hat oder welche Haltung, Einstellung oder Werte er hat.

Hinzu kommt, dass Erinnerungen sich mit der Zeit verändern und bruchstückhaft sein können, vor allem, wenn sie lange zurückliegen. Es sind also nicht immer historisch zuverlässige Aussagen, die geschildert werden. Da die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ihre Erinnerungen immer erst im Moment des Erzählens wiedergeben, wird Vergangenes stets aus der Gegenwart heraus gedeutet und beurteilt. Das bedeutet, war man früher bei einem Sachverhalt überzeugt, richtig gehandelt und zu haben, bereut man heute das Handeln von damals vielleicht. Entsprechend würde die oder der Erzählende das Ereignis dann im Interview anders darstellen.

Außerdem können Erinnerungen überformt werden, das bedeutet, dass beispielsweise Bücher oder Fernsehsendungen, die man gelesen oder geschaut hat, das Gedächtnis beeinflussen können.

Zeitzeugeninterviews sind daher nicht einfach auszuwerten. Es geht auch nicht immer um die Frage, was wirklich geschah, sondern darum, wie eine Person über bestimmte Dinge – und über sich selbst – berichtet oder heute Sachverhalte von damals beurteilt. Wichtig sind also die Art der Fragestellung und das Ziel der Befragung.

Wenn man also etwas über ein Thema aus der Vergangenheit forscht, ist es wichtig, mehrere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen hierzu zu hören und sich weitere Informationen aus Büchern oder dem Internet einzuholen, um die Aussagen einordnen zu können.

Wie kniffelig es sein kann, Geschichte allein aus Zeitzeugeninterviews zu rekonstruieren, dürft ihr nun selbst erforschen. Denkt daran: Schilderungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind immer nur ein Puzzleteil von Geschichte!

 

Aufgabe:

Euer diesjähriger Projekttag in Geschichte beschäftigt sich mit „Kindheit früher in Bayern“. Die Aufgabe eurer Klasse ist es, treffende Zeitzeugeninterviews vorzuschlagen. Schließlich seid ihr die Zielgruppe und wisst, was eure Mitschülerinnen und Mitschüler interessiert.

Deswegen geht ihr auf das Portal „Zeitzeugen berichten“ des Hauses der Bayerischen Geschichte und recherchiert in den Zeitzeugeninterviews zu diesem Thema. Hierfür arbeitet ihr in Vierergruppen.

  • Jede/r in der Gruppe schaut sich ein Interview an.
  • Notiert euch in Stichpunkten, was die Interviewten über ihre Kindheit erzählen.
  • Tauscht euch nun in der Gruppe aus:
  • Gibt es Gemeinsamkeiten in den Schilderungen der Personen? Wenn ja, welche?
  • Wo sind Unterschiede?
  • Könnt ihr euch auf ein oder zwei Interviews einigen, von denen ihr überzeugt seid, dass ihre Erzählung von Kindheit auf viele andere zutrifft? Begründet!
  • Vorschlag zur Gruppeneinteilung:

Gruppe 1: Resi Baumann, Konrad O. Bernheimer, Susanne Breit-Keßler, Hans-Jürgen Buchner

Gruppe 2: Dr. Max Edelmann, Heinz Gebhardt, Helmut Geiss, Gusti Hegele

Gruppe 3: Dr. Max Edelmann, Prof. Heinrich Huber, Julia Lang, Carl Ostermayer

Gruppe 4: Anton Rauen, Dr. Georg Ringsgwandl, Prof. Dr. Meir Schwarz, Ludwig Stark

Gruppe 5: Anton Rauen, Gabriele Steinherr, Ludwig Steinherr, Ruwen Waks

Gruppe 6: Ruwen Waks, Hans Weber, Dr. Hans-Martin Weiss, Dieter Wieland

 

Es ist gar nicht so einfach, Gemeinsamkeiten zwischen den Interviews zu finden, oder? Überlegt euch in Einzelarbeit mögliche Gründe dafür:

  • Lest euch hierzu die Hinweise zur Biografie der Personen durch.
  • Achtet auf die Zeit, über die sie berichten.
  • Hört auch nochmal die Fragen an, die der Interviewer stellt.
  • Tauscht eure Ergebnisse in der Gruppe aus.
  • Findet eine Überschrift zu eurem Video: z. B. Kindheit auf dem Bauernhof, Kindheit im Krieg…

 

  • Notiert nun eure Überschriften an der Tafel/auf dem Smartboard/in der Cloud. Gibt es Zeitzeugeninterviews aus der Klasse, die inhaltlich zueinander passen? Lässt sich daran DIE KINDHEIT in Bayern rekonstruieren? Begründet eure Meinung.
  • Die Lehrkraft, die den Projekttag organisiert, möchte eure Ergebnisse wissen. Verfasst eine E-Mail und schildert darin eure Probleme mit den Zeitzeugenvideos.
  • Diskutiert nun abschließend in der Klasse: Welche Möglichkeiten gibt es aus eurer Sicht, dennoch Zeitzeugeninterviews in das Thema „Kindheit früher in Bayern“ einzubinden? Welche Lösungen schlagt ihr vor? 

 

 Möglichkeiten zur Weiterarbeit:

1.     Kreativer Infotext mit Interview

  • Tauscht die Inhalte eurer Interviews in der Gruppe aus und einigt euch auf ein Zeitzeugeninterview, das eurer Meinung nach ein interessantes Thema behandelt.
  • Recherchiert im Internet nach Hintergrundinformationen zum im Interview behandelten Thema.
  • Verfasst einen kurzen Informationstext für eure Mitschülerinnen und Mitschüler am Computer und verlinkt das Interview darin. Tipp: Informiert euch zuerst, über welche Apps oder Software eure Tablets oder Rechner zur kreativen Umsetzung der Aufgabe verfügen.
  • Stellt eure Ergebnisse der Klasse vor und diskutiert sie.

 

2.     Führen von Interviews zum Thema „Kindheit früher“

  • Überlegt euch in der Klasse, welche Gesichtspunkte an dem Themenbereich „Kindheit früher in Bayern“ euch besonders interessieren. Vielleicht wäre die Kindheit in eurem Heimatort eine Möglichkeit?
  • Führt hierzu selbst Zeitzeugeninterviews durch. Überlegt gemeinsam, wen ihr hierzu interviewen könntet: eure Großeltern, Eltern oder eure Mitschüler/-innen? Vielleicht könnte man auch mehrere Generationen interviewen, um zu zeigen, wie sich Kindheit im Laufe der Zeit verändert hat?
  • Tipps zum Führen von Zeitzeugeninterviews findet ihr auf der Homepage der Bavariathek, dem medienpädagogischen Projektzentrum des Hauses der Bayerischen Geschichte.