Zeitzeugen berichten

Karl Hillerer 1968-1978 Kapitän von Fracht- und Fahrgastschiffen auf der Donau; 1980-1993 Sachgebietsleiter beim Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

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zz-2132.01
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Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Michael Bauer)

Im hier gezeigten Ausschnitt beschreibt Karl Hillerer die verschiedenen Donaurouten, die er als Kapitän von Fracht- und Fahrgastschiffen befahren hat. Zudem erläutert er die technische Entwicklung von Dampfschiffen zu Motorschiffen Anfang des 20. Jahrhunderts.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Karl Hillerer, geführt am 08.04.2023 in Passau, über seine Karriere als Kapitän von Fracht- und Fahrgastschiffen auf der Donau, die Entwicklung des Umweltschutzes in der Schifffahrt, seine Tätigkeiten beim Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg, seine Erinnerung an die Invasion der Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei 1968, den Einsturz der Wiener Reichsbrücke 1976, die aktuelle Kreuzfahrtkultur, seine Kindheit in der Nachkriegszeit sowie über die Geschichte der Fahrgastschifffahrt auf der Donau. 

Biogramm

Karl Hillerer, Kapitän i.R., wurde 1943 in Passau geboren. Sein Vater Karl Hillerer sen. war bereits Kapitän auf der Donau, seine Mutter Maria Hillerer, geborene Röhrl, eine Landwirtstochter aus Regensburg, hielt die 4. Generation der aus der Wachau stammenden Schifferfamilie zusammen. Nach der Schule avancierte Hillerer jun. bei der „Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ von 1960 bis 1968 vom Matrosenschüler über die Tätigkeit eines Schiffsrechnungslegers, dann zum 2. Kapitän schließlich zum Kapitän. Als solcher war er von 1968 bis 1978 Kapitän auf allen Schiffstypen der „I. DDSG“ (Schlepp- und Schubschiffe, Güter- und Tankmotorschiffe mit und ohne Schubeinrichtung, Fahrgastschiffe) auf der gesamten Donaustrecke. 1979/80 war Karl Hillerer Personalchef des „Schiffsdienstes für den Westverkehr“ bei „Agentie Linz“. Dreizehn Jahre lang, bis 1993, arbeitete er schließlich beim „Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg“ (Leitung des Sachgebietes Schifffahrt für die deutsche Donaustrecke, zuständig für alle Schifffahrtsfragen, wie z.B. Schifffahrtspolizei, Patentwesen, Regelung des Schiffsverkehrs usw.). Bis 2003 war er, zurück in Passau, leitender Angestellter der „Donauschifffahrt Wurm + Köck“. Bis ins Rentenalter war Karl Hiller zudem als Sachverständiger für das Schifffahrtsgericht Regensburg beschäftigt. Ab 2016 widmete sich Karl Hillerer Publikationen über die Geschichte der Donauschifffahrt.

Inhalte

Geboren 1943 – Seemannslaufbahn auf der Donau – Familiäre Verbindungen zur Donauschifffahrt und zur „Ersten Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ – Ausbildung zum Kapitän durch eine Offizierslaufbahn auf dem Schiff – Amt des Zahlmeisters als Vorbereitung auf die Kapitänsprüfung – Frühere Manövrierschwierigkeiten auf der Donau – Hillerers Donaurouten als Kapitän von Fracht- und Fahrgastschiffen – Entwicklung von Dampfschiffen zu Motorschiffen – Frühere Fährschifffahrtstechniken – Vergleich zwischen dem früheren und heutigen Vorgehen gegen die Verschmutzung der Donau – Umweltschutz in der heutigen Donauschifffahrt – Treibstoffverbrauch in der Kreuzfahrtindustrie – Erwerb verschiedener Kapitänspatente – Patentvergabe und regelmäßiger Nachweis gesundheitlicher Eignung für den Kapitänsberuf ab einem bestimmten Alter – Arbeitszeiten eines Kapitäns in der Frachtschifffahrt im Vergleich zur Fahrgastschifffahrt – Mitnahme von Familienmitgliedern an Bord – Ausstieg aus der Frachtschifffahrt und neue Tätigkeit beim Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg 1980 – Zuständigkeits- und Aufgabenbereich des Wasserwirtschaftsamts Regensburg – Kontrolle des Schiffsverkehrs in Zusammenarbeit mit der Wasserschutzpolizei – DDSG und der Bayerische Lloyd als frühere Staatsreedereien – Fehlende Konkurrenzfähigkeit von Donau-Staatsreedereien – Wahrnehmung der Invasion der Warschauer Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei 1968 während einer Frachtschifffahrt von Ismail nach Österreich – Festsetzung durch die Polizei an der ungarisch-tschechoslowakischen Grenzstation Komárom/Komárno – Sowjetisches Militärgerät bei Bratislava und angespannte Überfahrt nach Österreich – Kataraktenpassage der Donau – Frühere Notwendigkeit von Schleppzügen am Donaudurchbruch – Beschaffenheit des „Eisernen Tors“ – Anlegen eines Fahrgastschiffes an der Wiener Reichsbrücke am Tag ihres Einsturzes am 1. August 1976 – Beschädigung des Schiffes durch den Brückeneinsturz und Betroffenheit Hillerers – Protokollierte Reaktion der Schiffsbesatzung auf das Abtreiben des Schiffes – Veränderungen für das Wasser- und Schifffahrtsamt nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 – Wichtige Einnahmen durch Duty-Free-Verkäufe auf der deutsch-österreichischen Donaustrecke – Vermeidung von Problemen mit dem Zoll – Vergleich zwischen Kreuzfahrtschiffen auf dem Meer und auf der Donau – Kritik an der aktuellen profitorientierten Kreuzfahrtindustrie – Ausbleiben von Landgängen bei Kreuzfahrten – Überfüllte Kreuzfahrtschiffe und Probleme beim Tendern – Appell für einen abenteuerlustigen Reisestil – Erleben der Nachkriegszeit als Kind und Entdecken von Kriegsüberresten – Schulzeit in Hacklberg – Vergleich des Schiffstourismus in Passau und Regensburg – Geschichte der Lamplbruderschaft Passau – Mitgliedschaft in der Lamplbruderschaft – Karitative Tätigkeiten der Bruderschaft – Anfänge des Transports auf der Donau – Anfänge der Fahrgastschifffahrt auf der Donau und Trennung zwischen Fracht- und Fahrgastschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts – Ausflugsschifffahrt während des Zweiten Weltkriegs – Ausflugsschifffahrten in Regensburg und Passau in der Nachkriegszeit – Wiedersehensfahrten zwischen Deutschland und Österreich in der Nachkriegszeit – Arbeit an einem Buch über die Donauschifffahrt.

Daten

Art:
Journalistisches Zeitzeugeninterview
Dauer:
1:40 h
Aufnahmedatum:
08.04.2023
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Michael Bauer

Kamera: Thomas Rothneiger