Pater Richard Heßdörfer beschreibt seine Zeit im Franziskanerseminar in Hammelburg und schildert seine Entscheidung, dem Orden beizutreten. Ausführlich geht er auf die Ideale des hl. Franziskus ein.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Pater Richard Heßdörfer, geführt am 18.08.2024 in Großheubach, über seine Beziehung zu Gott, seine frühe Entscheidung für ein kirchliches Leben, den Beitritt in den Franziskaner-Orden, die Ideale des hl. Franziskus, die heutige Rolle des Papstes, die progressiven und konservativen Strömungen in der katholischen Kirche, die Gründe für den Rückgang an Priestern und Ordensmitgliedern, die Aufgabe und Umstrukturierung des Klosters Engelberg sowie über die gemeinsame Missionsarbeit in Mosambik mit seiner Schwester.
Biogramm
Geboren wurde P. Richard Heßdörfer 1948 in Retzbach im heutigen Zellingen. Er wuchs in einer Bauernfamilie auf mit sechs Brüdern und einer Schwester. Nach der Volksschule besuchte er das Gymnasium in Würzburg und Hammelburg, wo er 1968 sein Abitur machte. Am 03.10.1968 trat Richard Heßdörfer in den Franziskanerorden ein, wo er zu Beginn ein einjähriges Noviziat in Fulda auf dem Frauenberg absolvierte. Von 1969 bis 1971 studierte er Theologie an der Hochschule der Franziskaner und Kapuziner in Münster/Westfalen für vier Semester. Von 1971 bis 1974 war er als Student an der LMU in München, wo er sein Studium mit Diplom abschloss. Am 11.08.1974 erhielt er in Hammelburg von dem in Bolivien eingesetzten Franziskanerbischof Eduard Bösl die Priesterweihe. Seine Pastoralausbildung bekam P. Richard im Priesterseminar in München und in der Pfarrei München-Aubing, St. Quirin. Anschließend wurde er an verschiedenen Stellen eingesetzt: als Kaplan in Freystadt Oberpfalz (1975-1981), Kaplan in Nürnberg, St. Ludwig (1981-1992), Guardian und Pfarrseelsorger in Dettelbach (1992-1995), Pfarrer in Nürnberg, St. Ludwig (1995-2004), wo er auch einige Jahre Mitglied des Priesterrats von Bamberg war, Guardian, Wallfahrtsleiter und Pfarrseelsorger in Würzburg (2004-2017), wo er ebenfalls Mitglied des Priesterrats war sowie als Wallfahrtsleiter und Seelsorger im Kloster Engelberg (2017-2024). Im November 2024 wechselte P. Richard als Seelsorger nach Fulda auf den Frauenberg. Da seine Schwester Elisabeth 1970 den Mariannhiller Missionsschwestern vom Kostbaren Blut beitrat und ab 1988 als Missionsschwester in Mosambik aktiv war, engagierte sich auch P. Richard in der Missionsarbeit und entwickelte ein Hilfswerk für Mosambik. P. Richard brachte ca. 31 Schiffscontainer mit Hilfsgütern auf den Weg, sammelte Spenden für die Armen in Mosambik und motivierte viele Menschen, das Leid in Mosambik zu lindern.
Inhalte
Geboren 1948 – Rückblick auf 50 Jahre priesterliches Leben – Familie und vermittelte Werte – Reflexion der Entscheidung für ein priesterliches Leben – Gotteserfahrung bei der Erstkommunion 1954 – Bewunderung der Gläubigkeit seines jesuitischen Onkels – Besuch des Internats Kilianeum in Würzburg und des Franziskanerseminars in Hammelburg – Stärkung seiner Beziehung zu Gott durch das Theologiestudium – Repräsentation der Kirche als Geistlicher – Stärkere Identifikation mit der Kirche während seiner Zeit als Pfarrer in Nürnberg – Hauptaufgabe der Kirche – Schwester als Mariannhiller Missionsschwester in Mosambik – Verbindungen des Franziskanerordens nach Bolivien, Südafrika und China – Zivilisatorische Missionsideologie – Gründe für den Beitritt in den Franziskaner-Orden und Faszination für den Internatsdirektor P. Bonifaz Vogt – Grundlegende Ideen des hl. Franziskus – Reaktion der Familie auf den Ordensbeitritt – Fehlende Identifikation mit der Kirche verantwortlich für rückläufige Priesterzahlen – 68er-Bewegung und kapitalistische Konsumgesellschaft als Gründe für Priesterrückgang – Kritik an der fehlenden religiösen Praxis bei Kindern – Leben christlicher Werte in Mosambik – Einstellung zu einem möglicherweise kommenden Papst aus Indien oder Afrika – Einzug der Franziskaner nach Nürnberg 1913 – Konservative katholische Erziehung in der Familie – Weiterentwicklung der Kirche am Beispiel der Adam und Eva-Erzählung – Progressive und konservative Strömungen in der Weltkirche – Vergleich der Philosophien von Papst Franziskus und Papst Benedikt XVI. – Einfluss des Papstes auf die Politik – Umgang mit Kirchengütern und Ausstellung im Museum Stadt Miltenberg – Verkauf des Klosters Dettelbach an die Diözese Würzburg 2017 – Übernahme der Seelsorge durch indische Ordensbrüder der Oblaten des Heiligen Josef im Kloster Engelberg – Nutzung der Klosterräume – Alltag im Kloster Engelberg – Anekdote zum Schnaps des Vaters – Nachwuchsmangel als Grund für die Auflösung von Franziskanerklöstern – Appell für mehr Engagement der Gemeinde und der Laien in der Kirche – Rückgang des christlichen Glaubens als hoffnungsfrohe Botschaft – Kirche als Alternative zur fehlenden gesellschaftlichen Nächstenliebe – Gemeinschaftsfähigkeit als christliches Ideal – Einstellung zur europäischen Gemeinschaft – Gotteserfahrungen erleben, diese weitergeben und Nächstenliebe praktizieren als oberstes Anliegen von Priestern – Gründung einer Hilfsaktion zur Unterstützung Bedürftiger in Mosambik – Zusammenarbeit mit der eigenen Schwester in der Missionsarbeit für Mosambik.
Daten
Interview: Dr. Michael Bauer
Kamera: Thomas Rothneiger