Zeitzeugen berichten

Horst Klaus Maschinenschlosser, Gewerkschaftsfunktionär

Signatur
zz-0273.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1996

Horst Klaus problematisiert im hier gezeigten Ausschnitt, ausgehend von der Debatte über die Abschaffung des Ladenschlussgesetzes, das sich über Jahre hinweg verfestigte 'Vorrecht' der Wirtschaft gegenüber der Politik.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Horst Klaus, geführt am 21.06.1996 im Rahmen des Projekts Geschichte der Gewerkschaften, über seine Herkunft aus Niederschlesien, das Kriegsende 1945 in Nürnberg, sein gewerkschaftliches Engagement und die großen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Biogramm

Horst Klaus wurde 1930 in Henning/Bertelsdorf in Niederschlesien geboren. Er begann nach der Schulzeit 1944 eine Lehre zum Maschinenschlosser. 1945 floh er vor der Roten Armee und kam über mehrere Stationen nach Nürnberg. Hier setzte er seine Lehre fort und fand schließlich eine Arbeitsstelle bei den Triumpf-Werken Nürnberg. 1946 wurde er Mitglied der Gewerkschaft und arbeitete vor allem im Jugendbereich. 1956 wurde Horst Klaus Jugendsekretär in der IG Metall und war seit 1960 als Bildungs- und Organisationssekretär tätig. Er erlebte wichtige gewerkschaftliche Ereignisse wie den Bayernstreik 1954 und die Auseinandersetzungen um die Notstandsgesetze 1968 aktiv mit. Von 1973 bis 1982 war er erster Bevollmächtigter der IG Metall in Nürnberg. Für den Vorsitzenden der IG Metall nahm Horst Klaus nach dem Mauerfall 1989 als Gewerkschaftsvertreter an den Sitzungen der Treuhandanstalt in Berlin teil. Horst Klaus verstarb 2023 in Nürnberg.

GND: 128510528

Inhalte

Eltern: Textilarbeiter, Weber, Sozialdemokraten – Kindheit in Henning/Kreis Lauban/Niederschlesien – Ausbildung zum Maschinenschlosser in Lauban 1944 – Flucht vor der Roten Armee 1945 nach Gaisthal/Oberpfalz – Flüchtling: Hochbunker Nürnberg-Schweinau – Nachkriegssituation: Lebensmittelkarten, Hungerstreiks – US-Armee, Militärregierung – Manpower-Division, Rolle der Labour-Officers: Alliierte Gewerkschaftspolitik – Beendigung der Ausbildung zum Maschinenschlosser in Nürnberg Frühjahr 1945 – Anstellung als Bohrer und Abwälzfräser bei den Triumpf-Werken Nürnberg – Entnazifizierung, Anschläge auf Spruchkammern – Zusammenkünfte der Betriebsräte in Nürnberg –Gründung des Bayerischen Gewerkschaftsbunds 1946, Mitglied – Kontrollratsgesetz vom 10.04.1946 – Währungsreform am 20.06.1948 – Aufhebung des Lohnstopps im Oktober 1948 – Deutscher Gewerkschaftsbund am 12.10.1949 gegründet – Verhältnis von Geschäftsleitung und Gewerkschaft Ende der 1940er-Jahre – Bayerischer Metallarbeiterstreik 1949: Streikposten – gewerkschaftlicher Jugendvertrauensmann, Aufbau einer Jugendgruppe bei der Gewerkschaft 1949: Amerika-Haus, Büchergilde Gutenberg – Wahl in den Ortsjugendausschuss – Kalter Krieg – Kundgebung gegen Betriebsverfassungsgesetz auf Nürnberger Hauptmarkt 1952 – Bayerischer Metallarbeiterstreik 1954: Öffentlichkeit – Bayerisches Eigenbewusstsein der Gewerkschafter – Betriebsverfassungsgesetz 1954: Auseinandersetzungen – Verhältnis zur Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) – Zeitungsstreik – Jugendsekretär bei der IG-Metall 1956 – Gewerkschaftstag in Nürnberg 1958 – Mitglied einer IG-Metall-Delegation bei englischem Ostermarsch – Bildungssekretär/Organisationssekretär bei der IG-Metall ab 1960 – Sprecher der Kampagne für Abrüstung bis 1968, Kampf gegen Remilitarisierung, anonyme Belästigungen – zwei Jahre Kreisjugendringvorsitzender in Nürnberg Anfang der 1960er Jahre – Fahrt nach Lidice – Nürnberger Spielwarenmesse, Christkindlesmarkt: Demonstrationen gegen Kriegsspielzeug – Dualismus: Betriebsräte und Vertrauensleute – SPD-Parteimitgliedschaft: Parteiordnungsverfahren – Bundesparteitag der SPD in Nürnberg 1968: Kundgebungen – Außerparlamentarische Opposition (APO) – Auseinandersetzung um Notstandsgesetze vom 30.05.1968 – Parteiordnungsverfahren – Neues Betriebsverfassungsgesetz 1972 – Wahl zum ersten Bevollmächtigten der IG-Metall in Nürnberg 1972 (bis 1982) – Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von Grundig und MAN – Beschäftigungsgesellschaften – Veränderungen in der Jugendarbeit über die Jahrzehnte: u.a. Hans-Böckler-Haus Hersbruck – Verhältnis der Gewerkschaft zu Arbeitslosen und Rentnern – Beurteilung der aktuellen Entwicklung der Gewerkschaftspolitik: u.a. Ladenschlussgesetz, Einsparungen, soziale Abbaumaßnahmen – DDR/Ostblock: Wirtschaft – Arbeit und Erfahrungen in der Treuhandanstalt in Berlin, Wichtige beschriebene Personen (Auswahl): Erwin Essel – Lorenz Hagen – Josef Simon – Fritz Salm – Klaus Schütz – Otto Brenner – Herbert Wehner – Victor Agartz – Richard Oechsle – Hans Böckler – Alois Wöhrle – Günter Grass – Martin Albert.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:30 h
Aufnahmedatum:
21.06.1996
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.