Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Hans Schaumann über das Verhältnis der Gewerkschaften zu den Parteien in Bayern.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Hans Schaumann vom 15.06.1996 im Rahmen des Projekts Geschichte der Gewerkschaften, über die NS-Zeit, die Entwicklung der Gewerkschaften, das Verhältnis zu den Parteien und die Errungenschaften der Gewerkschaften.
Biogramm
Hans Schaumann stammt aus einer Münchner Handwerkerfamilie. Er besuchte bis 1927 die Hauptschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre in einer Nutzholzgroßhandlung. Später holte er die Mittlere Reife nach und war ab 1932 als Buchhalter bei der Thuringia-Versicherungsgesellschaft angestellt. In der Folgezeit erlebte er die Auflösung der Gewerkschaften durch das NS-Regime und stattdessen die Einrichtung der "Deutschen Arbeitsfront", der er selbst als Zwangsmitglied beitreten musste. Nach dem Wehrdienst, Einsatz im Zweiten Weltkrieg und britischer Kriegsgefangenschaft kam Hans Schaumann 1945 wieder in die Firma zurück und begleitete dort den Aufbau einer neuen Gewerkschaftsstruktur. Herr Schaumann war in der Folge verschiedentlich als Gewerkschaftsfunktionär tätig und wurde 1954 in den bayerischen Senat gewählt. 1977 ging Herr Schaumann in den Ruhestand.
Inhalte
Herkunft: Münchner Handwerkerfamilie, Vater: Polsterer und Tapezierer, seit 1935 selbstständig, Hauptschulabschluss 1927, kaufmännische Lehre in Nutzholzgroßhandlung, 1930 nicht übernommen worden, einige Wochen arbeitslos, zwei Jahre bei Nutzholzgroßhandlung beschäftigt, jüdischer Besitzer musste das Geschäft zwei Jahre später aufgeben, Zentralverband der Angestellten (ZdA), Freizeitangebot, Fortbildungen, Mittlere Reife nachgeholt, 1932 Buchhalter bei der Thuringia-Versicherungsgesellschaft, Jugendgruppe des ZdA, Afa-Bund: Zusammenschluss der Angestellten-Gewerkschaften, Vertretung der sozialen und wirtschaftlichen Interessen, Beeinflussung der Gesetzgebung, NS-„Machtergreifung“ (Machtübernahme durch die Nationalsozialisten) am 30.01.1933, bewaffnete SA-Posten vor dem Gewerkschaftshaus in der Pestalozzistraße, Protestkundgebung am 12.03.1933 auf dem Marienplatz von bewaffneter SA verhindert, Fiehler, Auflösung der Gewerkschaften, Hitlerjugend (HJ), Zwangsvereinigung, Deutsche Arbeitsfront (DAF), Deutsche Angestelltenschaft ebenfalls aufgelöst, Zwangsmitgliedschaft in der DAF, Tarifverträge wurden nach Tarifordnungen übernommen, keine Tarifverhandlungen mehr, Großveranstaltungen am 1. Mai 1934, Aufmarsch der Betriebe auf der Theresienwiese, Freizeitveranstaltungen der DAF: günstige Fahrten in die Münchner Umgebung, 1936 zweijähriger Wehrdienst, Gebirgsjägerkompanie 456 in Füssen, 01.09.1939 Beginn des Zweiten Weltkriegs, wieder eingezogen worden, am Westwall stationiert, Frankreichfeldzug, Vormarsch durch die Maginot-Linie, bis August 1940 in Frankreich, nach Polen versetzt, Teilnahme am Russlandfeldzug, dreimal leicht verwundet, Verwundung im Partisaneneinsatz in Jugoslawien, Lazarettaufenthalt in Wiesbaden, Rückkehr nach Jugoslawien, brutaler Partisanenkrieg, britische Kriegsgefangenschaft, Lager in Villach auf einer Wiese, Überstellung an Amerikaner, Lager in Aalen, schlechte Versorgung, Bauern versorgten Gefangene mit einigen Lebensmitteln, nach der Entlassung wieder bei der Thuringia, Gewerkschafter kennengelernt, im Herbst 1945 gewerkschaftliche Organisation im Betrieb wieder errichtet, Gewerkschaftshaus in der Landwehrstraße, bis 1946 Betriebsgewerkschaft, zum Betriebsrat gewählt, Kontakt zu gewerkschaftlichen Einrichtungen, Kontrollratsgesetz Nr. 4 erlaubte den Aufbau von Gewerkschaften, 1947 erster bayerischer Gewerkschaftskongress, Betriebsratsarbeit: Ordnung der Tarifunterlagen, Gemeinschaftsverpflegung, Freizeitangebot: Fußballmannschaft, Wanderungen, Gewerkschaftsführer Gustav Schiefer, halbtags bei der Gewerkschaft tätig, 1946 Festanstellung bei der Gewerkschaft der Privatangestellten, Ambros Mayer, Landessekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten, Entwicklung zum "Angestelltenverband Bayern", gesellschaftspolitische Ziele: Versorgung mit Bedarfsgütern, 1946 Tarifverhandlungen zur Überführungen der Tarifordnungen in Tarifverträge, 40-Stunden-Woche, arbeitsfreie Samstage, Lohn- und Preisstopp, Anordnung der Besatzungsmächte, erst später echte Tarifverhandlungen, Zusammenarbeit mit den Amerikanern, 1953 zweimonatige Amerikareise, Argumente für die gewerkschaftliche Organisation, amerikanische Betriebsgewerkschaften als Ideal der Besatzungsmacht, Gewerkschaftsvertreter aus der Weimarer Zeit, Organisationsgrad der Angestellten, Gründung von Ortsverbänden, zunächst in den Großstädten, Gorlitzky in Mittelfranken, Unterschiede in der Organisation zwischen Nord- und Südbayern, 1946 Münchner Gewerkschaftstag: Zuteilung von Lebensmitteln, Beachtung von Tarifordnungen, Entwicklung von Tarifverträgen, Rechtsschutz- und Sozialversicherungsfragen, Ausschuss zur Gründungsveranstaltung des Bayerischen Gewerkschaftsbundes, gemeinsame Kassen- und Geschäftsführung, zentralistisches System oder Einzelgewerkschaften, Juni 1946 Bildung von 13 Fachgewerkschaften, Schiefer, Lorenz Hagen, Georg Reuter, März 1947 Gründungskongress des Bayerischen Gewerkschaftsbunds (BGB) in Großküche in der Rosenheimer Straße, Wahl in den Vorstand des BGB, "Ein Betrieb eine Gewerkschaft", Auswirkungen der gemeinsamen Kassen- und Geschäftsführung, Kontakt zu Gewerkschaften in anderen Ländern und Zonen, Angestelltenverband Bayern hatte Mitglieder vor allem in Banken, Versicherungen, Einzel-/Großhandel, Industrie, organisationspolitische Auseinandersetzung führte später zum Ausschluss aus BGB und DGB, Ablehnung einiger Industriegewerkschaften zusammen mit der Deutschen Angestelltengewerkschaft Verhandlungen zu führen, Ausschluss aus dem Vorstand des BGB im Frühjahr 1949 wegen der Zusammenführung des Angestelltenverbandes Bayern mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, Konkurrenz durch die neu gebildete Gewerkschaft "Handel, Banken und Versicherungen", 25 Jahre lang Landesverbandsleiter der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG), gesellschaftspolitische Probleme, Neubildung von Angestellten-Ersatzkassen, Verschmelzungsverbandstag zur DAG im August 1949 in Stuttgart, DGB erst im Oktober 1949, Währungsreform 1948, Zusammenschluss ohne Ostzone, Landesverbandstag 1950 in Regensburg, Wahl zum Landesverbandsleiter, achtmal wiedergewählt, Vereinigungsbestrebungen von DGB und DAG scheiterten, höherer Organisationsgrad in Norddeutschland, Forderungen, schnellere Problemlösung in Bayern, Betriebsrätegesetz 1946, Verhältnis zu den Parteien, SPD, CSU, FDP, BHE, SPD wirkte stärker in die Gewerkschaften hinein, Regierung unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD), Viererkoalition, Flüchtlingsfragen, Einwirkung auf Behörden und Besatzungsmacht, Einfluss der amerikanischen Betriebsgewerkschaften, Amerikaaufenthalt: Washington, Michigan, Boston, New Orleans, Houston, Kulturschock, billige Konsumgüter, Vorträge über Amerika, Tarifpolitik, ständige Tarifverhandlungen, Rechtsprechung, Streik der bayerischen Metallarbeiter 1954, Annahme der Schlichtung führte zum Erfolg, Übertritte von der IG Metall zur DAG, Zusammenarbeit mit dem DGB eingefroren, zu wenig für die Überwindung der Ost-Westteilung getan, nach dem Aufbau der Gewerkschaften Lösung politischer Probleme im Blick, Marshall-Plan, Aufschwung, Anwerbung von Gastarbeitern, Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, "Wirtschaftswunder", Export, Sozialpartnerschaft statt Streik, Suche nach dem vernünftigen Mittelweg in Verhandlungen, 1953 Gesetz zur Neuregelung der Angestelltenversicherung, Bildung der Angestelltenversicherung, Ausbau der Leistungen, Bestrebungen der Vereinigung der Rentenversicherung der Angestellten und der Landesversicherungsanstalten - Gründungskongress des BGB, Rolle der Amerikaner, Lebensmittelfrage 1947 wichtiger als Tarifpolitik, Mitbestimmungsfrage, Betriebsrätegesetz, Betriebsverfassungsgesetz 1952, Ladenschlussdemonstration in München, Firma Brenninkmeyer, genehmigte Demonstration wurde von der Polizei aufgelöst, wegen "Widerstands gegen die Staatsgewalt" angeklagt, in zweiter Instanz freigesprochen, Bundesladenschlussgesetz, jährliche Tarifverhandlungen in allen Bereichen, Vermittlung der Abschlüsse, 1954 in den Bayerischen Senat gewählt, 1977 Ruhestand, gewerkschaftliche Errungenschaften: 40-Stunden-Woche, arbeitsfreier Samstag, Akademiker als Gewerkschaftssekretäre, meist ehemalige Betriebsratsvorsitzende, praktische Erfahrung im Betrieb, Rezession der späten 1960er Jahre.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.