Zeitzeugen berichten

Karl Wenning Schauspieler, Clown, Kabarettist; Verlagsgeschäftsführer; Friedensaktivist

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Signatur
tobre-145-147
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Heike Bretschneider)
Referenzjahr
1983

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Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Karl Wenning über die Blockade des US-Atomwaffenareals in Mutlangen 1983, aufgenommen 1990 (nur Ton).

Biogramm

Karl Wenning wurde 1949 in Dachau geboren. Nach dem Abitur studierte er Sozialpädagogik und absolvierte eine dreijährige Schauspielausbildung in München. Anschließend war er 20 Jahre im Bereich Kinder-, Jugend- und Erwachsenentheater in Zusammenarbeit mit F.J. Bogner tätig. Wenning arbeitete als Regisseur, Autor, Clown und Kabarettist. Ab 1995 lehrte er als Dozent an der Schule für Heilerziehungspflege Schönbrunn und engagierte sich in der Betreuung psychisch kranker Menschen. 2004 übernahm Karl Wenning die Geschäftsführung des TAC Spiele-Verlags.

Inhalte

tobre 145: 

Karl Wenning, geboren 1949, Schauspieler, Clown und Autor.

Ostern 1983 nahm Karl Wennig das erste Mal an einer dreitägigen friedlichen Blockade vor den Wiles Barracks in der Nähe von Neu-Ulm, einem der geplanten Stationierungsorte für Pershing II-Raketen. Mit Münchner Freundinnen und Freunden aus der Friedensbewegung hatte er sich seit einem Jahr auf Aktionen des gewaltfreien Widerstandes vorbereitet.

300-400 Personen haben an dieser Blockade und den Mahnwachen teilgenommen. Ihr Ziel war es auch, in Gespräche mit der Polizei zu kommen. Die Polizisten trugen die Männer und Frauen, die blockierten, fort und nahmen dann die Personalien auf.

Am 18.07.1984 wurde das Verfahren gegen Karl Wenning vor dem Amtsgericht in Ulm eröffnet. Das Gericht betonte: Der Zweck des Angeklagten, die Bevölkerung auf die Gefahren und Folgen der atomaren Rüstung hinzuweisen, sei achtenswert, bezeichnete aber die Sitzdemonstration als Gewaltanwendung und deshalb als verwerflich. 

Karl Wenning beauftragte den Münchner Rechtsanwalt Frank Niepel, Revision einzulegen und dieser ging an das Bayerische Oberste Landesgericht, das das Ulmer Urteil bestätigte. Daraufhin legte Frank Niepel beim Bundesverfassungsgericht eine Verfassungsbeschwerde ein.

1986 wurde die Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht zusammen mit sechs anderen Beschwerden verhandelt, darunter die von Walter Jens. Karl Wenning kam als einziger mit seiner Beschwerde durch. In einem neuen Verfahren beim Amtsgericht Ulm wurde er freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft ging wieder in Berufung und sein Fall wurde beim Landgericht Memmingen im November 1987 erneut verhandelt und diesmal wurde er rechtskräftig freigesprochen. (siehe auch tobre 146)

tobre 146: 

Karl Wenning schloss sich in München der Gruppe „Öffentliche Aufforderung zur Blockade“ an. Ungefähr in 33 Städten der Bundesrepublik gab es öffentliche Aufforderungen. Etliche Staatsanwaltschaften ignorierten dies, zunächst auch in München, dann ging sie aber mit rigoroser Einschüchterung vor. Einige von der Münchner Gruppe Öffentliche Aufforderung verteilten im Frühjahr 1987 vor dem Justizgebäude in der Nymphenburgerstraße Flugblätter. Karl Wenning wurde festgenommen und fünf Stunden in einer Zelle in der Ettstraße festgehalten. Wegen des Aufrufs zur Blockade 1987 stand er sechs Mal vor Münchner Gerichten. (siehe auch tobre 147)

tobre 147:

Nachdem das Bayerische Oberste Landesgericht zwei Mal die Freisprüche des Landgerichts München I aufgehoben und zurückverwiesen hatte, verurteilte ihn im Januar 1990 die 8. Strafkammer des Landgerichts München zu 10 Tagessätzen zu je 25 DM und zwei Jahren Bewährung. Karl Wenning ging in Revision. (Zur Zeit des Interviews lief die Revision, diese wurde abgelehnt und sein Anwalt Frank Niepel legte für ihn Verfassungsbeschwerde ein. Das Bundesverfassungsgericht hob 1991 das Urteil des Bayerischen Oberlandesgerichts auf und wies das Verfahren an das Bayerische Oberste Landesgericht zurück. Dieses sprach 1992 Karl Wenning frei. Über die Odyssee der Prozesse schrieb Karl Wenning ein Theaterstück mit dem Titel: “I‘ bin a‘ G’waltmensch im Namen des Volkes“).

Daten

Art:
Thematisches Interview (nur Ton)
Dauer:
ca. 1,5 h
Aufnahmedatum:
01.01.1990
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Heike Bretschneider

Technik: Dr. Heike Bretschneider