Zeitzeugen berichten

Hermann Rosenwirth Angestellter (Bundespost, Telekom)

Signatur
zz-1510.02
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Reiner Holzemer)
Referenzjahr
1977

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Hermann Rosenwirth über seine 15-monatige Dienstzeit bei der Bundeswehr, die ihm große psychische Probleme bereitete.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Zeitzeugeninterview mit Hermann Rosenwirth, aufgenommen am 17.04.2013 in Gersthofen, über die Kriegsgeneration seiner Eltern, die Frage nach Mitschuld und Täterschaft sowie seine eigenen Erfahrungen bei der Bundeswehr.

Biogramm

Hermann Rosenwirth wurde 1954 in Gersthofen geboren. Er ging zur Bundeswehr, machte eine Ausbildung bei der Bundespost und arbeitete dann 40 Jahre lang für die Telekom. Während seiner Schulzeit wurden Filme über die Gräueltaten deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg vorgeführt. Hermann Rosenwirth befürchtete seitdem, dass sein Vater, der 1921 geboren wurde und 1941 in Russland im Krieg war, auch viele Menschen umgebracht haben könnte. Ihm liegt ein Brief vom Mai 1942 vor, in dem ein Unteroffizier andeutet, dass sein Vater im Krieg umgekommen sei. Tatsächlich kehrte der Vater aber lebend zurück und verstarb erst im Jahr 2001.

Inhalte

Geboren 1954 – keine direkten Erzählungen des Vaters vom Krieg – Gespräche unter Erwachsenen über Kriegserlebnisse – NS-Zeit als Stoff in der Schule – Film über die Gräuel in den Konzentrationslagern – Angst, dass der Vater daran beteiligt war – keine direkte Frage danach gestellt – Belastung der Beziehung – Bekannter war als politischer Häftling im Konzentrationslager – Aussage des Vaters, er habe niemanden erschossen – Normalisierung der Beziehung – Vater wurde 1942 fälschlicherweise für tot erklärt – vermisst nach der Winterschlacht 1942 – Unteroffizier schrieb an die Familie und erklärte ihn für tot – Originalbrief erhalten – Fragen nach Mitschuld, Täterschaft und Unschuld – Grenze für Soldaten – schreckliche Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs – Zweiter Weltkrieg in neuer Dimension verglichen mit früheren Kriegen – industrielle Vernichtung von Menschen – ganze Generation als Mittäter – Frage nach Kollektivschuld – offener Widerstand nicht möglich – Töten wurde zur Routine – 15 Monate Dienst bei der Bundeswehr – Inhaftierung für drei Monate – Selbstmordgedanken – Übungen – in Notsituation unbedingte Verteidigung – kaum Gespräche mit der Kriegsgeneration – Kriegs- und Veteranenvereine als Ort der Gespräche – aufgedeckte Gräueltaten machten aus damaligen Helden Mörder.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
0:36 h
Aufnahmedatum:
17.04.2013
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Reiner Holzemer

Kamera: Reiner Holzemer