Zeitzeugen berichten

Heinrich Seibert Friedensaktivist (Internationaler Versöhnungsbund)

Signatur
tobre-049.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Heike Bretschneider)
Referenzjahr
1951

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Heinrich Seibert über die Aufnahme von Pflegekindern durch seine Frau und ihn ab den 1950er-Jahren. Als Christen war es für sie selbstverständlich, Menschen in Not zu helfen. Es handelte sich um uneheliche Kinder und Kinder mit Behinderung.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Heinrich Seibert, geführt 1986, über die Entwicklung der Friedensbewegung in Deutschland, insbesondere den Internationalen Versöhnungsbund (nur Ton).

Inhalte

tobre 045:

1906 in Wiesbaden geboren, sein Vater hatte eine eigene Bäckerei. Ausbruch des Ersten Weltkriegs, sein Vater war ein absoluter Kriegsgegner. Heinrich Seibert besuchte das Realgymnasium, aber seine Eltern konnten durch die Inflation 1923 das Schulgeld nicht bezahlen. Er machte eine kaufmännische Lehre, fand keine Arbeit und arbeitete für einige Monate in der Landwirtschaft, fand 1928 dann eine Stelle in Wiesbaden beim Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in der Sozialabteilung. In Wiesbaden schloss er sich den vegetarischen Wandervögeln an. Sie gründeten in Wiesbaden ein Volksheim. Er wurde Vegetarier und Antialkoholiker. Damals entstand in seinem Freundeskreis die Idee „zu siedeln“, also eine kleine Gemeinschaft zu bilden. Er lernte das Heidelbeerkeltern. In Halle an der Saale gründeten die Freunde 1931 eine ländliche Kommune, mit einer Gärtnerei, einem vegetarischen Speisehaus. Heinrich Seibert übernahm die Mosterei. (siehe tobre 047 und tobre 048) Es gab Spannungen zwischen den Mitgliedern in der Gemeinschaft, vor allem mit dem Leiter Edgar Koch. Heinrich Seibert, der inzwischen geheiratet hatte, verließ die Gemeinschaft 1937.

tobre 046:

Heinrich Seibert berichtet über die Gründung des Internationalen Versöhnungsbundes zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Er spricht über die Schweigekreise der Friedensbewegung in Augsburg und die Aktionen des Internationalen Versöhnungsbundes in den 1980er-Jahren, den Protesten in Bonn vor der Südafrikanischen Botschaft und seine Festnahme durch die Polizei.

tobre 047:

Pfarrer Max Josef Metzger hatte die Kommune in Halle an der Saale besucht, die sich Christkönigsbund genannt hatte. Metzger bot 1937 dem Ehepaar Seibert an, in Meitingen beim Christ-Königsinstitut vom Weißen Kreuz zu arbeiten und Seibert war dort bis 1939 im Verlag beschäftigt. Die Nationalsozialisten überfielen dessen Druckerei und zerstörten alle Maschinen. Seibert bekam eine Stelle beim Arbeitsamt und die Seiberts zogen nach Augsburg. 1941 wurde er dienstverpflichtet und kam bis Oktober 1943 nach Feldkirch zum Zollgrenzschutz, anschließend wurde er zu den Gebirgsjägern abkommandiert. Seine Frau war schwer krank, sie hatten inzwischen zwei Kinder, Heinrich Seibert hatte keinen Mut zu verweigern. Im Sommer 1944 kam er an die rumänische Front, wurde dort als Bürokraft eingesetzt. Er geriet in sowjetische Gefangenschaft, erlitt dort einen Unfall und wurde schon im November 1945 entlassen. Heinrich Seibert, der den Versöhnungsbund seit 1928 kannte, war seit 1946 gemeinsam mit seiner Frau wieder für ihn aktiv. Die erste Versammlung nach dem Krieg fand bei der Pianistin Elly Ney statt.

tobre 048:

inhaltliche Wiederholung von tobre 045.

tobre 049:

Seibert arbeitete seit Januar 1946 wieder beim Finanzamt. Von 1946 bis 1965 war er Vorsitzender des Versöhnungsbundes in Augsburg. Zur Gruppe gehörten ungefähr 15-20 Mitglieder. Zusammenarbeit mit der Internationale der Kriegsdienstgegner und Pax Christi. Er erzählt von den Schweigekreisen für den Frieden am Königsplatz in Augsburg und von seiner Plakataktion, in 40 Sprachen schrieb er „Nie wieder Krieg“. Er schildert die Ziele des Internationalen Versöhnungsbundes. Er und seine Frau nahmen viele Jahre Pflegekinder auf, oft Kinder von sehr jungen ledigen Müttern, u.a. auch zwei blinde Kinder.

Daten

Art:
Thematisches Interview (nur Ton)
Dauer:
ca. 2,5 h
Aufnahmedatum:
20.03.1986
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Dr. Heike Bretschneider (Interview und Technik)