Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Hanns Noder über wirtschaftliche Probleme von bayerischen Unternehmen und deren Förderung durch Kreditvergabe der Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) in den 1960er-Jahren.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Hanns Noder, geführt am 20.06.2008, im Rahmen des Projekts Wiederaufbau und Wirtschaftswunder über sein Leben, seine Tätigkeit bei der Sparkasse und der LfA, die Situation und Entwicklung der bayerischen Wirtschaft und Industrie nach dem Krieg sowie die Förderungsprogramme, Struktur und Arbeitsweise der LfA.
Biogramm
Hanns Noder, geboren 1928, war nach seinem BWL-Studium in München ab 1952 bei der Sparkasse Wasserburg in der Kredit-Abteilung angestellt. 1956 trat er in die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) als Kreditsachbearbeiter ein und betreute zunächst das Gebiet Mittelfranken. Ab 1960 war Herr Noder Stellenleiter für den Regierungsbezirk Oberfranken und ab 1971 stv. Abteilungsleiter für den gesamten nordbayerischen Raum (ab 1978 Abteilungsleiter). In dieser Funktion hat Hanns Noder die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Raum erlebt und durch die Kreditvergabe an Unternehmen aktiv mit gestaltet. Hans Noder starb am 13.06.2013.
Inhalte
Geboren 1928 – 1948 Abitur in Wasserburg am Inn – Studium der Betriebswirtschaftslehre in München an der Ludwig-Maximilians-Universität: 1952 Examen – Anstellung als Diplomkaufmann in der Kreditabteilung der Sparkasse Wasserburg – Hauptklienten: Kleingewerbe, mittelständische Betriebe und Flüchtlingsbetriebe – Vertreter der Hausbank bei der Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) – 1955 Wechsel zur LfA: Anstellung als Kreditsachbearbeiter – LfA: Staatsbetrieb – Aufbaufinanzierung eigentlich Sache der Bayerischen Staatsbank, aber wegen der Umstellung von Reichsmark auf D-Mark zu ausgelastet – Einführung des Hausbankenprinzips – Hauptaufgabe der LfA: Flüchtlingsproduktivkredite – drei Gruppen von Hilfsbedürftigen: Flüchtlinge, Heimatvertriebene, einheimische Firmen – Haftung des Staates für die Kredite mit 90% Maximum – LfA: Spezialbank ohne eigenes Kredit- und Wertpapiergeschäft, Dienstleister für den Bayerischen Staat, Unterstützung der Wirtschaftspolitik – Bayern als Vorreiter im Wiederaufbau – Lastenausgleichsbank des Bundes – Dr. Otto Barbarino als Initiator der LfA – Gründung der LfA 1951 – Belegschaft: Bankkaufleute, Juristen, ehemalige Wehrmachtsoffiziere – bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als Pendant zur bayerischen LfA – Kleinkreditwesen – Kreditsachbearbeiter für Mittelfranken, nach fünf Jahren Stellenleiter, Wechsel nach Oberfranken – zwei Abteilungen in der KfW: Nordbayern und Südbayern – zunächst regionale Organisation der LfA, später auch branchenspezifisch – in Mittelfranken zuständig für die Instrumentenfabrikation und eine Pinselfabrik – Louis Armstrong – Dominanz von Möbelfabriken, Schmuckwaren, Glaswaren und Bijouteriewaren – Gablonz, Kaufbeuren, Frankenwald, Fichtelgebirge, Spessart – Export: Übernahme von Auslandskrediten durch die Ausfuhr-Kreditanstalt (AKA) – Gerling-Konzern – Eignungsübertragungen vom Bund: „Monas“ Waldkraiburg – Antragstellung: Ausfüllen des Antragsformulars, Weiterleitung des Antrags an die KfW durch die Hausbank, Prüfung des Antrags, Erstellung einer Tischvorlage für die Entscheidungsgremien, Entscheidung – entscheidende Gremien: Vorstand der LfA, Verwaltungsrat oder Interministerieller Bürgschaftsausschuss (je nach Höhe des Kredits) – Problem: meist keine Belege für Sicherheiten, daher Bürgschaftsprinzip – Probleme der Antragsteller mit der Marktwirtschaft – später Gründung von Kapitalbeteiligungsgesellschaften durch das Bayerische Wirtschaftsministerium: Bayerische Kapital-Beteiligungsgesellschaft, Wagnisbeteiligungsgesellschaft, Bayerische Unternehmensbeteiligungsgesellschaft (BUB) – später Einführung einer gesamtbayerischen Abteilung für Kleinkredite – ab den 60er/70er Jahren Einführung eines Mittelstandsprogramms, da kein Bedarf mehr an Flüchtlingskrediten: Programm „Junge Familien“, Arbeitsplatzdarlehen, Konsolidierungsdarlehen – Arbeitssituation bei der LfA in den 50er Jahren sehr „spartanisch“ – Interministerieller Bürgschaftsausschuss: Beamte des Finanz- und Wirtschaftsministeriums, Umweltministeriums, Innenministeriums und Kultusministeriums – Verwaltungsrat: Beamte, Staatssekretäre, manchmal Minister, namhafte Leute aus Wirtschaft und Bankwesen – hohe Mitsprache des bayerischen Wirtschaftsministeriums bei der Förderung – Bayern: „vom Agrar- zum Industriestaat“ – in Nordbayern starke Förderung des Zonenrandgebietes: Zonenrandförderungsprogramm – Risiko der Hausbanken 10% – Kreditausfälle – Förderung der Beschäftigungssicherheit durch Politiker – nach der Wiedervereinigung: hoher Aufwand an Finanzmitteln und Personal, um Wirtschaft in der ehemaligen DDR zu fördern, Handelsbeziehungen mit Ungarn – bayerische Programme : Flüchtlingsproduktivkredite, Betriebsmittelkredite, Handwerkskredite – Kreditgarantiegemeinschaften für Handwerk, Handel, Gartenbau und Fremdenverkehr – Konsolidierungs- und Sanierungsmaßnahmen bei Schwierigkeiten: Verlängerung von Krediten, Neukredite – Viele Möbelfirmen insolvent durch Export – Textilindustrie – Abschreibungsgesellschaften – Kreditüberwachung: Bilanzen, Hausbanken, Außenrevision – CAD-Maschine – Beratung der Hausbanken durch die LfA – keine besondere Berücksichtigung von ehemaligen KZ-Häftlingen – Existenzförderung, Familienförderung, Innovationsförderung – Rolf Rodenstock – Stiftungen und Förderungen der LfA: Professur für Informatik, König-Ludwig-Musical – Rezession als Positivpunkt – 1974/75 kurzfristiges Betriebsmittel- und Konsolidierungsprogramm – gutes Verhältnis der LfA zum Bund – nähe zum Kunden durch die Hausbanken – Filtersystem: Hausbanken kennen die Betriebe und filtern für die LfA – Verwaltungsrat – Wiederaufbauvereinigung (WAV) – Einbringung der Fähigkeiten der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge als wesentlicher Beitrag für die Umstrukturierung Bayerns – hautnahes Miterleben des Wandlungsprozesses vom Agrar- zum Industriestaat – Bedeutung der Landwirtschaft – Förderung der bayerischen Wirtschaft einhergehend mit der Förderung der Infrastruktur: Beispiel Rhein-Main-Donau Kanal – Mitfinanzierung der Brenner-Autobahn und der Europabrücke – durch regen Kontakt zu Kreditanwärtern viel Erfahrung: gutes Beurteilungsvermögen der Erfolgsaussichten – als Folge von Betriebspleiten auch juristische Auseinandersetzungen – flexible und gesunde Entwicklung der LfA – Mittelstand kann durch die LfA die gleichen Kredite erhalten, wie sonst nur Großunternehmer – Brüssel – als Abteilungsleiter alleinige Entscheidung für Kleinkredite unter 300.000 D-Mark – Anekdote über den Schulfreund Ernst Freiberger: Selbstständigkeit mit Eis am Stiel – Wechsel von der Sparkasse zur LfA wegen der „Kleinlichkeit“ der Bank – Kreditgeschäft verlangt Gespür für die Not und Vorstellungen des Anderen und Menschenkenntnis – Wechsel zur LfA richtige Entscheidung, da dort Möglichkeit zur Zusammenarbeit auch mit größeren Firmen.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.