Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Arno Hamburger über die Diskriminierungen, die er und seine Familienangehörigen als Juden in den 1930er-Jahren in Nürnberg erleben mussten. Seine Eltern mussten sich mit Hilfsarbeiten über Wasser halten, er selbst musste die Schule verlassen und als Lehrling gefährliche Schweißarbeiten verrichten, die Nicht-Juden nicht zugemutet wurden. Während der Reichspogromnacht wurde die Firma, in der er lernte, zerstört. 1939 bereitete er sich in Hamburg auf seine Auswanderung nach Palästina vor.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview vom 05.07.1988 mit Arno Hamburger in Nürnberg über die Geschichte und Kultur der Juden in Nürnberg, seine Kindheit in Nürnberg, erste antisemitische Ausschreitungen nach 1933, seine Emigration nach Palästina 1939, den Dienst in der britischen Armee, das Kriegsende 1945 und seine Rückkehr nach Nürnberg, das Wiedersehen mit seinen Eltern, die Tätigkeit als Übersetzer bei den Nürnberger Nachfolge-Prozessen, die Arbeit der Israelitischen Kultusgemeinde, Anfeindungen durch Neonazis sowie sein politisches Engagement in der SPD.
Biogramm
Geboren 1923 in Nürnberg, 1939 über ein Vorbereitungslager der Jugend-Alija in Hamburg-Blankenese nach Palästina emigriert, Annahme der britischen Staatsbürgerschaft, ab 1941 Kriegsdienst in der britischen Armee (in den Jewish Brigades Einsatz in Nordafrika und Italien), 1945 Rückkehr nach Nürnberg, ab 1946 Dolmetscher und Übersetzer bei den Nürnberger Nachfolge-Prozessen, ab 1949 Metzgerlehre, anschließend im elterlichen Geschäft tätig (1974 übernommen), seit 1972 Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, seit 1972 Mitglied des Stadtrats in Nürnberg (SPD), gestorben 2013.
Inhalte
Kurzer Überblick über die Geschichte der Nürnberger Juden: Synagoge 1296, Pogrom 1298, Schutzzölle, erneute Vertreibung 1349, Frauenkirche auf dem Platz der Synagoge errichtet, Grabsteine als Baumaterial benutzt, Treppe der Lorenzkirche, Verhandlungen die Steine zu ersetzen, Übereinkommen, Steine heute in der Aussegnungshalle des israelitischen Friedhofs, ab 1352 erneute Ansiedlung von Juden in Nürnberg, 1498 erneut ausgewiesen, neue Synagoge 1874 eingeweiht, Zerstörung der Synagoge am 10.08.1938, ab 1850 Juden in Nürnberg, Industriestadt, 1864 jüdischer Friedhof zwischen Bernschenstraße und Reutersbrunnenstraße, 1910 neuer Friedhof an der Schnieglingerstraße, 08.09.1874 Synagoge am Hans-Sachs-Platz eingeweiht, Beteiligung der Juden an der Industrialisierung, Herkuleswerke, Addiwerke, Bingewerke, Pinselindustrie, Vorgänger von Quelle, Tempo, Hopfenhandel, Spielwarenindustrie, Mäzenatentum: Ludwig von Gerngroß, Neptunbrunnen, Kommerzienrat Berolzheimer, Stiftungen in Nürnberg und Fürth, jüdisches Engagement im Ersten Weltkrieg, 1933 Judenverfolgung, Julis Streicher, "Der Stürmer", 1933 erste Demütigungen, "Grasfressen" auf dem Sportplatz, 1935 Nürnberger Gesetze, "Reichskristallnacht" (Reichspogromnacht), 28 Tote in Nürnberg, Gebrüder Frankenburger, Selbstmorde, 1939 noch 2.000 Juden in Nürnberg, Deportationen 1941/42 nach Theresienstadt, Stutthof, Itsbika, Mischehen, 02.01.1945 Fliegerangriff, Befreiung Nürnbergs am 20.04.1945, DP-Lager, 1945/46 120 Mitglieder, in den 1970ern neues Gemeindezentrum, Seniorenwohn- und Pflegeheim, Räumlichkeiten, Prophezeiungen Streichers – Lebenslauf: Volksschule, 1933 im April Wechsel aufs Realgymnasium, Vater: Großschlächter, Diskriminierungen in der Schule, Sportunterricht, antisemitischer Lehrer, Schlägerei, Schulverweis, dann jüdische Volksschule in der Kanalstraße, 1937 Elektrikerlehre, Firma Erle in der Johannisstraße, Arbeit als Schweißer, April 1939 Vorbereitungslager zur Auswanderung nach Palästina in Hamburg-Blankenese, Eignungsprüfungen, 23.08.1939 von Triest mit italienischem Schiff nach Galiläa, Schiff drehte bei Zypern um, in Fiume auf jugoslawischen Frachter gebracht, Warten, prekäre Situation, Nahrung ging zur Neige, mit Kabineninsassen geteilt, Wurst und Lebkuchen, erneute Bezahlung der Passage durch amerikanische Organisation Hyers, am 17.09.1939 in Palästina eingetroffen, Jugendallianz, Unterbringung in Kibuzim und Moshawim, Familie auf dem Land, 1.000 Hühner, Eierputzen, keine Sprachkenntnisse, Anfang 1941 zur britischen Armee gemeldet, Einsatz in Nordafrika und Italien, bei Kriegsende 08.05.1945 in Bologna, am 27.05.1945 mit amerikanischem Jeep nach Nürnberg gekommen, Zerstörungen, Eltern hatten überlebt, Wiedersehen, im August 1946 aus der Armee entlassen, Übersetzer beim Office Chief of Council of Warcrimes, Nürnberger Prozesse, Nachfolge-Prozesse, Rückkehr nach Nürnberg wegen des Vaters, Vater wollte sein Geschäft wieder aufbauen, von 1939 bis 1945 Zwangsarbeiter beim Gleisbau, Einblick in die Geschehnisse durch die Prozesse, Versuche des Luftwaffenarztes Rascher in Dachau, Eiswasser, Reanimationen, Einsatzgruppen, Leute, die keine Lehren gezogen haben, Neonazis, Kühnen, Vorsitzender der Republikaner, MdB Fellner, Drohbriefe, Drohanrufe, Sicherheitsmaßnahmen des Gemeindehauses, Panzerglas, Kameras, politische Situation in Palästina, seit 1972 Stadtrat in Nürnberg, seit 1974 stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender, israelitische Kultusgemeinde in Nürnberg, Haltung der Bevölkerung größtenteils loyal - Gleichberechtigung der 1920er Jahre, nach dem Holocaust andere Reaktion auf antisemitische Äußerungen, falsche Einschätzung der Entwicklung durch jüdische Gemeinde in den 1920ern, Verbindung der deutschen und jüdischen Geschichte durch den Holocaust, jüdische Grabsteine in der Treppe der Lorenzkirche, Prophet Habakuk: "Der Stein schreit aus der Mauer", Verhandlungen, Steine heute in der Aussegnungshalle des israelitischen Friedhofs.