Zeitzeugen berichten

Edgar Mathe 1990-2014 Geschäftsführer der WBG Augsburg

Signatur
zz-2185.03
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Thomas Grasberger M.A.)
Referenzjahr
1990

Edgar Mathe beschreibt die organisatorische Struktur der Wohnbaugesellschaft und ihren Einsatz für die soziale Stadtentwicklung während seiner Amtszeit.       

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Zeitzeugeninterview mit Edgar Mathe, geführt am 26.11.2025 in Augsburg über seinen Berufsweg bis zum Geschäftsführer der WBG Augsburg, die Anfänge des kommunalen Wohnungsbaus in der Weimarer Republik, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus in der Nachkriegszeit, die organisatorische Struktur der WBG, die heutigen Herausforderungen des sozialen Wohnungsbaus sowie über den Bau des Staatlichen Textil- und Industriemuseums Augsburg (tim).

Biogramm

Edgar Mathe wurde 1953 in Augsburg-Lechhausen in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Seine Eltern waren beide „Fabrikler“. Die Mutter war als Wendelzieherin, der Vater als Elektriker für die OSRAM GmbH tätig. Nach acht Jahren Volksschule in Lechhausen machte Mathe eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann und arbeitete als Teppich-, Gardinen- und Tapetenverkäufer. Nebenbei besuchte er die Berufsaufbauschule und schloss mit der Mittleren Reife ab. Als 18-Jähriger verdiente er sich mit Hilfsarbeiterjobs sein Geld; er war unter anderem Eisenbieger, Lagerist und Lkw-Fahrer, bevor er mit Anfang 20 über das Bayernkolleg und die Fachoberschule sein Fachabitur nachholte.

Von 1976 bis 1981 studierte Mathe an der Universität Augsburg Betriebswirtschaftslehre und schloss als „Dipl. Oec. (Univ.)“ ab. Sein Studium finanzierte er sich als Nachtfahrer bei einem Taxiunternehmen. In den fünf Jahren als „Taxler“ chauffierte er oft US-amerikanische Soldaten, die damals in Augsburg stationiert waren. Auch darin ist ein Grund für seine Liebe zur US-amerikanischen Musik und Popkultur zu suchen. Mit 27 heiratete Mathe und gründete eine Familie. In den ersten Berufsjahren wirkte er als Akademischer Mitarbeiter – später als betriebswirtschaftlicher Referent – beim Verband Bayerischer Wohnungsunternehmen, damals die gesetzliche Prüfungs- und Beratungseinrichtung für gemeinnützige Wohnungsunternehmen. Nach seiner Bestellung zum Steuerberater durch das Bayerische Finanzministerium wurde Mathe schließlich 1990 Alleingeschäftsführer der WBG Unternehmensgruppe Augsburg (WBG, AGS, WBG-Stiftung). Er blieb fast ein Vierteljahrhundert Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg und prägte das Unternehmen maßgeblich. In jenen Jahren entwickelte sich die WBG schrittweise vom ursprünglich rein gemeinnützigen zu einem privatwirtschaftlichen Unternehmen in städtischer Hand und etablierte sich auch als Immobilien- und Finanzdienstleister der Stadt. Während seiner Amtszeit setzte Mathe den Fokus auf die Modernisierung bestehender Wohnanlagen und die Durchführung baulicher Großprojekte: etwa die Umwandlung der Areale um die Sheridan-Kaserne, die nach dem Abzug der US-Truppen freigeworden waren. Auch die Stadtbücherei, die Messe Augsburg und die Modernisierung der Eissporthalle gehören zu seinen Projekten. Und nicht zuletzt das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim), das 2010 im historischen Fabrikbau der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei eröffnet wurde. 2014 ging Edgar Mathe in Altersteilzeit und anschließend in Pension.

Inhalte

Geboren 1953 – Bombardierung und Wiederaufbau Lechhausens – Kindheit und Jugend in einem katholischen Arbeiterviertel in Lechhausen – Eltern als Akkordarbeiter bei der OSRAM GmbH – Aufwachsen in einer Arbeiterfamilie – Identifikation mit Arbeiterfußballvereinen – Lehre zum Einzelhandelskaufmann – Hilfsarbeitertätigkeiten als Jugendlicher – Erlernen des richtigen Umgangs mit Menschen – Zweiter Bildungsweg über die Berufsaufbauschule – Entscheidung für ein BWL-Studium – Taxifahrer während des Studiums – Anekdoten zu US-amerikanischen Soldaten in Augsburg – Erlebnisse der US-Soldaten im Vietnamkrieg – Diskriminierung schwarzer US-Soldaten – Faszination für Cadillacs – Familie und Freunde in den USA – Einstellung zur US-Politik – Berufseinstieg beim VDW Bayern – Gründe für die Einstellung als Geschäftsführer der Wohnbaugesellschaft WBG in Augsburg – Entstehung der kommunalen Wohnbaugesellschaft als Reaktion auf die Wohnungsnot der Weimarer Republik – Wohnungspolitik und Architektur im kommunalen Wohnungsbau – Neues Bauen und demokratische Prinzipien im Augsburger Städtebau der Weimarer Republik – NS-Ideologie im Wohnungsbau – NS-Vergangenheit der WBG – Zwangsarbeiter bei der WBG – Prekäre Wohnsituation in der Nachkriegszeit – Katalysatoren des sozialen Wohnungsbaus Anfang der 1950er-Jahre – Integration von „Gastarbeitern“ zwischen Arbeitsplatz und Wohnraum in den 1960er-Jahren – Hausverwalter als Vermittler zwischen Mietern – Altstadtsanierungen in Bayern in den 1970er-Jahren – Selbstständiger Wohnungsbau rumäniendeutscher Aussiedler – Historische Wohnbauförderung und Kritik am heutigen Zuschusssystem – Ende des Wohnungsbaubooms nach der Wiedervereinigung – Organisatorische Strukturen der WBG und soziale Stadtentwicklung – Neubau, Modernisierungen und Wohnungsaufkauf als Mittel der WBG – Sozialer Wohnungsbau unter Mathe – Kritik an zu hohen (ökologischen) Baustandards im sozialen Wohnungsbau – Kritik an der breiten Sozialwohnungsberechtigung – Soziale Stadtteilidentität und städtebauliche Verdichtung – Aktuelle Wohnungssituation bei der WBG – Lösung für soziale Wohnungsfragen ohne Genossenschaften oder Bodenreform – Kritik an DIN-Normen und Wärmepumpen – Freispruch im Korruptionsverfahren – Kritik am Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei – Korruptionsvorwürfe im Rahmen der Konversion von Kasernenflächen – Städtebaulicher Erfolg bei der Konversion – Managementvertrag mit täglicher Kündigung als WBG-Geschäftsführer – Rückhalt von Stadtrat, Familie und Freunden während der Korruptionsvorwürfe – Entscheidung für das Textil- und Industriemuseum „tim“ in Augsburg – Projektstakeholder des tim – Baukonzeption des tim – Industrie- und Arbeiterkultur im tim – Städtische Mobilität – Konzepte gegen die Stadterwärmung Augsburgs – Zukunftsvisionen für Augsburg.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview
Dauer:
02:00 h
Aufnahmedatum:
26.11.2025
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Thomas Grasberger

Kamera: Thomas Rothneiger