Zeitzeugen berichten

Dr. Rudolf Strauß Emigrant, Angestellter, Wissenschaftler

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zz-0193.01
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Haus der Bayerischen Geschichte, Augsburg

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Rudolf Strauß über seine Erziehung als jüdischer Schüler bei den Benediktinern am Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg in den 1930er-Jahren.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Rudolf Strauß zum Thema Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, aufgenommen in München, am 22.07.1995, u.a. über sein Erlebnis der "Reichskristallnacht", die Emigration nach England, die Internierung in Australien, die Rückkehr und die berufliche Laufbahn nach dem Krieg.

Biogramm

Rudolf Strauß wurde 1913 in Augsburg in eine jüdische Familie des gehobenen Bürgertums geboren. Ab 1923 besuchte er das humanistische Gymnasium St. Stephan und studierte anschließend Physik, Literaturgeschichte und Kunstgeschichte in München, Dresden und Leipzig. Wegen des Kriegsausbruches konnte er jedoch sein Studium nicht abschließen. 1939 floh er vor dem nationalsozialistischen Regime nach London, wo er bei der Fa. Fray arbeitete. Nach der Widervereinigung holte er sein Diplom und die Promotion nach. Rudolf Strauß verstarb im Jahr 2001.

Inhalte

1913 in Augsburg geboren – Vater Justizrat – Mutter Irma Moos Tochter der Cousine des Vaters – bürgerliches Milieu – Volksschule – 1923 St. Stephan – Gymnasium – Identität – Vater aus Händlerfamilie – Firma Elias Moss – Hechingen – Buenos Aires – Shanghai – Firma S. Straußing & Strauß in Ulm – Großeltern – Vater guter Sportler, Reiter, promovierter Jurist – Kanzlei Binswanger in Augsburg – Mitglied einer jüdischen Studentenverbindung Licaria in München – selbst letzter Fuchs vor der Auflösung durch Gestapo 1933 – letztes rauschendes Faschingsfest – schlagende Verbindung – vertauschte Mützen – Reiten – Fechten – Schießen gelernt - Vater Hauptmann der Reserve – zweimal verwundet – dann 1917 Oberster Kriegsgerichtsrat in der Ukraine – Kontakte zur Kiewer jüdischen Gemeinde – nach dem Krieg sozialdemokratisch orientiert – Hirsch-Dunker`sche Gewerkschaft - 1932 Praktikant bei den Augsburger Betriebswerken – Freundeskreise – München – Augsburg – Cliquenwirtschaft in Augsburg – jüdische Gemeinde weitgehend unter sich – Familien Arnold – Kahn – Landauer – Eisenmann – Friedmann – Oberdorfer – Binswanger - Vater verteidigt Wilderer – Freispruch – Kirchweihtotschlag – Heindl – MAN – Benediktiner in St. Stephan – drei jüdische Mitschüler – Rudolf Marburg tritt zum Katholizismus über – Religionsunterricht bei Rabbiner Grünfeld – Rabbiner Jakob – Privatklassen – Schulhofprügelei – kein direkter Antisemitismus, mehr soziale Vorbehalte – Feste in der Synagoge – Versöhnungsfest – Neujahr – Sukkot – Pessach – Versuch, nicht aufzufallen – "Gesellige Vereinigung" – Tanz im "Drei Mohren" – Nicht-Zionist – Prügelei mit Leuten von "Makabi" – Mietglied im Augsburger Turnverein im Schießgraben – Ernst Kramer – Robert Raff: Bankierssohn, Kommunist, geht in die Sowjetunion, wird dort ermordet – Auseinandersetzung mit dem Kommunismus – Weltbühne – Bücher von George Grosz "Deutschland ein Wintermärchen" – Bündische Jugend – Fahrten – Pfadfinder – Aktivität jüdischer Studenten nach 1933 – Organisation als Zionisten und Nicht-Zionisten – deutsch-jüdische Jugend – Central-Verband deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens – Lehr-Gut Groß-Breesen bei Breslau – Prof. Curt Bondy – Ernst Kramer – Axel Springer - Berufsentscheidung: Pater Otmar Zettel – Begabung für Physik – entfernt verwandt mit Albert Einstein – Einladung von Elsa Einstein nach Caputh bei Berlin – Rat, möglichst breit zu studieren – auch Chemie und Ingenieurwissenschaft – Kunstgeschichte – Literaturgeschichte – langsamer Student – 1934/35 in Leipzig bei Debye, Heisenberg, Weizsäcker – keine Möglichkeit mehr zur Promotion – Dresden – Tomascek – Lenard "Deutsche Physik" – dennoch bei Tomascek Technische Physik studiert – Prof. Widmann – Elektronik – Prof. Barkhausen – Studium nur möglich, weil Vater Frontkämpfer war – zweimal im Jahr wegen der Jugendbewegung bei der Gestapo gemeldet – SS-Mann Rassenforscher im Zug erklärt S., er habe ein "schwäbisches" Aussehen – Schmierereien an jüdischen Geschäften entfernt – Augenverletzung – November 1938 "Reichskristallnacht" – von Nachbarn gewarnt und mit dem Motorrad geflohen – jüdische Reichsvertretung – Leo Baeck – Otto Hirsch – Treffen mit dem Vater in Berlin – Vater zurück nach Augsburg – zur Gestapo bestellt – Bekannter in England: John Fray – zukünftiger Schwiegervater – Geschäftspartner in München Schweizer Teuba – Visum durch John Fray – Kontakte zum Konsul in Dresden – Arbeitsuche in England – Wunsch, Instrumentenbauer zu werden scheitert – 40 Jahre bei Fray vom Laboranten bis in den Vorstand – Fachmann des Wellenlötens – Eltern 1939 ebenfalls emigriert – Schwager im Import-Export-Geschäft tätig – Zimmer in Wimbledon – Spaß an der Laborarbeit – Assistent eines Metallurgen – dort erst richtig Englisch gelernt – Metallurgie – Pidgin-Englisch – nach Kriegsbeginn 1939 Überprüfung der politischen Einstellung – Probleme linker politischer Flüchtlinge – 1941 Friedensbewegung – Oswald Mosley (brit. Faschist) – Internierung in Australien – drei Monate unterwegs – deutsche U-Boote – über die Elfenbeinküste – Kapstadt – Perth – Melbourne nach Sydney – Rückkehr nach England im August 1941 – Arbeit bei Frays – Entwicklung von Loten für die Kühler der Bomber – Kurt Eisler – Gedruckte Schaltung – Leiterplatten – Löten von Leiterplatten mit vielen Lötstellen – Erfindung des Wellenlötens – Patente – 1958 nach Deutschland – größerer Markt – nach dem Ruhstand: Seminarbetrieb – Bücher – Beratungsfirma – Berater des Instituts für Materialkunde und Metallurgie der TU München – Diplom und Promotion nachgeholt nach der Wiedervereinigung – Doktorarbeit über Entwicklung des Wellenlötens – Disputatio – Dr.-Ing. – Vater als Gemeindevorsteher in Augsburg – Ausgleich – Spannungen – Auto Buick - Schiff nach Australien – Rabbiner Ehrenzweig – Ängste des Vaters vor der Emigration.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
22.07.1995
Sprache:
deutsch