Karsten de Riese kritisiert den ehemaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage für dessen Einsatz für die Ausrichtung der Olympischen Spiele von 1936 in Deutschland und für dessen antisemitische und rassistische Weltanschauung.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Karsten de Riese, geführt am 12.11.2022 und 01.12.2022 in Dietramszell, über seinen Fotografie-Stil, sein Fotografie-Studium an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, seine prägenden Begegnungen als Porträtfotograf, die Zusammenarbeit mit Otl Aicher beim Organisationskomitee für die Olympischen Spiele 1972 in München, seine kritische Sicht auf das IOC und den ehemaligen Präsidenten Avery Brundage, die Umsetzung eines modernen und weltoffenen Gestaltungskonzepts für Olympia 1972, seine Erinnerungen an das Münchner Olympia-Attentat 1972 sowie über weitere Fotoprojekte nach 1972.
Biogramm
Karsten de Riese, geboren 1942 in Eisenach, aufgewachsen in Göttingen, lernte und studierte Fotografie an der „Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie“ in Schwabing sowie an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Von 1969 bis 1972 war er offiziell beauftragter Fotograf für das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in München. Zu seinen Lieblingsarbeiten gehört der Zyklus über das Leben in einem spanischen Dorf. Von 1982 bis 1989 fotografierte de Riese die deutsch-deutsche Grenze. Über drei Legislaturperioden beobachtete er für eine Selbstdarstellung des Parlaments den Deutschen Bundestag. De Riese war über 50 Jahre lang als freiberuflicher Porträtfotograf und Bildreporter für zahlreiche Zeitungen und Magazine tätig. Seinen Vorlass mit knapp 400.000 Fotos archiviert die Bayerische Staatsbibliothek.
Inhalte
Geboren 1942 – Inspirationen für de Rieses Fotografie-Stil – Umzug von Eisenach nach Göttingen nach der Flucht des Vaters 1945 vor der russischen Inhaftierung – Schulzeit – Erster Kontakt mit der Fotografie bei einem Fotografen in Hannover – Ausbildung an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München – Beginn des Studiums an der Hochschule für Gestaltung in Ulm an der Abteilung „Visuelle Kommunikation“ – Freier Fotograf in München während des Studiums – Gaststudium an der Filmabteilung der Hochschule Ulm bei Alexander Kluge – Autorenporträts für den Piper Verlag – Prägendes Gespräch mit Karl Jaspers bei einem Porträtauftrag – Porträts von John Cage und anderen Komponisten beim Siemens-Studio für elektronische Musik – Porträt von Theodor W. Adorno – Fotograf für Willi Fleckhaus' Zeitschrift „Twen“ bis zum Einstellen der Zeitschrift 1971 – Unterschiedliche Vorstellungen von Willi Fleckhaus und Otl Aicher – Auswahl von Aufträgen und Auftraggeber – Konkurrenz und Arbeitsstil als freier Fotograf – Ermöglichung einer Fotoarbeit im Vatikan durch die Unterstützung des Rheinischen Merkurs – Exklusive fotografische Einblicke in den Vatikan – Einfluss der Marktwirtschaft auf die heutige Zeitschriftenfotografie – Einstellung als Fotograf für das Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 durch Otl Aicher 1969 – Bewunderung für Otl Aichers Widerstandscharakter – Zusammenarbeit und Freundschaft mit Otl Aicher – Faszination für die Zusammenarbeit von Menschen unterschiedlicher Kulturen beim Aufbau der olympischen Stätten in München – Distanzierung vom heroisierenden Fotografie-Stil Leni Riefenstahls von Olympia 1936 – Fotoauftrag bei einem Empfang des IOC in der Glyptothek und Konflikt zwischen der Presseabteilung und Otl Aichers Abteilung 11 „Visuelle Kommunikation“ – Kritik an der einseitigen Zusammensetzung des IOC – Kritik an IOC-Präsident Avery Brundage wegen der Nominierung Berlins 1936 für Olympia und dessen antisemitischer und rassistischer Weltsicht – Umgang Otl Aichers mit NS-belasteten Funktionären bei der Umsetzung seiner Vision für Olympia 1972 – Zusammenwirken verschiedener Persönlichkeiten für die Entwicklung eines weltoffenen Deutschlandbildes bei Olympia 1972 – Gestaltung der Olympischen Spiele mit Distanz zum NS-Regime und ohne Werbung – Komplikationen beim Fotografieren der Generalversammlung des IOC – Bildrechte der Fotografien zu Olympia 1972 – Umgang der Polizei mit protestierenden Jugendlichen nach den Schwabinger Krawallen von 1962 – Atmosphäre im München der 1960/70er-Jahre – Bedeutung von Hans-Jochen Vogel und Willi Daume für die Olympischen Spiele – Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in München – Erleben des Olympia-Attentats am 5. September 1972 – Einstellung zum Weitergehen der Spiele – Versand von Fotos – Lithografieren der Bilder für die Veröffentlichung in Zeitschriften – Vorfreude auf die Olympischen Spiele wecken als Ziel der Abteilung 11 – Nachrichten von der Geiselnahme als Schock für de Riese – Fotografisches Festhalten der Stimmung auf dem Olympiagelände während der Geiselnahme – Bildrechte des IOC bzgl. der Olympischen Spiele – Umstellung von schwarz-weiß Fotografie auf Farbfotofotografie in den Zeitschriften mit dem Ende der 1960er-Jahre – Puristischer Fotografie-Stil de Rieses – Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen während der ersten Ölkrise 1973 – Fotoauftrag zur ägyptischen Staatsindustrie 1973 – Fotografische Begleitung Willy Brandts nach Ägypten und in die Sowjetunion – Fotodokumentation der parlamentarischen Arbeit im Deutschen Bundestag über zwölf Jahre hinweg – Fotografieren der deutsch-deutschen Grenze 1982 für ein Projekt des Instituts für Auslandsbeziehungen – Scheitern eines Fotoauftrags in der DDR aufgrund der Einwände des SED-Politbüros – Entwicklung zur digitalen Fotografie und zur Handyfotografie – Vorlass seiner Fotografien bei der Bayerischen Staatsbibliothek – Persönliche Werkschau als aktuelles Buchprojekt – Bilder vom Bau des Olympiadachs und vom Olympiapark.
Daten
Interview: Dr. Michael Bauer
Kamera: Thomas Rothneiger