Ilse Danziger beschreibt, wie jüdische Kontingentflüchtlinge nach ihrer Ankunft in Regensburg 1994 von der Jüdischen Gemeinde unterstützt wurden.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Zeitzeugeninterview mit Ilse Danziger, geführt am 22.04.2026 in Regensburg, über ihr Engagement in der Jüdischen Gemeinde Regensburg, die Aufnahme jüdischer Kontingentflüchtlinge von 1994 bis 2005, die Jüdische Geschichte Regensburgs, den Entstehungsprozess einer neuen Synagoge für Regensburg, die feierliche Eröffnung der Neuen Synagoge 2019, den Umgang mit Antisemitismus sowie über das aktive jüdische Leben in Regensburg.
Biogramm
Ilse Danziger wurde 1952 in Passau geboren. 1960 zog sie mit ihren Eltern und den drei älteren Geschwistern nach Regensburg, wo sie die Volksschule besuchte und anschließend die Realschule der Englischen Fräulein, die sie 1968 erfolgreich abschloss. Nach der dreijährigen Ausbildung zur Bauzeichnerin arbeitete sie im Ingenieurbüro „Brunner und Quint“. Schon bald lernte sie ihren Ehemann David Danziger kennen. Sie heirateten 1974 zunächst standesamtlich. Kurz darauf folgte die Hochzeit in der Jüdischen Gemeinde Regensburg. Besonders freuten sie sich 1979 über die Geburt ihres Sohnes Benjamin und 1982 über die ihrer Tochter Jennifer Judith. Nach einer vom Paar gewünschten Erziehungszeit mit den Kindern war Ilse Danziger von 1985 bis 2015 im familieneigenen Pelzgeschäft angestellt. Bereits kurz nach der Eheschließung engagierte sie sich in der Jüdischen Gemeinde Regensburg und wurde 1990 zum ehrenamtlichen Vorstandsmitglied berufen. 2011 wählten die Gemeindemitglieder sie zur Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Regensburg. Sie bekleidet dieses Amt bis heute. In jenem Jahr wurde Ilse Danziger zudem in folgende Ämter berufen: Vizepräsidentin des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Bayern, Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland. Seit 2012 ist sie Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks. Besonders stolz und glücklich ist sie über die Eröffnung des Neuen Jüdischen Gemeindezentrums 2019 in Regensburg. Ohne die Unterstützung des Freistaats Bayern, des Bundes, der Stadt Regensburg, der Stadtgesellschaft und weiteren Fördervereinen wäre dieses Projekt nicht so erfolgreich zu bewältigen gewesen, sagt Ilse Danziger. Für ihren Einsatz erhielt sie 2018 die Silberne Bürgermedaille der Stadt Regensburg, 2019 die Bezirksmedaille der Oberpfalz und 2022 den Bayerischen Verdienstorden. Seit Juli 2024 ist sie Botschafterin der Oberpfalz.
Inhalte
Geboren 1952 – Kindheit und Jugend in Passau und Regensburg – Heirat mit ihrem jüdischen Ehemann 1974 – Übertritt zum orthodoxen Judentum 1979 – Voraussetzungen für die Übertrittsprüfung – Verständnis für den Übertritt in Familie und Freundeskreis – Auseinandersetzung mit dem Judentum in der Jugend – Realschule und Lehre als Bauzeichnerin – Teilnahme an Studentenprotesten – Arbeit im Pelzgeschäft ihres Mannes – Aktive Mitgliedschaft in der Jüdischen Gemeinde Regensburg – Jüdischer Religionsunterricht in Regensburg – Hans Rosengold und Otto Schwerdt als Mentoren – Schrumpfen der Jüdischen Gemeinde Regensburg in den 1980er-Jahren – Aufnahme jüdischer Kontingentflüchtlinge aus Osteuropa in Regensburg ab 1994 – Ankunft der ersten Kontingentflüchtlinge – Erlernen von Jiddisch – Einbinden der Kontingentflüchtlinge in die Jüdische Gemeinde – Unterstützung bei der Integration in die Stadtgesellschaft – Zusammenwachsen der Jüdischen Gemeinde – Platzmangel im Gebetsraum nach dem Zuwachs – Zunehmende Verantwortungsübernahme in der Jüdischen Gemeinde – Beurteilung der Aufnahme der Kontingentflüchtlinge bis 2005 – Toleranz der orthodox geführten Gemeinde gegenüber liberalen Juden – Unvereinbarkeit eines liberalen Gottesdienstes mit den Grundsätzen orthodoxer Juden – Funktionen des alten Gebetsraums und des Mehrzwecksaals ab 1968 – Jüdische Geschichte Regensburgs als Teil des städtischen Welterbes – Unterstützung der Stadt beim Bau einer neuen Synagoge – Frühere Synagogen in Regensburg – Förderverein „Eine neue Synagoge für Regensburg“ – Unterstützung bei der Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs für die Neue Synagoge – (Finanzielle) Unterstützung seitens der Stadtgesellschaft – Geteilte Bauförderung von der Stadt Regensburg und dem Bund – Beziehung der Jüdischen Gemeinde zu Papst Benedikt XVI. – Bewirtung der Mitarbeiter des Papstes bei dessen Regensburg-Besuch im Mehrzwecksaal – Diskussionen um den Abriss des Mehrzwecksaals – Feierliche Eröffnung der Neuen Synagoge und Einbringung der Tora 2019 – Interesse der Stadtbevölkerung für die Synagoge – Zusammenspiel von Transparenz und Sicherheit in der Neuen Synagoge – Antisemitismus in medialer Berichterstattung – Anfeindungen gegen die Jüdische Gemeinde Regensburg – Reaktion auf den Schuhplattlertanz eines bayerischen Trachtenvereins auf einem Denkmal zur mittelalterlichen Synagoge Regensburgs (document Neupfarrplatz) – Aufklärungsarbeit mit Schulen – Aktives jüdisches Leben in Regensburg – Kunstinstallation in der Neuen Synagoge zu Rose Ausländers Gedicht „Gemeinsam“ – Plädoyer für ein wertschätzendes Miteinander – Angst Überlebender der Shoa vor dem aufkommenden Antisemitismus.
Daten
Interview: Thomas Grasberger
Kamera: Thomas Rothneiger