Günther Altmann spricht über die Nahrungsmittelknappheit in Niederbayern während der Nachkriegszeit. Er schildert eine prägende Erfahrung, als ihm in einer Notlage von einer Bäuerin ein Löffel Fett verwehrt wurde.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Günther Altmann, geführt am 09.11.2024 in Gilching, über die Nahrungsmittelknappheit während seiner Kindheit in der Nachkriegszeit im Bayerischen Wald, die Freundschaft seiner Familie zum Weiß Ferdl, seine Schulzeit im München der 1950er-Jahre, seinen Einstieg in den Polizeidienst Ende der 1950er-Jahre, die Verstaatlichung der Stadtpolizei München 1975, die Aufgaben der Funkstreife in München, seine Erfahrungen während der Schwabinger Krawalle 1962, seinen Einsatz als Scharfschütze während des Olympia-Attentats 1972 sowie über seine Tätigkeit als Kriminalkommissar.
Biogramm
Günther Altmann wurde 1941 in München geboren und wuchs in Lederdorn in der Oberpfalz auf. Sein Vater starb am 5. August 1945 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Seine Mutter war Volkschullehrerin in Lederdorn und unterrichtete ihren Sohn in aller Strenge. Als Kind fuhr Günther Altmann in den Jahren 1946/47 öfters mit seiner Mutter nach München zu den „Weisheitingers“, dem Ehepaar Weiß Ferdl, mit der sie eng befreundet war.
Ab 1952 fuhr Altmann als Gymnasiast täglich mit dem Rad von Lederdorn nach Chamerau und dann mit dem Zug nach Cham. Aus familiären Gründen brach er seine gymnasiale Ausbildung ab und wurde kurze Zeit später Schüler in einem Institut der Jesuiten in Ingolstadt. Bald darauf zog er aber nach München und erlangte 1959 seinen Abschluss an einer privaten Handelsschule an der Winzererstraße. Zwei Jahre später trat Günther Altmann seinen Dienst bei der „Stadtpolizei München“ an, die erst 1975 dem Freistaat Bayern unterstellt wurde. Vom Neuhausener Revier 28 am Winthirplatz wechselte der junge Polizist 1964 nach verschiedenen Einsätzen bei der ausschließlich mit BMW 501 motorisierten „Funkstreife“ zu dieser Einheit. 1972 ging Altmann zur Kriminalpolizei. Früh schon hatte er eine Ausbildung als Scharfschütze absolviert und wurde nach einer Prüfung zum Gehobenen Dienst Kommissar, zunächst beim „Diebstahl“, dann in der Abteilung „Tötungsdelikte“.
Inhalte
Geboren 1941 – Aufgaben am Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei – Polizeiuniform der 1960er-Jahre – Verstaatlichung der Münchner Stadtpolizei 1975 – Zuständigkeitsbereich der Stadtpolizei bis 1975 – Oberbayerische Gemeindepolizeistellen von 1952 bis 1972 – Folgen der Umstrukturierung der Münchner Stadtpolizei – München-Besuche in der Kindheit – Nahrungsknappheit im Bayerischen Wald während der Nachkriegszeit – Folgen der Entnazifizierung für Altmanns Mutter – Volksschule in Lederdorn mit der Mutter als eigene Lehrerin – Folgen der Währungsreform 1948 für die Versorgungslage – Anekdote zum Verhältnis zu den Bauern während der Nahrungsknappheit – Freundschaft des Vaters zum Weiß Ferdl – Freundschaft der Mutter zur Ehefrau des Weiß Ferdl – Weiß Ferdl als Profiteur des NS-Staats – Erinnerung an Weiß Ferdl – Tod Weiß Ferdls – Pendeln zum Gymnasium nach Cham – Wechsel auf das Gymnasium Ingolstadt – Unterkunft im Canisiuskonvikt in Ingolstadt – Besuch der Handelsschule in der Winzerer Straße in München – Alltag im München der 1950er-Jahre – Kontakt zu Münchner Jugendbanden – Spontane Teilnahme am Aufnahmeverfahrenstest der Polizei – Ausbildung als Polizeiamtsanwärter in Würzburg – Anekdote zum Rauschtrinken in Würzburg – Abschluss der Polizeiausbildung in München – Nebenjobs beim Münchner Merkur und in der Großmarkthalle – Finanzielle Probleme als junge Familie zu Beginn der Polizeikarriere – Erste Begegnung mit der Funkstreife – BMW-Autos in der Münchner Funkstreife – Schichtdienst der Funkstreife – Umgang mit Familienstreitfällen – Unterkünfte für Sinti und Roma im München der 1960er-Jahre – Extrem fordernde Einsätze im Stadtteil Haidhausen – Gründe für Scharfschützenausbildung bei der Funkstreife München seit den 1970er-Jahren – Eigener Schusswaffengebrauch als Polizist – Einberufung als Polizeischüler zu den Schwabinger Krawallen 1962 – Anfänge der Schwabinger Krawalle an der LMU – Eskalation der Schwabinger Krawalle – Deeskalationstaktiken von Polizeipsychologen – Präsenz von Polizisten im Olympiadorf 1972 – Unterschätzte Terrorgefahr bei den Olympischen Spielen – Einberufung als Scharfschütze während des Olympia-Attentats – Koordination und Gefühlslage während des Scharfschützeneinsatzes – Ende des Einsatzes – Reaktion auf den tödlichen Ausgang des Olympia-Attentats – Aufnahme in den Gehobenen Dienst – Zuständigkeiten bei der Kriminalpolizei im Falle der Todesermittlung und der Mordkommission – Ablauf einer Obduktion – Ermittlungsablauf bei einem Kindsmord – Unvereinbarkeit von Arbeitsalltag und Privatleben – Klettern als Arbeitsausgleich – Kritik an der mangelnden Fehlerkultur und am Gerechtigkeitsverständnis mancher Polizisten.
Daten
Interview: Dr. Michael Bauer
Kamera: Thomas Rothneiger