Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Schwester Gertrudis (Martha Reimann), geführt 1983, über den christlichen Widerstand im "Dritten Reich" und das Wirken von Pfarrer Max Josef Metzger, das von ihm geleitete Christkönigs-Institut und die Una Sancta Bewegung (nur Ton).
Biogramm
Inhalte
tobre 024:
1926 Lehrerinnen-Examen, als Lehrerin an Privatschulen tätig, Ostern 1933 kam sie in den Staatsdienst und im Sommer wurde sie schon wieder entlassen. Sie ging als Erzieherin nach Italien. 1927 lernte sie Pfarrer Max Josef Metzger kennen, der über seine „Christ-Königsgesellschaft“ (ein Säkularinstitut) in Meitingen berichtete. Sie trat dem „Äußeren Kreis“ bei. 1936 holte Metzger sie nach Meitingen. Bald wurde Martha Reimann, nun Schwester Gertrudis, Oberin der Schwesterngemeinschaft. Metzger war der Generalleiter. Sie wurde seine engste Vertraute. Metzger ging es vor allem um die Einheit der Christen. 1938 gründete er die „una sancta“-Bewegung und 1939 fand die erste und 1940 die zweite „ una sancta“ Tagung in Meitingen statt, bei der Gestapospitzel anwesend waren. Das Christkönigs-Institut wurde ein Hort für Menschen in sozialer Not (siehe auch tobre 028).
tobre 025:
Eines der wichtigsten Themen für Pfarrer Metzger war die Friedensarbeit. Schon 1917 hatte er Thesen für den Frieden aufgestellt und an Papst Benedikt XV. geschickt. Marc Sagnier lud Metzger 1921 zum Internationalen Friedenskongress nach Paris ein. 1943 erzählte Metzger Schwester Gertrudis vom Entwurf eines Friedensmemorandums an Bischof Eidem in Upsala, dieser sollte es an die britische Regierung weiterleiten. Dagmar Irmgard wollte den Brief überbringen, sie war jedoch eine Gestapoagentin. Am 29. Juni 1943 wurde Metzger verhaftet – Hausdurchsuchungen in Meitingen und im Ordenshaus in Berlin folgten. Martha Reimann besuchte ihn im Gefängnis.
tobre 026:
Martha Reimann schildert die Gefängnisbesuche (siehe auch tobre 025) und die Verständigungsversuche mithilfe von Kassibern. Im Oktober 1943 begann der Prozess vor dem Volksgerichtshof. Martha Reimann war im Zuschauerraum – sehr eindrucksvolle Schilderung. „Ich als katholische Schwester hatte den Eindruck, wir hatten den Teufel vor uns.“ Nach dem Todesurteil konnte sie Max Josef Metzger noch einmal sprechen. Frau Reimann bemühte sich vergeblich um Gnadengesuche. Am 17. April 1944 wurde Pfarrer Max Josef Metzger im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
tobre 027:
Zur Stunde der Hinrichtung arbeitete Martha Reimann im Büro in Meitingen, plötzlich hörte sie eine „innere Stimme: Sterbegebete beten“. Sie rief die Mitschwestern zum Gebet zusammen und so begleiteten sie Max Josef Metzger in der Todesstunde. Auf dem Friedhof in Brandenburg wurde er in aller Stille beigesetzt – nach dem Krieg wurden seine sterblichen Überreste von Brandenburg auf den katholischen Friedhof in Berlin-Ost umgebettet, Pfarrer Buchholz predigte. Jahre später wurden die sterblichen Überreste nach Meitingen überführt. Metzger war ein Pionier der volksliturgischen Bewegung, auch der Bibelbewegung. Die Messe las er stets auch in Deutsch.
tobre 028:
Martha Reimann spricht über das soziale Engagement Metzgers in Meitingen: Trinkerheilstätte, Fürsorge für entlassene Gefangene, Fürsorge für obdachlose Mütter (siehe auch tobre 029).
tobre 029:
Oberin Frau Mann berichtet (1983) über die Ziele und Arbeit des Christ-Königsinstitut. Im Mittelpunkt stand und steht die Völkerverständigung, Versöhnungsarbeit mit Polen, soziale Projekte in Libanon, in Argentinien, Indien. Im Kyrios Verlag erscheint die „Una Sancta“-Zeitschrift. Martha Reimann berichtet über Metzgers soziales Engagement (siehe auch tobre 028).
Daten
Dr. Heike Bretschneider (Interview und Technik)