Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Ludwig Stark, geführt 1980, über den kommunistischen Widerstand gegen das NS-Regime (nur Ton).
Biogramm
Ludwig Stark wurde 1911 in München geboren. Unter dem Eindruck der steigenden Arbeitslosigkeit Anfang der 1930er-Jahre engagierte er sich in der Kommunistischen Jugend und ging nach der NS-Machtergreifung sofort in den Widerstand. Wegen der illegalen Herausgabe der "Neuen Zeitung" wurde er im August 1933 verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. Nach seiner Freilassung im Juni 1936 arbeitete Stark als Maurer. Er meldete sich nach Kriegsausbruch zur Wehrmacht und wurde durch einen Kopfschuss schwer verwundet. Nach seiner Genesung engagierte er sich im Umfeld der Widerstandsgruppe des Aufbau-Kreises, weswegen er 1944 erneut inhaftiert wurde. Vom Volksgerichtshof wurde Ludwig Stark wegen seiner Kriegsverletzung zu einer verhältnismäßig geringen Strafe – zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Überstellung ins KZ Mauthausen wurde er in ein Außenlager nach Wien verbracht. Ludwig Stark überlebte den Todesmarsch und kehrte wieder in seine Heimatstadt zurück. Nach dem Krieg war Stark in der Münchner Stadtverwaltung tätig. Er war verheiratet und hatte 2 Kinder. Er engagierte sich in der Verienigung der verfolgten des Naziregimes (VVN) und bei Führungen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau. 1995 starb Ludwig Stark in München.
Inhalte
tobre 050:
Geboren 1911 in München, Armut in der Kindheit, Maurerlehre, keine Arbeit, ging auf Wanderschaft bis nach Dänemark (sehr lebendig erzählt).
tobre 051:
Stark erlebte in Dänemark, dass ein Auto mit einigen Herren von Hof zu Hof fuhr. Als Stark sich erkundigte, wer dies sei, erfuhr er, es sei der König, der sich jedes Jahr bei den Bauern erkundige, wie die Ernte ausgefallen sei. Mit einem Freund wanderte er die Nordseeküste entlang bis zur Insel Nordstrand, sie arbeiteten eine Zeit bei einem Bauern, zogen weiter nach Holland, dann ins Ruhrgebiet, durch den Schwarzwald bis zur Schweizer Grenze, weiter in Richtung Bad Reichenhall. Dort fand Stark Arbeit bei einem Maurermeister. 1931 zurück nach München, fand wieder keine Arbeit. Stark schloss sich den Naturfreunden an und Tag für Tag trafen sie sich an der Isar und führten u.a. intensive politische Diskussionen.
tobre 052:
Im Kampf gegen die Nationalsozialisten war Stark die Politik der SPD zu lasch, er wurde Mitglied der Kommunistischen Arbeiterjugend. Gleich 1933 bereiteten sie sich auf den Widerstand vor, hatten aber nicht mit „dieser Brutalität“ gerechnet. Viele bekannte KPD-Funktionäre waren verhaftet worden und so bekamen die Jungen den Auftrag, die Nr. 7 der „Neuen Zeitung“ herzustellen. Beim Druck in einem Keller in München-Sendling wurden er und seine Genossen im Sommer 1933 verhaftet und in das Polizeipräsidium in die Ettstraße gebracht und bei den Verhören nächtelang brutal misshandelt. Um keinen zu verraten, versuchte er sich umzubringen. Er kam in das KZ Dachau.
tobre 053:
Ludwig Stark wurde zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt und kam anschließend noch eineinhalb Jahre nach Dachau. 1936 wurde er entlassen und musste sich täglich bei der Polizei melden. Er traf sich trotzdem weiter mit Genossen, u.a. mit Wilhelm Olschewski sen. Nach Kriegsbeginn 1939 riet jener, die Jungen sollten sich freiwillig an die Front melden, um politisch Einfluss zu nehmen, dies stellte sich schnell als Trugschluss heraus. In Frankreich erhielt Ludwig Stark einen Kopfschuss. Es folgte ein monatelanger Lazarettaufenthalt, er ließ sich in das Hirnverletztenheim nach München verlegen und nahm wieder die alten Kontakte auf, vor allem zur Gruppe Hartwimmer-Olschewski. Diese hatte Verbindungen zur nationalrevolutionären Widerstandsgruppe um Josef (Beppo) Römer und Robert Uhrig. In München entstanden Kontakte zu Betrieben wie z.B. zu Agfa, sie unterstützten Zwangsarbeiter. Im Februar 1942 wurde die Münchner Gruppe verhaftet. Stark kam wegen seiner schweren Kopfverletzung in die Krankenabteilung nach München-Stadelheim, versuchte dort anderen Gefangenen zu helfen.
Daten
Dr. Heike Bretschneider (Interview und Technik)