Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Clara Huber, wie ihr Mann, Prof. Dr. Kurt Huber, ein Flugblatt der Widerstandsgruppe Weiße Rose verfasste.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Clara Huber, geführt am 17.01.1979, über die Tätigkeit ihres Mannes Prof. Dr. Kurt Huber in der Widerstandsgruppe Weiße Rose (nur Ton).
Biogramm
Clara Huber wurde 1908 als Clara Schlickenrieder in Schwabhausen geboren. 1929 heiratete sie den Musikwissenschaftler, Philosophen und Psychologen Prof. Dr. Kurt Huber (1893-1943), der während der NS-Diktatur der Widerstandsgruppe Weiße Rose angehörte. Nach der Hinrichtung ihres Mannes und dem Kriegsende gab sie dessen Schriften und Forschungen zur Volksmusik heraus, die im "Dritten Reich" nicht erscheinen durften. 1998 starb Clara Huber in München.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Clara, Huber (Hg..): Kurt Huber zum Gedächtnis: Bildnis eines Menschen, Denkers und Forschers, Regensburg 1947
Clara Huber: Der Tod war nicht vergebens: Kurt Huber zum Gedächtnis, München 1986
Kurt Huber: Volkslied und Volkstanz. Aufsätze zur Volksliedkunde des bajuwarischen Raumes, hgg. v. Clara Huber und Otto Alexander von Müller, Ettal 1959
Inhalte
tobre 018:
Klara Huber berichtet über die Verhaftung ihres Mannes am 27.02.1943. In den folgenden Nächten verbrannte sie die Korrespondenz Hubers mit den Studenten der Widerstandsgruppe Weiße Rose, die die Gestapo bei der ersten Durchsuchung nicht gefunden hatte.
Am 03.03.1943 wurde Clara Huber für sieben Wochen verhaftet. Ihr Sohn war während der Zeit bei der Großmutter, die Tochter blieb allein zu Hause. Besonders schwer war es für Clara Huber, dass sie für etliche Freunde und Bekannte nicht mehr existent war. Sie litt sehr unter der Isolation. Nur wenige Freunde hielten zu ihr.
Staatliche Unterstützung gab es keine, zunächst halfen Verwandte, später erhielt sie finanzielle Hilfe durch das Pfarramt Gräfelfing und aus Eichstätt. Manchmal lag auch ein Briefumschlag mit Geld in ihrem Briefkasten.
Nach seiner Verhaftung durfte Clara Huber ihren Mann noch vier Mal besuchen, das letzte Mal vier Wochen vor seiner Hinrichtung (19.05.1943).
tobre 019:
Clara Huber war 21 Jahre, als sie Kurt Huber 1929 heiratete. Sie sagt, ihr Mann sei von Anfang an ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten gewesen. Weil er nicht in die NSDAP eingetreten sei, wäre sein Gehalt gekürzt worden. Die Familie hatte wirtschaftliche Sorgen und nachdem das zweite Kind geboren worden war, überredete Clara Huber ihren Mann, doch in die Partei einzutreten und sein Gehalt wurde sofort von 230 auf über 600 Reichsmark erhöht.
Da ihr Mann aus seiner Gegnerschaft zu den Nationalsozialisten kein Hehl machte und sehr impulsiv war, hatte Clara Huber ständig Angst. Bei den Besuchen von Hans und Sophie Scholl und Willi Graf war Clara Huber bei den Besprechungen nicht anwesend. Zufällig kam sie hinzu, als ihr Mann ein Flugblatt auf der Maschine tippte und sie überredete ihn, es nicht in seine Aktentasche, sondern in seine Brieftasche zu stecken. Nach der deutschen Niederlage von Stalingrad sei ihr Mann immer nervöser geworden und er hätte gehofft, dass das Militär putschen würde.
Am 18.02.1943 verteilten Hans und Sophie Scholl eine große Menge von dem Flugblatt „Kommilitonen, Kommilitoninnen“, das Professor Huber entworfen hatte und wurden sofort verhaftet. Kurt Huber wollte seine Frau nicht ängstigen und erzählte nichts zu Hause. Zufällig hörte sie in der Apotheke am 22.02.1943, dass Hans Scholl noch an diesem Tag hingerichtet werden sollte.
Auf die Frage: „Bereuen Sie, dass Ihr Mann diesen Weg gegangen ist?“ antwortet Klara Huber: „Nein. Es war eben sein Schicksal.“
Daten
Interview: Dr. Heike Bretschneider
Technik: Dr. Heike Bretschneider