Zeitzeugen berichten

Dagmar Püschel Sekretärin des Olympia-Organisationskomitees 1972 in München

Signatur
zz-1335.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1972

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Dagmar Püschel, ehemalige Sekretärin von Willy Daume, wie sie den palästinensischen Terroranschlag auf die israelische Mannschaft während der Olympischen Spiele 1972 in München erlebte.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Dagmar Püschel, aufgenommen am 17.12.2009 in München, über ihre Jugendzeit, ihre Mitarbeit im Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 in München, die Sicherheitsfrage, berühmte Sportler, den Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft und ihren weiteren Werdegang bis zur Pensionierung.

Biogramm

Dagmar Püschel wuchs in Velbert (Nordrhein-Westfalen) auf und war ab 1970 in der Werbebranche tätig. 1970 bewarb sie sich beim Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 in München und wurde 1. Sekretärin des Präsidenten Willi Daume. Während der Spiele erlebte sie die Atmosphäre in München und den Anschlag vom 05.09.1972. Anschließend war Dagnar Püschel für verschiedene Organisationen im Bereich Sport tätig. 2016 ist Dagmar Püschel verstorben.

GND: 1067339728

Inhalte

Aufgewachsen in Velbert im Ruhrgebiet – schöne Kindheit – gute Schülerin – Ausbildung in einem Reisebüro in Essen – einjähriger Aufenthalt in Barcelona – Sprachkenntnisse: Spanisch, Englisch, Französisch – Anstellung in einer Werbeagentur in Düsseldorf, u.a. Aufträge für Persil und Jägermeister – Tätigkeit als „unmoralisch“ empfunden – Werbekampagne für die CDU-Landtagswahl: Kündigung wegen Antipathie gegen die Partei – gescheiterte Bewerbung bei der Olympiabaugesellschaft – Probearbeitswoche als persönliche Sekretärin des Präsidenten Willi Daume – Antritt der Stelle am 01.07.1970 – Bereiche des Organisationskomitees: 13 Referate, Gremien, Mitgliederversammlung, Vorstand, Fachverbände, Exekutivgruppe, Ausschüsse – NOK: Nationales Olympisches Komitee – Erich Kästner – Entscheidungen durch Vorstand, Mitgliederversammlung oder Präsident – Mitte 1979 200 Mitarbeiter, während der Spiele 530 – Planung und Organisation: Netzpläne und Teilnetzpläne, Kontrolle durch die Leitzentrale – Pressechef Johnny Klein – Maßnahmen für ein positives Bild der Spiele: Maskottchen Waldi, Besuche in den teilnehmenden Ländern, Lotterie, Werbeveranstaltungen, Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit – Uschi Badenberg, Walter Giller – ziviler Ordnungsdienst statt Polizei – Hostessen zur Betreuung von Presse und Ehrengästen – Verhältnis zu Willy Daume distanziert, aber angenehm – Willy Daume: eindrucksvolle Persönlichkeit, hohe Ansprüche, großzügig, detailversessen – sportliche Aktivitäten Willy Daumes: Leichtathletik, Handball, Basketball – Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau – Knieverletzung Willy Daumes – euphorische Atmosphäre während der Vorbereitungen – Olympische Charta – IOC: Internationales Olympisches Komitee – Eröffnungsfeier: vorgeschriebene Inhalte Hand in Hand mit der individuellen Ausgestaltung – Musik von Kurt Edelhagen – getrennter Einmarsch der Mannschaften von DDR und BRD – Heinz Schöbel – Südafrika und Rhodesien: keine Einladung wegen der Apartheidspolitik – Sicherheit: Sicherheitsausschuss, teilweise bewaffnete Ordnungskräfte, Abnahme des Sicherheitskonzepts durch die israelische Delegation, Verfassungsschutz – Sicherheitsbeauftragter: Polizeipräsident Manfred Schreiber – visuelles Konzept der Spiele: Piktogramme, Farben, Schrift – Günther Grzimek – Erinnerung an Sportler: Ulrike Meyfarth, Heide Rosendahl, Klaus Wolfermann, Bernd Kanneberg, Frank Shorter, Ati Bua, Max Spitz, Olga Korbut – Doping – Spielstraße – Schließung der Spielstraße und Absage der Empfänge nach dem Attentat – „Edition Olympia“: Kokoschka, Hundertwasser – Erleben des Attentats am 05.09.1972 – Bürgermeister des olympischen Dorfes: Walther Tröger – Regierungssprecher Conrad Ahlers – Reaktion Willy Daumes auf das Attentat – Fortsetzung der Spiele nach der Trauerfeier trotz der Bitte des israelischen Botschafters um Abbruch – Avery Brundage – Schlussfeier: Streichung aller fröhlichen Elemente, keine Tänze – Lichtinstallation: Otto Piene – Stadionsprecher: Joachim Fuchsberger – nachträgliche Diskussionen zum Sicherheitskonzept – Beteiligung der NOKs bei der Planung des Fackellaufes – neue Standards durch die Eröffnungsfeier in München gesetzt: mehr Lebendigkeit und Fröhlichkeit – Willy Daume: diplomatisch, widersprüchlich, oft schroff und abweisend – Willi Weyer – Verhältnis Willy Daumes zum Generalsekretariat – Herbert Kunze – Sonderbeauftragter Siegfried Perrey – Persönlichkeiten im Organisationskomitee: Abteilungsleiter Kultur Klaus Bieringer, Pressechef Johnny Klein, Werbechef Otto Haas, Otl Aicher, Dr. Hegels, Sportreferent Ernst Knoesel, Werner Göhner – Änderung beim Typ des Sportfunktionärs: früher idealistische Einstellung mit persönlichem Einsatz, heute Führung eines Verbandes wie einer Firma - keine große Veränderung im Zeremoniell der Spiele seit 1972 – Zunahme der Sportarten und des Frauensports – nach wie vor hohe Attraktivität und Anziehungskraft der Olympischen Spiele – 1972 keine große Bedeutung der Fernseheinnahmen im Vergleich zu heute – Ende der Tätigkeit für Willy Daume 1993 – Anstellung beim Internationalen Fairplaykomitee bei der UNESCO sowie beim bayerischen Landessportverband – später Tätigkeit bei einem großen Träger von Alten- und Pflegeheimen – Mitarbeit bei der Organisation der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland – Seniorenstudium – ehrenamtliche Arbeit mit Kindern.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
17.12.2009
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.