Zeitzeugen berichten

Martin Nüberlin Obstbauer

Signatur
zz-2122.03
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Michael Bauer)
Referenzjahr
2022

Im hier gezeigten Ausschnitt beschreibt Martin Nüberlin die Produktionskette von Äpfeln, von der termingerechten Ernte, über das aufwendige Lagern bis zum Transport in den Einzelhandel. Zudem spricht er darüber, welcher Preis notwendig ist, damit der Obstbauer einen angemessenen Gewinn erzielt. Außerdem erläutert er die Gewinnverteilung beim Apfelverkauf innerhalb der Produktionskette. 

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Journalistisches Zeitzeugeninterview mit Martin Nüberlin, geführt am 03.12.2022 in Lindau am Bodensee, über seinen Obstbaubetrieb, die Vor- und Nachteile des Klimawandels für den Obstbau, die Rolle von Pflanzenschutzmitteln im Obstbau, die Bedeutung von regionalem und saisonalem Konsum, die Produktionskette und Preisentwicklung bei Äpfeln, verschiedene Brennverfahren sowie über die Auswirkungen des Ukraine-Krieges ab 2022 auf den Obstmarkt. 

Biogramm

Martin Nüberlin wurde 1953 geboren. Er wuchs in Rickenbach auf und ging in Lindau-Reutin zur Schule. Nach dem Besuch der Realschule und der Fachoberschule in Lindau studierte Martin Nüberlin an der Fachhochschule für Landbau in Nürtingen (heute „Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen“). Ab 1977 arbeitete er auf dem elterlichen Hof in Rickenbach bei Lindau, den er 1985 übernahm und zu einem der führenden Landwirtschaftsbetriebe in der bayerischen Bodenseeregion ausbaute. 2022 übergab er den „Obstbau Nüberlin“ an seine Kinder, die 26. Generation des landwirtschaftlichen Betriebes und Obsthandels.

Inhalte

Geboren 1953 – Vorfahren der Nüberlins in Lindau – Bewirtschaftung des Bauernhofs Nüberlin bis 1972 – Übermittlung von landwirtschaftlichem Wissen durch die Familie seit Nüberlins Kindheit – Ausbildung und Studium im Landbau an der Fachhochschule Nürtingen bis 1977 – Übernahme des Familienbetriebs aufgrund der Krankheit des Vaters – Rolle von Verwandtschaft, Kollegen und Konkurrenz im Obstbau – Vetter als wichtiger früher Ratgeber – Optimierung des landwirtschaftlichen Betriebs für den Obstbau – Chancen und Grenzen der Digitalisierung für den Obstbau – Anbau neuer Apfelsorten und längere Erntezeiten als Vorteile des Klimawandels – Feuerbrand und Ansiedlung neuer Schädlingsarten als Nachteile des Klimawandels – Gefahr von Nachtfrost aufgrund von früheren Blütezeiten durch den Klimawandel – Erntevorteile durch den Temperaturausgleich des Bodensees – Erfahrungen zum Bienensterben und zur Bestäubungspraxis – Vorteile und Nachteile von Hochstammobstbäume – Subventionierung, Pflege und Nutzen von Streuobstwiesen – Hohe Wertschätzung und Produktion von Äpfeln in China – Appell für den Konsum heimischer Äpfel – Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bei der Obstproduktion im internationalen Vergleich – Kennzeichnung des Ursprungsortes von Obstprodukten im europäischen Markt – Rückgang bei Lehrlingszahlen und Obstbaubetrieben – Rückgang der Nachfrage nach Bioware aufgrund hoher Preise – Züchtung von resistenten Obstsorten – Anwendung von Pflanzenschutzmitteln – Ernteroboter als Alternative zu menschlichen Erntehelfern – Vergleich von Pflanzenschutzmitteln – Integrierter Pflanzenschutz als bewusster Eingriff in das Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen – Konventioneller und biologischer Anbau am bayerischen Bodensee – Nebenerwerb von Bauern – Wertschätzung von Produktion und Hofladenverkauf in der Familie Nüberlin – Produktionskette eines Apfels – Preisentwicklung bei Äpfeln und Gewinnverteilung – Plädoyer für den saisonalen und regionalen Obstkonsum – Erhaltung der Produktqualität durch geeignetes Lagern - Bedeutung der „Versuchsstation für Obstbau Schlachters“ für die Ausbildung von Obstbauern und die Forschung zum Obstanbau – Ausbleibende wirtschaftliche Rentabilität von alten nostalgisch erinnerten Apfelsorten – Ideale Wetterbedingungen für den Obstanbau am Bodensee – Erinnerung an das frühe Apfelernten mit Familie, Nachbarn und Verwandtschaft – Polnische und Rumänische Erntehelfer bei Obstbau Nüberlin – Bedeutung des Tourismus für die Bauernhöfe am Bodensee – Rechtliche Benachteiligung und fehlende wirtschaftliche Rentabilität von Brennereien – Haltbarkeit von Schnaps – Unterschiede zwischen Geisten und Bränden – Vererbung des Brennrechts mit dem Hof – Kritik an den inflationären und damit wertlosen Prämierungen für Obstbrände und Lob für die bayerische Qualitätsprämierung von Weihenstephan – Fehlende wirtschaftliche Rentabilität von Apfelmost – Hohe Nachfrage nach Gin – Vergleich zwischen früheren und heutigen Brenntechniken – Überangebot an polnischen Äpfeln aufgrund des Exportstopps nach Russland im Rahmen des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 – Exportschlupflöcher nach Russland – Freude über die klimatisch günstigen Anbaubedingungen am Bodensee, die freiwillige Übernahme des Hofs durch seine Kinder und die zufriedene Kundschaft – Abhängigkeit von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln in der Zukunft – Kritik an der einschränkenden Zulassungspolitik von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und dem Ignorieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Daten

Art:
Journalistisches Zeitzeugeninterview
Dauer:
1:2o h
Aufnahmedatum:
03.12.2022
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Michael Bauer

Kamera: Thomas Rothneiger