Zeitzeugen berichten

Willy Purucker Hörspiel- und Drehbuchautor

Signatur
zz-0251.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1945

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Willy Purucker von seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nach München.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Willy Purucker vom 25.04.1995 über seine Erlebnisse als Soldat im Zweiten Weltkrieg, das Kriegsende 1945 und den Neubeginn im zerstörten München.

Biogramm

1925 in München geboren, Notabitur 1943, Kriegsfreiwilliger im Zweiten Weltkrieg, Kriegsgefangenschaft, Herbst 1945 Rückkehr nach München, Redakteur und Karikaturist bei der „Neuen Zeitung“, 1946 Mitherausgeber der Jugendzeitung „Wir“, ab 1947 Drehbuchautor für Radio München, ab den 1950er-Jahren auch für das Bayerische Fernsehen, Verfasser mehrerer hundert Beiträge für Rundfunk und Fernsehen, Autor der Hörfunkserie „Die Grandauers und ihre Zeit“ (1979; ausgestrahlt im BR 1980-1985) sowie der auf ihr basierenden Fernsehserie „Löwengrube" (1987-1992), zahlreiche Auszeichnungen, u.a. Bayerischer Fernsehpreis (1991), Adolf-Grimme-Preis in Gold (1992), Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1996), Bayerischer Verdienstorden (1999). 2015 verstarb Willy Purucker in Garmisch-Partenkirchen.

GND: 12354159X

Inhalte

1943 freiwillig zur Wehrmacht gemeldet, Einstellung der Jugend, Erziehung durch die Öffentlichkeit, Abenteuerlust, Vorbereitung auf den Krieg in den Jugendorganisationen, Hitler-Jugend (HJ), Ideologie, heroischer Pathos, Beeinflussung durch Lehrer, Fallschirmpanzerkorps "Hermann Göring", hübsche Uniform, Carinhall, Begegnung mit Hermann Göring, leutseliger Mann, Bild Görings für die Jugend, andere Jugendliche waren skeptischer, schlechter Informationsstand, Risiko des Hörens von Auslandssendern, BBC, kein Mut zu politischen Diskussionen, Attentat vom 20. Juli 1944 im Kriegseinsatz nicht wahrgenommen, kein Wissen über Konzentrationslager, Koch der SS wohnte im selben Haus wie die Eltern, freundlicher Mann, der Wahrheit aus dem Weg gegangen, Behandlung als Rekrut, Selbstbewusstsein gebrochen, erste Zweifel, Kriegseinsatz in Italien, Monte Cassino, im Osten, russische Grenze, Polen, Kriegsende 1945, Sprengung eines Damms bei Schwedt an der Oder zusammen mit Hitlerjungen, Beschuss durch Russen vom anderen Oderufer, Sprengung nicht durchgeführt, chaotische letzte Kriegstage, zwischen den russischen und den noch kämpfenden deutschen Linien bewegt, Scheinwerferlicht, Amerikaner, in der Nähe von Torgau, deutsche Truppen noch bewaffnet, Marsch nach Westen, Gerüchte über gemeinsames Vorgehen gegen die Sowjets, Waffen weggeworfen, amerikanische Kriegsgefangenschaft, Wiese, Hoffnung auf Heimkehr, Angst vor den Russen, Brennnessel-Spinat, Hunger, Truppenteile mit Verpflegung in Gefangenschaft gaben nichts ab, Malariarückfall, Beginn der Versorgung durch die Amerikaner, "Ten-Men-Rations" für 100 Mann, Verteilung, faires Verhalten der Amerikaner, Orden eingetauscht, Verlegung in Gefangenenlager nach Schleswig-Holstein, Programm zur Truppenunterhaltung aufgezogen, mit Unterstützung der Engländer von Lager zu Lager gefahren, tobende Menge, Entlassung nach München, in Augsburg Zug gewechselt, in den Kohlen versteckt, um früher nach München zu kommen, Eltern gesucht, zerbombte Wohnung, als "vermisst" gemeldet, Amerikaner in der Wohnung, Wiedersehen mit den Eltern, Empfindungen nach der Rückkehr, viele Kriegsversehrte, verlorene Angehörige, Frauen mit anderen Männern erwischt, selber froh, gesund zurückgekehrt zu sein, noch keine dauerhafte Beziehung, Freundin heiratete Amerikaner, Exzesse gegenüber Mädchen, die sich mit G.I.s eingelassen hatten, Handlangerdienste, begonnen Karikaturen zu zeichnen, Wunsch Kunstmaler oder Grafiker zu werden, Verkauf von Karikaturen, Bezahlung in Care-Paketen durch Amerikaner, Studenten mussten an der Universität arbeiten, Zeitungsgründung, Nachholbedürfnis, Frage: "Warum hast du so wenig gewusst?", Gronauer-Kreis, Diskussionen, Prinz Konstantin von Bayern, Max Kolmsperger, Kommunisten, Geistliche, Idee einer demokratischen Zeitung, den Deutschen das Wesen der Demokratie nahe zu bringen, "Macht der Unwissenheit", Beilage für die Jugend, Probleme der Mutter mit der Anrede Konstantins von Bayerns, "Herr Bayern", "Blatt der Jugend", Dr. Hupka, Bernhard Ücker, amerikanischer Press-Control-Officer Leonhard Felsenthal, gemeinsame Bergtouren, Lizenz für das "Blatt der Jugend", Verhältnis zur Geschichte, ständig von der Geschichte eingeholt, nachfolgende Generation wuchs in Elternhäusern auf, in denen die Geschichte totgeschwiegen wurde, Kontakte zu Amerikanern trotz "Fraternisierungsverbot", Aufhebung des Verbots, amerikanische Karrierementalität, "Give him a chance!", Umgang mit Kriegsgräuel, Verbrechen in den Konzentrationslagern, Begreifen der Unmenschlichkeit, gleiches Schicksal der Verfolgten: Kommunisten, Demokraten, Monarchisten, separatistische Tendenzen in Bayern, Idee einer Alpenrepublik gemeinsam mit Österreich und der Schweiz, Ideen zur Restauration der Monarchie, Verbindung des Übels mit Preußen, Reeducation in den amerikanischen Gefangenenlagern, "Gruppe '47", Radio München, amerikanisches Direktorium, Lizenzen für Bücher und Zeitungen, "Neue Zeitung", Weg zu Radio München, Almosen für Kriegsheimkehrer, Idee für Kreditsystem, Hörspiele geschrieben um Spenden zu sammeln, von Scholz, Hörspielautor Fritz Benscher, Fritz Straßner, selbst Hörspiele geschrieben und inszeniert, Kreditfonds in Bewegung gebracht, Aufsichtsrat mit Arbeitsamt und Wohlfahrtsverbänden besetzt, nach einer Weile ausgestiegen, weiterhin Hörspiele gemacht, Hunger vor der Währungsreform, Vater baut Rettich und Tabak im Garten an, "Moneymaker", einige versuchten schon vor der Währungsreform, ein Vermögen zu schaffen, Geld damals nicht so bedeutend, Startvorteil der Leute, die Waren hatten, Zeit ohne Rivalität weil keiner etwas hatte, "Notkollektiv", falscher Begriff "Stunde Null", bescheidene Voraussetzungen, Möglichkeiten, "Glück in der Bescheidenheit", keine "extrovertierten Dinge", die einen vom Leben abhalten, existenzielle Dinge, Holz für den Ofen, Brot, Genuss einer Zigarette, "Zurückgeworfensein auf das Elementare", nicht groß an Zukunftsperspektiven gedacht, Wirtschaftsaufschwung, Arbeitswille, heutige Entwicklung im ehemals sozialistischen Europa, Nachholbedürfnis, Desinteresse an der Vergangenheit der nachfolgenden Generation, Vergangenheitsbewältigung, eigene Interessen im Vordergrund, damals anderer Informationsstand, nicht so politisch wie heute, "Herr Grandauer", die Menschen von heute und damals unterscheiden sich kaum, nur wenige Helden, veränderte Anforderungen heute, damals intuitive Fähigkeiten wichtig, heute mehr Wissen notwendig, Wegfall der persönlichen negativen Erlebnisse, Wirkung der Dokumente, inflationäres Angebot, Überangebot an Denkanstößen nicht förderlich, Gefühl für die Zusammenhänge, Kollektivschuld, Jüngere erben die Vorurteile, Holland, Unteroffizier tritt nach Leuten auf dem Trottoir, strategische Sicht: Umgehung der Maginot-Linie, Thematik verlor den Kontakt zum Menschen, Nationalgefühl, Schutzfunktion, Möglichkeiten einer europäischen Identität, Nivellierung der unterschiedlichen Mentalitäten und Charaktere durch die Technik.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
25.04.1995
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.