Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet David Schuster über die Rückerstattung des Zentralhotels in Bad Brückenau (ehem. Besitz seines Vaters, der 1933 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde).
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit David Schuster vom 04.05.1988 in Würzburg, über seine Kindheit und Jugend in Bad Brückenau und Würzburg, die zunehmenden Repressalien für Juden nach 1933, die Internierung im KZ Dachau, die Emigration nach Palästina, die Rückkehr nach Deutschland und den Aufbau der jüdischen Gemeinde in Würzburg.
Biogramm
David Schuster wurde 1910 in Bad Brückenau bei Würzburg geboren. Sein Vater hatte dort neben einer Landwirtschaft ein Hotel sowie ein Textil- und Schuhwarengeschäft, welches der Sohn 1930 übernahm. Nach zunehmender Bedrohung durch das nationalsozialistische Regime emigrierte die Familie 1939 nach Palästina und siedelte sich in Haifa an. David Schuster arbeitete bei einer Baufirma und stieg bis zum Bauleiter auf. 1956 kehrte er nach Unterfranken zurück und lebte in der Folgezeit in Würzburg, wo er einen Lehrauftrag für Jüdische Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität erhielt. Von 1958 bis 1996 bekleidete er das Amt des Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde von Würzburg und Unterfranken, von 1971 bis 1999 war er erster Vizepräsident des Landesverbands der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Schuster war Gründungsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Unterfranken und gehörte von 1976 bis 1981 dem Bayerischen Senat an. 1999 starb David Schuster in Würzburg.
Das Bayerische Fernsehen widmete 2023 dem Familienschicksal David Schusters die Dokumentation "Der Fall Schuster - Eine Familie im Fadenkreuz der Gestapo".
Inhalte
1910 in Bad Brückenau geboren, Volksschule, mit 10 Jahren wegen der Schule nach Würzburg gekommen, in Pension bei jüdischer Familie gelebt, kein Antisemitismus in Bad Brückenau, Religionsunterricht, Juden und Protestanten gingen meist raus, Vorwurf des Christusmordes von Mitschülern, antisemitische Beeinflussung der Kinder durch den Religionsunterricht, Vorbereitung für den rassistischen Antisemitismus der Nationalsozialisten, 1920 Oberrealschule in Würzburg (später: Röntgengymnasium), Klasse mit Juden und Nichtjuden, SA, "Stürmer", antisemitische Hetzparolen, Artikel im Februar 1930 "Juden-Arzt Alois Löwenheim, wie er mit einer nicht jüdischen Wöchnerin verfuhr", Mord an Wöchnerin, in Wahrheit Löwenheim kein Jude, "Brückenauer Anzeiger" vom 24.05.1983 berichtet über die wahre Geschichte des katholischen Arztes Löwenheim, Strafverfahren Löwenheim gegen den "Stürmer", systematische Hetze, 1933 Großkundgebung in Frankfurt mit Adolf Hitler, Gregor-Strasser-Rede, Boykott jüdischer Geschäfte am 01.04.1933, SA-Posten mit Plakaten vor jüdischen Geschäften auch in Bad Brückenau, Hausdurchsuchungen durch die Polizei, Vater besaß das Zentral-Hotel, Hotel wurde von SA besetzt, Zwangsenteignung, NSDAP-Parteiführung und Sonderpolizei dort eingerichtet, Vater wurde im Juni 1933 im Amtsgerichtsgefängnis für 7 Monate in Schutzhaft genommen, Konzentrationslager, Besuchserlaubnis beim Oberamtsrichter besorgt, Hoffnung auf Neuwahlen, Landwirtschaft des Vaters, Ausbildung junger Juden, Zertifikat hilfreich bei der Ausreise nach Palästina, zusammen mit dem Vater am 29.09.1937 verhaftet worden, Amtsgerichtsgefängnis in Brückenau, getrennte Zellen, Freigang, Vater weinen gehört, Transport ins KZ Dachau am 29.10.1937 über Karlstadt, Nürnberg und München, Umkleide, Sträflingskleidung, Ansprache des Lagerleiters, Exerzieren, Prügel, SS-Mann, Eisenschienen, Baracke, Behandlung der Neueingänge, Neubau des Lagers Dachau, in alten Baracken untergebracht, Arbeit in der Kiesgrube, "Moor-Express", Zementtransport, Straßenbaukommando, Druck auf den Vater, seinen Besitz zu veräußern, 09.02.1938 ins Gestapo-Gefängnis nach München gebracht, Trennung vom Vater, Vater wurde mit Frau aus Brückenau auf Notarbüro gebracht und sollte ihr seinen Besitz verkaufen, 3-4 Tage später nach Dachau zurückgebracht, dünne Kleidung im Winter, Vater wurde auf der Kommandantur erneut unter Druck gesetzt, zu verkaufen, 22.09.1938 ins KZ Buchenwald überstellt wegen geplanter "Tschechen-Aktion", 16.12.1938 Entlassung aus dem KZ, Entlassungspredigt, Anordnung über die KZ zu schweigen, nach Weimar gefahren, Flüchtende erschlugen SS-Mann, später gehängt, in Dachau gezwungen Brief zu schreiben an jüdische Verwandtschaft im Ausland, junger Mann, der sich weigerte einen Brief zu schreiben, wurde nie mehr gesehen, Prügel für Schwache und intelligent Aussehende, Meldung auf der Gestapo-Außenstelle in Würzburg, Ausreisepapiere, Schikane wegen Meldung, Ausreise am 19.12.1938 mit der Bahn nach Triest, pro Person nur je 20 britische Pfund mitgenommen, Schiff nach Palästina, Linienverkehr, schwieriger Arbeitsmarkt in Palästina, Arbeit bei Baufirma, dort in 18 Jahren vom Bauarbeiter zum Bauleiter hochgearbeitet, Arbeit ließ keine Zeit für Beschäftigung mit Politik, 1941-43 Informationen über die Vernichtungslager Auschwitz, Majdanek, Treblinka, im Inneren gewusst, die Berichte sind wahr - Vater kehrte nach Deutschland zurück und kämpfte um Rückerstattung seines Besitzes, Vater wurde krank, deshalb kehrte S. nach Deutschland zurück und kümmerte sich um den Besitz, andere Situation in Deutschland, neue Generation, Frau und Sohn nachgeholt, Hotel Zentral, vorübergehend Hauptquartier der Amerikaner, aufwändige Sanierung, Bild, das S. und Vater bei der Verhaftung zeigt, Befehlsnotstand der Beamten, nach Würzburg gezogen, Aufbauarbeit der jüdischen Gemeinde in Würzburg, 1958 zum Vorsitzenden gewählt, Synagogenbau 06.11.1966, Vorträge über jüdische Sitten und Bräuche, Aufklärungsarbeit, Vorurteile ausräumen, Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Unterfranken, Vorsitzender seit ihrer Gründung, Schul- und Universitätsbesuch des Sohnes verlief ohne negative Ereignisse, keine antisemitischen Zwischenfälle, Sohn besuchte gleiche Schule wie S., Röntgengymnasium, anonyme Briefe und Anrufe, Pfarrer geholfen, Pessach-Fest, Wand in den Köpfen, Scheu - Bad Brückenau, kleine jüdische Gemeinde, Synagoge, orthodoxe Juden, Feiertage, Laubhütte, Landwirtschaft, Vater gehörte Posthalterei in Bad Brückenau.