Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Sam Norich über die hohe Geburtenrate im DP-Lager Feldafing (1946-48).
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Isaac Norich und Sam Norich, geführt am 19.07.1995, über Isaac Norichs Elternhaus, seine Kindheit und Jugend in Lodz, den Einmarsch der deutschen Truppen (1939), seine Zeit im Ghetto Lodz, seine Internierung in den Konzentrationslagern Auschwitz und Dachau (1944/45), die Befreiung durch US-Truppen (1945), den Alltag der Nachkriegszeit, seine Tätigkeit im Displaced Persons (DP)-Lager Feldafing und als Leiter des DP-Lagers Föhrenwald, die Geburt von Sam Norich im DP-Lager Feldafing (1947), seine Kindheit in den DP-Lagern Feldafing und Föhrenwald, den Umgang mit den Erinnerungen an Kriegsgreuel innerhalb der Familie Norich, die Auswanderung in die USA (1957) sowie die Tätigkeit von Sam am IVO-Insitute New York und seinen Einsatz für die deutsch-jüdische Aussöhnung.
Biogramm
1947 in München geboren, Sohn von Isaac Norich, aufgewachsen in den DP-Lagern Feldafing und Föhrenwald, 1957 Auswanderung in die USA, Studium, ab 1975 tätig im jüdischen Weltkongress, 1980-1992 Direktor des IVO-Institutes in New York (jüdisches, wissenschaftliches Institut), Bemühen um Dialog zwischen amerikanischen Juden und Deutschen.
Inhalte
Isaac Norich: 01.01.1915 in Lodz/Polen geboren, Besetzung von Deutschen und Russen im Ersten Weltkrieg, fünf Kinder, Vater: Schneidermeister, Werkstatt, Angestellte, Damenbekleidung, Volksschule, Deutsch in der Schule gelernt, Stelle in einem Pelzwarengeschäft, Kürschner, deutscher Einmarsch, Beginn des Ghettos in Lodz Februar 1940, Stacheldraht, Bewachung, ab 01.05.1940 hermetisch abgeriegelt, März 1940 Arbeit als Kassierer in der Verteilungsstelle, am Ende der Ghettozeit Arbeit im "Abbruch", Häuser an der Ghettogrenze abgebrochen, Deportation im August 1944 nach Auschwitz, dort nur vier Tage, Deportation nach Dachau, Lager IV Kaufering, Lager X Utting, Bauarbeiten, Gleise gelegt, Verletzung bei Unfall mit zwei Loren, Fuß zwischen Loren eingequetscht, Lagerarzt, Krankenhaus, Fieber, Phlegmone, Arbeit auf der Baustelle, Typhusepidemie, Lager unter Quarantäne gestellt, Entlausung, Desinfizierung der Baracken, bei Anmarsch der Amerikaner, Evakuierung des Lagers nach Dachau, Todesmarsch, Befreiung durch Amerikaner am 02.05.1945, Übernachtung im Wald bei Schnee, am Morgen deutsche Wachen verschwunden, Familienmitglieder nach Auschwitz gebracht, Selektionen, Arbeit oder Tod, zukünftige Frau von den Briten in Bergen-Belsen befreit, Vater starb am 24.03.1945 in Kaufering, mit dem Bruder zusammen ins Krankenhaus in Waakirchen eingewiesen, jüdische Ärzte, nach Bad Tölz geschickt, Krankenhaus im Kurhaus, Junkerkaserne bei Tölz, Flakkaserne in München, Krankenhaus in Geretsried, Suche nach Familienangehörigen, zukünftige Frau und Schwester, Frauen aus Bergen-Belsen kommen nach München, zusammen mit Schwester und zukünftiger Frau im Krankenhaus in Geretsried, Lager Feldafing, Bruder wurde ins Tuberkulose-Krankenhaus in Gauting geschickt, Heirat am 12.12.1945, Arbeit im Registrations-Office, UNRRA, Stellvertretung des Direktors im Lager Feldafing, Atmosphäre im Lager, Unterernährung bei der Befreiung, Essen, Kleidung, Arbeit, kulturelle Organisation des Lagers, Theater, Musik, Orchester, Zeitung, jiddische Zeitung mit lateinischen Buchstaben, Nachrichten aus dem Lager, Kurzgeschichten, Unterhaltendes, Lagerzeitung in München, Lager bestehend aus: Flakkaserne, Funkkaserne und Siedlung Pasing, anfangs war das Lager international, Russen, Ungarn, Rumänen, werden nach und nach nach Hause geschickt, Juden die nach Israel oder in die USA gehen wollen bleiben zurück, Visa Beschaffung, Beginn eines neuen Lebens im Lager, Gründung von Familien, anfangs Männer- und Frauenblock getrennt, Hochzeiten, Quartier für Ehepaare, Zuzug von Juden aus dem Osten, Antisemitismus in Polen, Auswanderung nach Palästina über Deutschland, Kibbuze, Ausreise über Frankreich, Belgien oder Italien, illegale Wege gesucht um nach Israel zu kommen, Flüchtlingsschiffe, "Exodus" wurde zurück nach Deutschland geschickt, Enttäuschung über fehlende Einreisegenehmigung - Hochzeit Dezember 1945, Zimmer in einer Villa, Frau oft krank, Tuberkulose, Frau wird schwanger, Kind am 24.5.1947 geboren, Frauenklinik in der Lindwurmstraße, Zangengeburt, Frau und Kind verletzt, wegen Kopfverletzungen Kind in Kinderkrankenhaus gekommen, Frau steckt sich im Krankenhaus mit Scharlach an, Infektionsabteilung im Krankenhaus Schwabing, ins Krankenhaus Feldafing verlegt, zusammen mit der Frau im Krankenhaus, Frau 3 Monate, Kind 6 Wochen im Krankenhaus, nach der Arbeit sofort ins Krankenhaus, Garten der Klinik in der Lindwurmstraße, Flasche gegeben, danach zur Frau ins Krankenhaus und ihr berichtet, Junge wollte nicht essen, erneut im Krankenhaus, nach weiteren 6 Wochen endgültig nach Hause gebracht, Beschneidung erst mit 6 Monaten (normalerweise innerhalb von 7 Tagen), Medizinische Abteilung im Lager, JOINT, Infrastruktur des Lagers Feldafing, anfangs Militärverwaltung, dann UNRRA, Lagerselbstverwaltung, Wahlen, Parteien (Ichud): Religiöse, Zionisten, Nichtzionisten, Dachorganisation der zionistischen Gruppen, Wunsch nach Israel zu emigrieren, keine Reibereien zwischen den polnischen, rumänischen, ungarischen und litauischen Juden, Jiddisch als dominierende Sprache, dennoch Separierung nach Nationalitäten, eifrige politische Tätigkeit im DP-Lager, jüdische und amerikanische Presse, DP-Lager als wichtiges zionistisches "Tool", Verfolgung der Ereignisse in Palästina, bei den Vereinten Nationen und in London, Arbeit in der Lagerverwaltung: Wohnungsamt, Arbeitsamt, Sanitätsamt, seit 1948 Vertreter des Direktors für die ganze Verwaltung, beschränkte Kontakte zur deutschen Bevölkerung, Ausnahme Feuerwehr, deutsche Polizei hatte keinen Zutritt zum Lager, Lager: autonom, nur den Amerikanern unterstellt, Kontakt zu den Deutschen über amerikanische Militärbehörden, UNRRA-Verwaltung, IRO, DP-Lager Föhrenwald, nach der Gründung des Staates Israel 1948 Auflösung der DP-Lager, Konzentration in Feldafing und Föhrenwald, März 1951 Besprechung im Hauptquartier in München, Direktor Schwarz, Übernahme der Lagerleitung in Föhrenwald, Auflösung von Feldafing, Aufbau einer neuen Verwaltung, 01.04.1951 Übernahme des Lagers, Bekanntheit als Vertreter des Lagerdirektors Feldafing, im "Wellfair-Departement" der IRO und in den Ämtern der Zentrale, über Austeilung von Verpflegungskarten alle Lagerbewohner persönlich kennengelernt, Aufnahme der Reste sämtlicher aufgelöster DP-Lager für die britische- und amerikanische Zone, 1949 neuer Direktor in Feldafing, Petit-Chandré, Bevölkerungszählung, Lager Föhrenwald hatte 2 Häuser in Wolfratshausen, dorthin umgezogen, Fahrbereitschaft, Leitung der Transporte, später Wohnung im Lager, dort bis 1956 gewohnt, 1952 Tochter geboren, Schulwesen im Lager, eigene Schulen eingerichtet, Kindergarten, kein eigenes Gymnasium, Gymnasialbesuch auf deutscher Schule, Schul- und Kindergartenbesuch der eigenen Kinder - Sam Norich: kaum Erinnerungen an Feldafing, Erinnerungen von Bildern, Erinnerung an Wolfratshausen und Föhrenwald besser, Haus, deutsche Schule, Freund Peter, Gebete der katholischen und evangelischen Kinder, in Föhrenwald nur mit jüdischen Kindern auf der Schule, Blinddarmentzündung, Krankenhaus in Wolfratshausen, Klasse singt ein Ständchen am Fenster, religiöse Erziehung, Synagoge, Theater, Kino, Feiertage, 1967 Föhrenwald besucht, wenig gehabt als Kind, dennoch zufrieden, Normalität dass es keine Großeltern gibt - I.N.: keine Gespräche mit den Kindern über die Ereignisse während des Krieges, später auf Fragen der Kinder geantwortet, Stellenwert der Nahrung, des Brotes - S.N.: kein normales Leben, Warten auf die Auswanderung, Simchat-Thora-Feier, Identität als Jude, als Jude in Amerika, Umgebung des Lagers als Kind bekannt, Weg von Föhrenwald nach Wolfratshausen, lernen wegen Israel, Geografie, Bilder, Land der Juden, Visa für Amerika erst 1956 bekommen, Ankunft in New York März 1957, Heimat, Geburtsjahr 1947, "Rest, der gerettet", Rest der Familie, kulturell und biologisch leben, jüdische Gemeinde in Lodz, Identität kommt erst in Amerika, Studium, Direktor des jüdischen, wissenschaftlichen Institutes in New York, 1980-1992, während der Zeit auf dem Columbia College Arbeit über politische Ideologie der DP-Lager, Kinder auf jüdischer Schule in New Jersey, Kontakt zu anderen Kindern des DP-Lagers, "Survival-Community" der Eltern, "Children of Survivors" der Kinder, (Sche'erit-Hapljeta-Kinder), Probleme als DP-Kind in den USA, als Flüchtlinge betrachtet, viele DP-Kinder in wichtigen gesellschaftlichen Funktionen, Rabbi Wolfe Kellman-Alwersholem, Bemühen um Dialog zwischen amerikanischen Juden und Deutschen, engerer Kontakt zwischen Deutschen und Isrealis, Schule, Wirtschaft, Kunst, Militär, Politik, Unbekanntheit der DP-Lager in Deutschland - I.N.: Bruder 1949 nach Israel ausgewandert, Briefkontakt mit Freunden aus Polen in Israel, Zusammenhang mit Israel, zu Hause immer jiddisch gesprochen nicht polnisch, 1967 Israelreise von Sam, Bekannte des Vaters durch Briefe erkannt, Tochter, 01.12.1951 Übergabe des Lagers an die Deutschen, danach Arbeit für das JOINT-Office in Föhrenwald, Zusammenarbeit mit der deutschen Administration, Statistik, Zugang zur Kartei der Lagerverwaltung, gemeinsames Ziel das Lager aufzulösen, JOINT übernahm die Versorgung der Personen, Wohnung durch deutsche Behörde bekommen, großer Wohnblock, über 100 Familien, Freundschaft mit den Nachbarn geschlossen, zu Weihnachten eingeladen worden, offizielle Schließung des Lagers Föhrenwald 31.12.1956, Auswanderung nach Amerika am 06.03.1957, Pass, Rückkehr nach Deutschland 1969, Kur in Bad Wörishofen, Bekannten von damals besucht, Vorurteile gegenüber Juden, Staatsbürgerschaft, orientiert sich in Deutschland nach der Staatsbürgerschaft der Eltern und nicht nach dem Geburtsort, Gründe für die Auswanderung, Kinder nach Amerika gebracht, Erziehung - S.N.: Möglichkeiten in Amerika, Geschichte erst spät kennengelernt, Flüchtlingskind, Gedanken als Kind: Vorstellungen von Armeen, Spiel auf den Gleisen, Schwester im Kinderwagen verloren, Lebensfragen, Mutter stark traumatisiert, Hass auf Deutsche und Polen, fehlende Möglichkeit zur Auswanderung, erst ab 1948 möglich, eigene und Krankheit der Mutter, schlechte wirtschaftliche Bedingungen in Israel, kein Visum für Amerika bekommen, erst 1956 - I.N.: Probleme der Integration, Mindestlohn, zum Manager der Firma geworden, wurde großes Unternehmen, schönes Einkommen, Spielzeugmöglichkeiten für die Kinder, am Anfang viel nicht leisten können, Englisch gelernt, Token für die U-Bahn, Hilfsbereitschaft der Amerikaner, Auskünfte - S.N.: hohe Geburtenraten im DP-Lager 1946/47/48, nur Männer und Frauen im geburtsfähigen Alter, sehr hohe Zahl von Geburten, Wille zum Leben, Einstellung der Eltern, Versuch das Leben zu normalisieren, Generation der zwischen 1946 und 1950 Geborenen - I.N.: Erfahrungen mit der militärischen Besatzung, Hilfsorganisationen, wertvolle Arbeit, JOINT, Hilfe, ärztliche Versorgung der Kinder, Kontrollen des Lagers, Organisation der Erziehung, Material, Suchdienst, finanzielle Hilfen, Ausbildungshilfen, Buch zum Geburtstag bekommen, Bild mit Bergsteiger mit Sauerstoffmaske vor dem Mount Everest, Angst bekommen, Buch nie wieder geöffnet, Probleme der Kinder der Geretteten der Konzentrationslager - S.N.: Wunsch nach Normalität, Kurs an der Graduate School, Paper über jüdische Geschichte, "Bruno Bettelheim, Muselmänner", Widerlegung durch Arbeit über das kulturelle und politische Leben in den DP-Lagern nach der Befreiung, Gespräche über Vergangenheit, Sneakers, das Stigma in etwas Positives wandeln, Emanzipation der Schwarzen in den 1960er Jahren, jüdisch gesellschaftliche Tätigkeit seit 1970, University of Wisconsin, politisches Selbstbewusstsein, 1975 tätig im jüdischen Weltkongress, 1980 Direktor des IVO-Institutes in New York - I.N.: Gedanken des Sohnes neu, erstes gemeinsames Interview, Ergänzungen, Gespräche untereinander, Übersetzung eines Buches von Moses Hess durch Sam Norich, Unausgesprochenes, Aufklärung über Nachfragen der Kinder - S.N.: Mutter hat darüber gesprochen, allerdings nicht ausführlich, schmerzhaft für die Mutter - I.N.: Geduld, Aufrichtigkeit, Bedeutung des Wortes "Schickse".
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.