Im hier gezeigten Ausschnitt schildert Fritz Schösser den problematischen Wandel im Bereich der Unternehmensleitung vom Unternehmer zum Manager.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Fritz Schösser, geführt am 21.01.2011 in München, im Rahmen des Projekts Geschichte der Gewerkschaften, über die Vertreibung seiner Eltern aus dem Sudetenland, seine Lehre zum Industriekaufmann, die beginnende Politisierung, seine Karriere als Gewerkschaftsfunktionär und sein politisches Engagement in der SPD.
Biogramm
Fritz Schösser wurde 1947 in Töging am Inn geboren. Mit 14 Jahren machte er eine Lehre als Industriekaufmann bei einem Energieversorger, bildete sich weiter zum Finanzbuchhalter und holte auf dem zweiten Bildungsweg das Fachabitur nach. Über die ÖTV bekam er Kontakt zur gewerkschaftlichen Arbeit. Nach Stationen in Niedersachsen, Hamburg, Düsseldorf und München, wo Schösser in der Jugend- und Bildungsarbeit tätig war, wurde er 1979 Geschäftsführer des DGB-Bildungswerkes in Bayern. 1982 wurde Schösser Stellvertretender Vorsitzender des DGB Bayern, von 1990 bis 2010 war er dessen Landesvorsitzender. Der Sozialdemokrat war zudem Vorsitzender der Mitgliederversammlung des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) und von 1984 bis 2006 alternierender Vorstandsvorsitzender der Landesversicherungsanstalt Oberbayern. Schösser war seit April 2002 Vorsitzender des Verwaltungsrates der AOK-Bayern. Als Sozialdemokrat gehörte er von 1994 bis 1998 dem Bayerischen Landtag und von 1998 bis 2005 dem Deutschen Bundestag aus. Fritz Schösser verstarb am 28.05.2019 in München.
Inhalte
Geboren 1947 als Sohn Sudetendeutscher – Ausweisung der Eltern aus der Tschechei – keine Generalvertreibung der Sudetendeutschen – Mettenheim – Anstellung des Vaters in den Aluminiumwerken in Töging am Inn – Kredit der Firma an die Eltern für den Hausbau: Bindung an das Unternehmen – Volksschule – Trennung zwischen katholischen und andersgläubigen Kindern – Lehre zum Industriekaufmann bei der Firma Innwerke AG – Vater im Betriebsrat: „Anpolitisierung“ – Jugendvertreter im Betrieb durch Losentscheid – Christliche Arbeiterjugend vs. DGB-Jugend – immer stärkeres Engagement im Gewerkschaftsbereich – Kreisjugendausschussvorsitzender – ÖTV – Abitur über die Heimvolksschule Husted – SPD – erstes Engagement im Volksbegehren zur Abschaffung der christlichen Gemeinschaftsschule – 1968 Jugendreferent bei der ÖTV-Bezirksverwaltung – Brücke zwischen der Studentenbewegung zur Arbeiterjugend – Politisierung der Arbeiterjugend – IG Chemie, Papier, Keramik – Heinz Kluncker: Programm zum Kontakt zwischen ÖTV-Jugend und Gewerkschaftsjugend der im öffentlichen Dienst Beschäftigten in Tschechien – Willy Brandt – Vorsitzender des Bildungswerkes des DGB in Bayern – Gründung des Bildungswerks aufgrund des bayerischen Erwachsenenbildungsgesetzes – Horst Ende – Aufgaben: neue Curricula, Förderung der Breitenbildungsarbeit, Referentenqualifizierung, Sprachkurse, Unterricht für Arbeits- und Sozialrecht – Rieser Kulturtage – Bayerischer Rechnungshof – in den 1980er Jahren wachsende Spannungen der Gewerkschaften mit der sozial-liberalen Bundesregierung – Graf Lambsdorff – Nato-Doppelbeschluss 1979 – hohe Aktivität der Jugend – 1982 Demonstrationen in den DGB-Landesbezirken – Misstrauensvotum und Rücktritt von Bundeskanzler Helmut Schmidt – Helmut Kohl – Konflikt zwischen Jung und Alt – Politik der Nachkriegszeit durch CSU/CDU und FDP – 35-Stunden-Woche: auch im gewerkschaftlichen Bereich umstritten – Alternative: Rente mit 58 – Volkswagen (VW) – Arbeitslosenversicherung – IG Metall – Mitte der 1970er Jahre Besuch in der DDR auf Einladung der FDGB-Jugend – SDAJ – DKP – Willi Bob – Befragung der Eltern durch den Verfassungsschutz – Wilhelm Rothe – 1987 offizielle Kontaktaufnahme zwischen dem DGB Bayern und dem Bezirk Gera – Jakob Deffner – Klaus Dietrich – Reise einer Delegation in die DDR: Betriebsbesichtigungen, Gespräche mit Betriebsfunktionären – 1990 Vorsitzender des DGB-Landesbezirks Bayern – Demonstration wegen des Verkaufs der „Neuen Heimat Bayern“ – gewerkschaftseigenes Unternehmen des DGB: COOP, Volksvorsorge, Automobilclub, Bank für Gemeinwirtschaft, Neue Heimat – 1982 Krise in den Unternehmen der DGB aufgrund von Managementfehlern – Alfons Doblinger – Scheitern der Verhandlungen zur Übernahme der „Neuen Heimat Bayern“ durch den Staat – Edmund Stoiber – Max Streibl – Hans Matthöfer – Ernst Breit – bis 1993 schlechtes Verhältnis zwischen DGB und Bayerischer Staatsregierung – Franz Josef Strauß: Kampagne gegen den DGB – Arbeiterkammer – Heinz Oskar Vetter – Ausrufung des „Bündnisses für Arbeit“ über den Gewerkschaftskongress der IG Metall – Zusammenarbeit: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Verlagerung von Standorten ins Ausland, Niedriglohn – Tariftreuegesetz auf Bundesebene – Glasindustrie Zwiesel – Siemens – Werner Neugebauer – Auflage eines arbeitsmarktpolitischen Programms – Vorwurf der Verhinderung des technischen Fortschritts als Scheinargument – Beispiele für die Funktion des Beschäftigungspaktes: Medizintechnik Erlangen, SKW in Trostberg (Süddeutsche Stickstoffwerke AG) – Heinrich von Pierer – „Schmusekurs“ mit der Staatsregierung – CSU: Amigo-Sumpf und Lichtgestalten – Otto Wiesheu – Renate Schmidt – 2002 Abkehr Edmund Stoibers von der Tariftreue: Ende des Beschäftigungspaktes – Werner Neugebauer – Josef Falbisoner – steter Wandel der Gewerkschaftsfunktionäre: früher eher aus der Arbeiterschicht, heute Akademiker – Monika Wulf-Mathies – Heinz Kluncker – Gewerkschaftsfunktionäre als Wegweiser – gestiegener Organisationsgrad bei Audi und BMW trotz sinkender Mitgliederzahlen durch Outsourcing – Zerschlagung von Post und Eisenbahn – Sinken der Mitgliederzahl trotz Verbesserung des Engagements – Wandel im Bild des Unternehmers: früher „leibhaftiger“ Unternehmer, der sich um die Angestellten kümmert, heute mangelnde Verbindlichkeit der Manager zum Unternehmen – Grundig – CSU – Herbert Quandt –Themen der Gewerkschaftsarbeit: Rundfunkfreiheit, Erhaltung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Niedriglohnsektor, Outsourcing, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitslosenunterstützung, Gesamtschulen – Franz Maget – Landtagswahlen: SPD profitierte nicht von frustrierten CSU-Anhängern – SPD nicht mehr die soziale Partei für die Arbeitnehmer – Agenda 2010 – Verhältnis zu den Grünen – Peter Sander – 1994-1998 Landtagsabgeordneter für die SPD – 1998-2005 Mitglied des Bundestags (SPD) – 1992-1994 Mitglied des Bayerischen Senats – Diskussion um den Senat – Abschaffung des Senats 1999 per Volksbegehren und Volksentscheid – Vorsitzender des Verwaltungsrats der AOK Bayern – Krankenkassen – Fürsorge statt Sozialstaat – Verhältnis zu Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer (alle CSU) – „Gestalten und Prägen“: politische Diskussionsportale, Nutzen der neuen Medien – Sozialpartnerschaft.
Daten
Interview: Georg Schmidbauer M.A.
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.