Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Willy Schanz und dessen Ehefrau (N.N.), geführt am 21.01.1989, über die Entwicklung der Pax Christi-Friedensbewegung in der Bundesrepublik (nur Ton).
Biogramm
Inhalte
tobre 138:
Willy Schanz schloss sich nach dem Zweiten Weltkrieg der „Katholischen Jungen Mannschaft“ an. Nach sechseinhalb Jahren Krieg und Gefangenschaft war er ein überzeugter Pazifist geworden. Die „Katholische Junge Mannschaft“ stellte sich von Anfang an mit Friedensgottesdiensten und Diskussionsabenden gegen die Wiederbewaffnung.
Willy Schanz nahm an den Demonstrationen der Anti -Atombewegung und den Ostermärschen seit den 60er Jahren teil. In der „Katholischen Jungen Mannschaft“ war es nur eine kleine Gruppe (30–40 Leute), die politisch aktiv und in der katholischen Kirche völlig isoliert war. Seit der Wiederbewaffnung (ab 1954) kam diese Gruppe viele Jahre jeden Monat zu einem Friedensgottesdienst zusammen z. B. im Haus Venio in Neuhausen oder in einer Kapelle in der Baaderstraße.
Nach dem 2. Vatikanischen Konzil hat Kardinal Döpfner, der Erzbischof von München und Freising und deutscher Präsident von Pax Christi, die Pax Christi Arbeit in seinem Bistum aktiviert. In der Nachkriegszeit war Pax Christi zunächst eher eine Gebetsbewegung, später kamen neue Mitglieder aus der Studentenbewegung und aus der Jungen Mannschaft hinzu: Themen über Rüstungsexporte, Friedenspädagogik wurden immer wichtiger.
In seiner Gemeinde, St. Ignatius, hatten Willy Schanz und seine Frau seit 1981 einen Friedensarbeitskreis aufgebaut, aus dem eine Pax Christi Gruppe entstand.
Frau Schanz betont, wesentlich sei es in den Gemeinden gewesen, welche politische Einstellung der Pfarrer gehabt hätte. Der Pfarrer von St. Ignatius fuhr z.B. 1983 mit dreißig Gemeindemitgliedern zur Menschenkette nach Ulm gefahren.
Willy Schanz stellt fest, dass durch die Friedensarbeit ein Vertrauensverhältnis mit Menschen und politischen Gruppen entstanden ist, die der Kirche bisher fern standen.
tobre 039:
Willy Schanz hebt hervor, dass bei Pax Christi die Diskussionen über die Gewaltfreiheit zunehmend eine größere Rolle bekamen. Er entschloss sich, bei den Blockaden des Raketenlagers in Mutlangen (das erste Mal im Mai 1986 bei der so genannten Muttertagsblockade) mitzumachen und schildert, dass es für ihn durchaus leicht war, seine Ängste während des Sitzstreiks zu überwinden. Noch einmal beteiligte er sich im September 1986 bei einer Blockade, wurde dabei festgenommen. Zur Zeit des Interviews im Januar 1989 hatte er seinen Prozess noch vor sich. Frau Schanz spricht über die evangelischen Gottesdienste in Mutlangen und bedauert, dass die katholische Amtskirche die Aktionen der Friedensbewegung nicht im Geringsten unterstützt habe.
Daten
Dr. Heike Bretschneider (Interview und Technik)