Zeitzeugen berichten

Rose Kraus Friedensaktivistin, Gründerin Dachauer Arbeitskreis Asyl

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Signatur
tobre 160-162
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Heike Bretschneider)

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Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Interview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Rose Kraus vom 24.01.1995 über ihr Engagement in der Friedensbewegung seit den 1980er-Jahren (nur Ton).

Biogramm

Rose Kraus wurde 1935 als ältestes von 7 Geschwistern in Dachau geboren. Als Zehnjährige begegnete sie bei Kriegsende 1945 einem Leiterwagen mit Leichen aus dem Konzentrationslager Dachau. Dieses Ereignis hat sie schockiert und davon überzeugt, dass man allem Schlechten etwas Gutes entgegensetzen müsse. Rose Kraus erlernte den Beruf der Kontoristin und engagierte sich früh als Friedensaktivistin. In den 1980er-Jahren gründete sie den Arbeitskreis Asyl in Dachau. Sie nahm an Demonstrationen gegen die WAA in Wackersdorf und gegen die Stationierung amerikanischer Raketen im württembergischen Mutlangen, wofür sie drei Mal vor Gericht musste. 2005 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Rosa Kraus hatte drei Kinder und lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 2020 in Günding in der Nähe von Dachau.

Inhalte

tobre 160:  

In der Gnadenkirche in Dachau lernte Rose Kraus Mitglieder der Friedensbewegung kennen. Sie erfuhr von den Protesten am Bauzaun der geplanten atomaren Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAA) und den Blockaden vor den Pershing 2 Raketen in Mutlangen. Von nun an beteiligte sie sich bei Protesten in Wackersdorf und fuhr mit einem ihrer Söhne im Mai 1987 zur so genannten Muttertagsblockade nach Adelstetten bei Mutlangen. Sie erzählt, wie sie ihre anfänglichen Ängste überwand. Es folgten drei Prozesse (siehe auch tobre 161), im ersten wurde sie verurteilt, im zweiten freigesprochen, im dritten wieder verurteilt zu einer Geldstrafe. Eigentlich wollte sie ins Gefängnis gehen, aber ihrem Mann zuliebe zahlte sie. Rose Kraus arbeitete im Arbeitskreis Asyl in Dachau mit. Sie erhielt dabei tatkräftige Unterstützung vom evangelischen Pfarrer und der Gemeinde. Regelmäßig besuchte sie zwei Mal wöchentlich die Flüchtlingslager in Dachau an der Kufsteinerstraße, richtete dort eine Kleiderkammer ein, half beim Ausfüllen von Formularen usw. und ging mit den Flüchtlingskindern regelmäßig zum Schwimmen (vgl. tobre 162). Während im Mai 1993 einige Sinti und Roma Familien über zwei Monate lang im Kirchenasyl in Dachau lebten, half Rose Kraus dort täglich. Es war nicht möglich, das Kirchenasyl aufrechtzuerhalten und etliche Familien mussten nach Rumänien zurück (siehe auch tobre 161). 1993 las Rose Kraus einen Aufruf von Pax Christi, dass Freiwillige gesucht würden, die für drei Wochen in einem Flüchtlingslager in Kroatien auf den Inseln Sutivan und Brac. Von da an war Rose Kraus alle drei Monate im Lager, unterstützt von Freunden fuhren sie mit zwei bis drei Fahrzeugen, vollgepackt mit Kleidung, Medikamenten usw. dorthin. U.a. sammelte sie auch Wolle in Deutschland, die kroatischen Frauen strickten Socken und Rose Kraus verkaufte sie an Freundinnen und in Kirchengemeinden.

tobre 161:

Rose Kraus spricht noch einmal über das Kirchenasyl der Sinti und Roma in der Versöhnungskirche in Dachau (siehe auch tobre 160). Rose Kraus sagt, dass sie die Kraft für ihre Hilfsprojekte und die Friedensarbeit immer wieder aus ihrem Glauben ziehe. Auch als sie sich beim Blockadeprozess mit einem zwölfseitigen Schriftsatz selbst verteidigt habe, hätte ihr das Beten die Angst genommen. Dankbar sei sie damals auch für die große Unterstützung der Freunde und Freundinnen aus der Friedensbewegung gewesen. 1945 nach dem Einmarsch der Amerikaner hatte die Zehnjährige Rose Kraus in Dachau einen Leiterwagen voller Leichen gesehen, die aus dem KZ zu den Massengräbern transportiert wurden. Sie ist überzeugt, dass dieses Erlebnis sie für ihr Leben geprägt habe.

tobre 162:

Im Zweiten Weltkrieg habe ihre Mutter ihr Brot gegeben, das sie den KZ-Häftlingen, die zu Arbeiten in Dachau eingesetzt waren, heimlich zustecken sollte. Die Mutter meinte, die SS-Wachleute würden Kindern wahrscheinlich nichts tun. Unterstützung bei der Flüchtlingsarbeit und den Transporten nach Kroatien erhielt Rose Kraus von ihren zwei erwachsenen Söhne, ihrer Schwiegertochter und ihrer Tochter.

Daten

Art:
Thematisches Interview (nur Ton)
Dauer:
ca. 1:15 h
Aufnahmedatum:
24.01.1995
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Dr. Heike Bretschneider (Interview und Technik)