Zeitzeugen berichten

Heinz Huber 1958-1985 Vorsitzender der Internationale der Kriegsdienstgegner

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Signatur
tobre-142
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Dr. Heike Bretschneider)
Referenzjahr
1958

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Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Thematisches Kurzinterview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Heinz Huber, geführt am 08.11.1989, über sein Engagement für Kriegsdienstverweigerer in der Bundesrepublik Deutschland (nur Ton).

Biogramm

Heinz Huber wurde 1927 geboren und wuchs in München auf. Nach 1945 war er Mitglied in der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) bis zu deren Verbot in der Bundesrepublik 1954. Da er danach an einer illegalen FDJ-Versammlung in der Donnersberger Bierhalle teilnahm, wurde Huber wegen Geheimbündelei angeklagt. Das Verfahren wurde eingestellt. Nachdem Huber ein Protestflugblatt gegen die deutsche Wiederbewaffnung verteilt hatte, wurde gegen ihn ein Verfahren wegen Staatsgefährdung eröffnet. Huber trat der SPD bei, war Gewerkschaftsmitglied und Personalratsvorsitzender. Von 1958 bis Mitte der 1980er-Jahre hatte er den Vorsitz der „Internationale der Kriegsdienstgegner“ (IdK) in München inne. Während des Vietnamkriegs veranstaltete die IdK provokante Aktionen in München, um auf die menschenverachtende Kriegsführung aufmerksam zu machen. Huber wurde zeitweise durch das Landesamt für Verfassungsschutz observiert.

Inhalte

Jahrgang 1927, am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Heinz Huber noch zur Heimatflak und zum Panzergrenadierersatzbataillon in München eingezogen. Seine Eltern waren entschiedene Kriegsgegner.

1945 ging er zu den Jungsozialisten, dann war er aktiv in der Gewerkschaftsjugend. Als 1956 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wurde, trat er in die Internationale der Kriegsdienstgegner ein, die 1956/57 im Bundesgebiet und Berlin ungefähr 3.-4.000 Mitglieder besaß. Der Kreisverband München war mit 800 Mitgliedern der stärkste.

Jedes Mitglied musste eine Grundsatzerklärung unterschreiben: „Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher nicht bereit, an seiner Vorbereitung mitzuwirken.“

Seitens der Bevölkerung gab es in den ersten Jahren viele Verunglimpfungen, von den Behörden Einschränkungen. So wurde der erste Ostermarsch mit circa 100-150 Menschen, der von Ingolstadt nach München ging, über entlegene Wald und Wiesenwege geleitet.

Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den Kriegsdienstverweigerern hat sich geändert mit dem großen sozialen Engagement der Zivildienstleistenden.

Bei den Anerkennungsverfahren zur Wehrdienstverweigerung war Heinz Huber seit 1985 zunächst im Prüfungsausschuss, dann Beisitzer in der Prüfungskammer für das Münchner Kreiswehrersatzamt. Er berichtet über seine dortige Tätigkeit.

Seit 1958 war Heinz Huber Vorsitzender der Internationale der Kriegsdienstgegner, die sich 1968 mit der Deutschen Friedensgesellschaft zusammenschloss zur Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegner. Er betont, dass diese beiden Organisationen der Schrittmacher für das breite friedenspolitische Engagement der 1980er-Jahre waren.

Daten

Art:
Thematisches Interview (nur Ton)
Dauer:
ca. 0,5 h
Aufnahmedatum:
08.11.1989
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Heike Bretschneider

Technik: Dr. Heike Bretschneider