Emine Capartas beschreibt den toleranten, interkulturellen Austausch zwischen den geflüchteten Teilnehmenden ihrer Nähkurse.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Emine Capartas, geführt am 27.05.2025 in München, über die Fluchtgründe ihrer kurdischen Eltern aus der Türkei, ihre Diskriminierungserfahrungen als Kind in Eichstätt, ihre erfolgreiche Ausbildung zur Maßschneidermeisterin, die Erfolge ihrer Nähwerkstatt und Schneiderei-Akademie für Geflüchtete in München, die Integrationserfahrungen verschiedener Kursteilnehmer, die mediale Berichterstattung über Geflüchtete sowie über die Entwicklung der deutschen Willkommens- und Integrationskultur.
Biogramm
Emine Capartas wurde 1980 in Eichstätt geboren. Ihre Eltern waren kurz zuvor aus der Türkei nach Deutschland migriert, um politischer Verfolgung sowie ökonomischer Perspektivlosigkeit zu entkommen. Sie wuchs in einer mehrheitlich von türkischen Familien bewohnten Hausgemeinschaft auf und hatte in ihrer frühen Kindheit nur begrenzten Kontakt zu Einheimischen. In Kindergarten und Grundschule erlebte sie soziale Ausgrenzung und fehlende institutionelle Integrationsunterstützung.
Sie besuchte die Hauptschule, die sie erfolgreich mit dem qualifizierenden Abschluss verließ. Anschließend holte sie den externen Englisch-Qualifikationsnachweis nach und wechselte auf die Wirtschaftsschule in Ingolstadt, deren Abschluss sie jedoch unter anderem aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht erlangte.
Nach dem Umzug nach München arbeitete Capartas zunächst im Dienstleistungssektor, bevor sie eine Ausbildung zur Modenäherin begann und diese erfolgreich abschloss. In der Folge absolvierte sie – als alleinerziehende Mutter – die Meisterschule im Maßschneiderhandwerk. Im Anschluss gründete sie ihr eigenes Schneideratelier in München. Ihren Migrationshintergrund empfand sie im beruflichen Kontext als nicht hinderlich, vielmehr erlebte sie die Modebranche als offen und chancengleich.
Im Zuge der Fluchtbewegung 2015 engagierte sich Capartas aktiv in der zivilgesellschaftlichen Arbeit mit Geflüchteten in München. Aus einem zunächst ehrenamtlich organisierten Nähprojekt entstand eine interkulturell ausgerichtete Schneiderei-Akademie, die handwerkliche Qualifizierung, Sprachförderung und soziale Teilhabe miteinander verband.
Inhalte
Geboren 1980 – Gewalterfahrungen als Kurden in der Türkei als Fluchtgründe für ihre Eltern – Politische Verfolgung ihrer Geschwister in der Türkei – Kindheit und Jugend in Eichstätt innerhalb einer geschlossenen türkischen Community – Kindergarteneintritt ohne Deutschkenntnisse – Diskriminierung in Kindergarten und Grundschule – Ehrenamtliche Nachmittagsunterstützung als Integrationshilfe – Verwehrter Gymnasiums- und Realschuleintritt – Akzeptanz in der Hauptschule – Qualifizierender Hochschulabschluss und Englisch-Qualifikation – Positive Erfahrungen in der Wirtschaftsschule in Ingolstadt – Umgang mit ausbleibendem Abschluss – Umzug nach München – Gründe für die Friseurausbildung – Interesse am Modehandwerk nach erster Modelerfahrung – Erfolgreiche Ausbildung als Modenäherin – Gesellin im Modebetrieb und Kündigung nach Elternzeit – Abschluss der Gesellenzeit in einer Änderungsschneiderei – Herausforderungen in der Meisterschule als alleinerziehende Mutter – Kritik an der Modebranche – Gründung eines eigenen Ateliers – Keine Diskriminierung aufgrund des Migrationshintergrundes in der Modebranche – Wahrnehmung der Ankunft von Geflüchteten am Münchner Hauptbahnhof 2015 – Leitung des ehrenamtlichen Nähprojekts „Biebie 1“ mit Geflüchteten – Erfolg der wöchentlichen Nähwerkstatt – Unterstützung durch den Burda Verlag – Etablierung einer Schneiderei-Akademie mit Zertifikatsabschluss für Geflüchtete – Ausbildung im Textilhandwerk und Spracherwerb – Umgang mit Traumata sowie interkultureller Austausch in der Nähwerkstatt – Voraussetzungen für den Erfolg eines Integrationsprojekts – Herausfordernde Weiterfinanzierung und Folgen der Corona-Pandemie für das Projekt – Unterstützung durch die Malteser und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) – Umgang mit den Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie – Integrationserfolge ehemaliger Kursteilnehmender – Potenzielle Rückkehr einer Freundin nach Syrien – Anekdote zum Leben in Geflüchtetenunterkünften – Kritik an der negativen Darstellung von Geflüchteten – Vergleich zwischen der Willkommenskultur gegenüber ukrainischen und muslimischen Geflüchteten – Plädoyer für konsequente Religionsfreiheit in Deutschland – Hindernisse für Geflüchtete bei der Berufsausübung – Mediale Berichterstattung mit Fokus auf Nationalität statt Geschlecht von Kriminellen – Kritik am selektiven Migrantenbild – Migrationsfeindliche mediale Berichterstattung – Lob für staatlich geförderte Integrationsprogramme – Kritik am mangelnden Arbeitsmarktzugang für Geflüchtete – Appell zu mehr kultureller Integrationsarbeit für Geflüchtete – Mahnung zu mehr interkultureller Reflexion in Deutschland – Dankbarkeit für finanzielle Unterstützung durch den deutschen Staat – Zukunftspläne für Kurs und Beruf – Plädoyer für eine Begegnung mit Migranten auf Augenhöhe – Identifikation als deutsche Staatsbürgerin.
Daten
Interview: Dr. Florian Sochatzy
Kamera: Fabian Hell