Zeitzeugen berichten

Anton Vincze Ungarn-Flüchtling, Angestellter (ZF Passau)

Signatur
zz-0626.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1956

Im hier gezeigten Ausschnitt spricht Anton Vincze über die Demonstrationen beim Ungarnaufstand 1956 in Györ, die er als 20-Jähriger begleitete.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Anton Vincze, geführt am 19.02.2001 im Rahmen des Projekts Bayern-Ungarn über seine Kindheit und Jugend in Ungarn, den Aufstand von 1956, seine Flucht über Österreich nach Bayern und seine Tätigkeit bei ZF Passau.

Biogramm

Anton Vincze wurde 1936 in Devecser/Ungarn geboren und besuchte bis 1956 eine Maschinen-Techniker-Schule in Györ. Dort beteiligte er sich aktiv am Aufstand gegen das kommunistische Regime. Nach dessen Niederschlagung war er gezwungen, über Österreich nach Bayern zu flüchten. In seiner neuen Heimat arbeitete er zunächst in der Zahnradfabrik Passau und wechselte dann bis zu seiner Pensionierung zur Energie-Versorgung Ost-Bayern AG.

Inhalte

1936 in Desvescer/Ungarn geboren, Kindergarten, Volksschule, 1952 Maschinentechnikerschule in Györ, Einfluss der Sowjetunion auf Ungarn nach dem Zweiten Weltkrieg, Bayern nicht präsent, nur Deutschland, kommunistisches Internat in Györ, Operettenkomponisten Franz Léhar und Emmerich Kálmán, Léhar arbeitete auch in Passau, damals unpolitische Einstellung, Interesse für Fußball, Musterung, Wehrdienst Frühjahr 1956, Einberufung zur "Blauen Stasi" Staatssicherheitsdienst, politische Staatssicherheit, Abiturienten durften nur zu politischen Einheiten, Ziel Studium an der TU in Budapest, Chef der Wilhelm-Pieck-Maschinenfabrik riet V. dazu, sich zu verstecken, Vorfeld des Ungarnaufstandes 1956, Sender Radio Free Europe (RFE), Fragen der Studenten in Budapest und Pécs (Fünfkirchen) wegen russischen Uranabbaus, Versammlung im Hof der Fabrik, Autos mit Rot-Kreuz-Fahne, Plakate und Informationszettel, kommunistische Symbole entfernt, Stern vom Fahnenmast geholt, Demonstration, Sterne aus den ungarischen Fahnen geschnitten, ungarische Soldaten auf Seiten des Volksaufstandes, Marsch zur AVO (grüner Staatssicherheitsdienst), erste Schüsse, Befreiung politischer Häftlinge aus dem Gefängnis, erste Tote auf beiden Seiten, Sturm der AVO, etliche wurden gelyncht, Nachrichten aus Budapest, Machtübernahme von Imre Nagy und Pál Máleter, Sturz von Rákosi, provisorische Regierung des Komitats Györ-Sopron schickte die Leute nach Hause, Gefühl gesiegt zu haben, Ende Oktober 1956 Einmarsch sowjetischer Truppen, Panzer, Gespräch mit dem Chef, dieser riet V. zur Flucht, Fahrt zu den Eltern, um sich zu verabschieden abgebrochen, nach Györ zurückgekehrt, Angst vor Kontrolle, Nachricht für Freund Imre hinterlassen, Bekannte wollten sich anschließen, Information über russische Panzer auf dem Weg zur österreichischen Grenze, Zug nach Sopron (Ödenburg), Angebot der Anwohner V. über die Grenze zu bringen, dem Führer Geld gegeben, Sammellager in Österreich, Kaserne in der Wiener Neustadt, 12.11.1956 Registrierung, Hoffnung auf Rückkehr nach Beruhigung der Lage, Angebot der Amerikaner für sie zu arbeiten, Angebot nach Deutschland zu fahren, Verwandte der Mutter in Deutschland, mit dem Zug nach Passau, Versorgung durchs Rote Kreuz, 22.11.1956 Ankunft im Lager in Schalding, Angebot nach Amerika auszuwandern, Josef Szabo, Angebot der Arbeitsmöglichkeit in Passau, Dolmetscher im Ledermantel, ZF Passau (Zahnradfabrik), Dolmetscher Ludwig Behne, Angebot zur Arbeit bei ZF, Fußball bei VfB Passau gespielt, Unterkunft, Entscheidung, Unterkunft in der Jugendherberge in Passau-Oberhaus, Nachricht an Eltern über Sender RFE übermittelt, Lebenszeichen, Briefwechsel mit den Eltern, Adresse der Verwandtschaft in Deutschland, Pfaffenhofen an der Ilm, Rolle von Radio Free Europe beim Ungarnaufstand, Hoffnung auf Hilfe aus dem Westen geschürt, Propaganda von RFE nicht richtig, herzliche Aufnahme durch die deutschen Kollegen, Stadtteil Grubweg-Lindau, Holzbaracken, Kirche, Pfarrer forderte zur Hilfe auf, Kleidung von der Caritas, Weihnachten, Kollegen nahmen Ungarn mit nach Hause, Familie Huber, große Hilfsbereitschaft, Abteilung 09 als Verzahner, Aussicht auf Stelle als Techniker, wenn V. Deutsch lernte, in der Schule Russisch gelernt, Vorarbeiter: Waldemar Klenk, auf Russisch unterhalten, Zusammenhalt unter den Flüchtlingen, Lokalbesuche, Südfrüchte, Fußballverein, Trainer Stephan Berger, VfB Passau-Grubweg, August 1966 erstmals mit Frau und Kindern nach Ungarn gereist, Heirat 1960, Tochter eines Kollegen, französisches Konsulat nahm deutsche Vertretung war, 1967 deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, junges Ehepaar bei ZF wollte zurück nach Ungarn, nichts mehr von ihnen gehört, viele zogen in andere Städte: München, Frankfurt, Karlsruhe, Dingolfing, Automobilwerke Glas, Goggomobil, später BMW, 1962 Wechsel zur Energie-Versorgung Ost-Bayern AG, technischer Angestellter, 1968 nach Ungarn gefahren, VW-Käfer, Eltern besucht, Unterstützung durch den Chef, Wartezeiten beim Grenzübertritt, 1968 Ungarnbesuche, Devescer, Ausflüge, Eltern, Schwager, Gerüchte über Geschehnisse in Tschechien, Prager Frühling 1968, Urlaub abgebrochen, Gulasch-Kommunismus, Janos Kádár, Heimweh, Donau, Flucht des Bruders Hans, im Lager Linz gefunden, Bruder wurde nach Frankreich gebracht, Brief an Bruder, 1960 Olympische Spiele, Bruder kam nach Passau, bei Schwiegereltern untergebracht, wurde auch bei der ZF Passau angestellt, Verhältnisse der Ungarnflüchtlinge in Frankreich.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
19.03.2001
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.