Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Leibl Rosenberg über die Akzeptanz deutscher Juden in Israel in den 1960er-Jahren.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Leibl Rosenberg vom 01.03.1988 in München.
Biogramm
1948 im DP-Lager Lagerlechfeld bei Landsberg geboren, Eltern polnische Juden, die als einzige ihrer Familien den Holocaust überlebt hatten, Kindheit im DP-Lager Föhrenwald, 1956 nach Auflösung des Lagers Umzug nach München, Abitur am Asam-Gymnasium München, Studium der Judaistik und Bibelwissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem sowie der Sprachwissenschaften, Germanistik und Amerikanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Redakteur der Neuen Jüdischen Nachrichten des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern (München), seit 1979 fester freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, 1990-1992 Redakteur der „Nürnberger Nachrichten“, umfangreiche publizistische Tätigkeit, 1999-2006 Gründer und Vorsitzender des Forums für Jüdische Geschichte und Kultur in Nürnberg. Beauftragter der Stadt Nürnberg für die Sammlung der Israelitischen Kultusgemeinde.
Inhalte
Chaotische Situation nach den Kriegsende 1945, Befreiung der Überlebenden der Konzentrationslager, Amerikaner, viele Tote noch nach der Befreiung, körperlich überlebt, Gefühl des Alleinseins, oft die ganze Familie umgekommen, die meisten konnten kein Deutsch, die meisten Überlebenden waren aus Osteuropa, deutsche Juden nicht aus dem Exil zurückgekehrt, nur ein Teil als Angehörige der alliierten Truppen, kulturell fremde Umgebung, zerstörte landsmannschaftliche Bindungen, polnisches Judentum als Rückgrat des aschkenasischen Judentums, Leute aus ganz Europa, feindliche Umgebung, Mentalität der Deutschen nach dem 08.05.1945 nicht sofort geändert, auch viele Deutsche Familien menschlich zerstört, 10 Mio. deutsche Tote des Weltkriegs, zerstörte Verwaltungsstrukturen, keine direkte Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Juden nach 1945 in Bayern, alliierte Militärverwaltung, Juden nicht organisiert, geringe Zahl versteckter Juden, die in Deutschland überlebt hatten, in Palästina Vorbereitungen für die Gründung eines jüdischen Staates, keiner wusste wann, Jewish Agency zuständig um Juden aus der ganzen Welt nach Palästina zu bringen, Vorbereitung auf die Ausreise nach Palästina, Hilfe kam von den Amerikanern, Versuch Rechte zu erwirken, General Patton hatte keine Sympathien für die Juden, Gefangene weiter in den KZs interniert, Untersuchung des Amerikanischen Kongresses, körperlich gesunde Überlebende versuchten in die Zentren zu kommen, um die Unterstützung der Militärverwaltung zu erhalten, Idee der DP-Lager, Betreuung und Kontrolle, Anwachsen der Lager, Zustrom von Juden aus Osteuropa in die Westzonen, in die Heimat zurückgekehrte Juden fanden oft zerstörte Wohnungen oder dort wohnende Polen vor, Pogrome in Polen nach dem Krieg, Ziel der Juden dann Palästina oder Amerika, 500.000 Juden in DP-Lagern im Westen, chaotische Lager, Versuch auszuwandern oder in der deutschen Umgebung Fuß zu fassen, Organisation und Versorgung der DP-Lager durch das Joint Distribution Committee ("Joint"), Kleidung, Nahrung, Möbel, Schicksale, beschädigte Leute, oft bis heute, körperlich und seelisch, Kampf um Wohnungszuteilung, damals keine Bewegungsfreiheit, in den Lagern "gefangen", abgeschottet von der Umgebung, kein Einfluss der deutschen Behörden und Justiz, Militärverwaltung, Selbstverwaltung, DP-Lager "Inseln im bayerischen Meer", ahistorische Fremdkörper, im DP-Lager Föhrenwald aufgewachsen, existierte bis 1956, Gemeinsamkeit des jüdischen Glaubens und Schicksals, "osteuropäisches Schtetl im Voralpenland", Rabbiner, koscheres Fleisch, Schule, Synagoge, kulturelle Vereinigungen, zionistische Gruppierungen, Friedhöfe in der Umgebung, Hoffnung auf die Gründung Israels in Palästina bis 1948, 1947 Demonstration in Landsberg gegen die Briten, von 1933 bis 1945 ließ nur die Sowjetunion Juden ohne Visa einreisen, Rettung eines kleinen Teils der polnischen Juden, traumatisches Erlebnis nirgends hin zu können, Beschleunigung der Gründung Israels, Teilungsplan der UNO 1947, illegale Einwanderungsversuche nach Palästina, rigorose Einwanderungspolitik der Engländer, Flüchtlingsschiff "Exodus", Leute aus deutschen DP-Lagern, illegal mit Lastwägen nach Italien gebracht, Bari, Rimini, Genua, mit alten Kähnen nach Palästina geschmuggelt, Internierung durch Briten auf Zypern, Einreiseverbote für Tuberkulosekranke nach der Staatsgründung, Überfall der arabischen Staaten, Unabhängigkeitskrieg, Visa europäischer Länder für überlebende Juden nach dem Krieg, Einwanderungsquoten in die USA, jüdische Hilfsorganisationen, Zeit der Kommunistenjagd in den USA, viele Visa wegen Mitgliedschaften in sozialistischen Vereinigungen verweigert, begrenzte Möglichkeiten: sprachliche, psychologische, körperliche "Mauern", Krankheiten, Lungenheilanstalt in Gauting bei München, eigene Familie in die Sowjetunion geflohen 1939, Arbeitslager in Sibirien, Rückkehr nach Polen, DP-Lager in Deutschland, Mutter von 1939 bis 1956 in Lagern gelebt, Warten auf Ausreisevisa, Zeit über das Geschehene nachzudenken, Erinnerungen an die Opfer der Familie, Tote, keine psychologische Betreuung, allein gelassen mit den seelischen Problemen, Erholung von den Entbehrungen, Geburt der ersten Kinder 1946, Kontakte zu anderen Juden, Verwandten in anderen Ländern, Hoffnung, schwere Zeit für Überlebende bis zur Schaffung einer Existenz, keine Kontakte zu Leuten außerhalb des Lagers, 1948 im Lager Lechfeld geboren, Luftwaffenstützpunkt, Kaserne, oft blieben die Leute auch in den Arbeitslagern, Bergen-Belsen, Eltern kamen Ende 1945 aus Polen, Salzburg, DP-Lager Ainring bei Freilassing, Verlegungen 1949/50 ins Lager Feldafing, dort Villen der "Nazibonzen", 1953 ins DP-Lager Föhrenwald gekommen, viele Kinder, heute Ortsteil von Wolfratshausen, Waldram, Loisach, Isar, schöne Landschaft, Streifzüge, Tagesausflüge bis München, Religionsschule mit 4 Jahren, strenge Erziehung, Prügel, Melamed, Hebräisch gelernt, Gebete, Melodie, Thora, Dinge auswendig gelernt, noch heute Kontakte der "Föhrenwalder" untereinander, abends zusammengesessen, wenige Radiogeräte, nur ein Fernsehgerät im ganzen Lager, Föhrenwald: Arbeitersiedlung für ehemalige Munitionsfabrik in Geretsried, Gründung der Bundesrepublik 1949, Übernahme der Verwaltungshoheit, Betreuung durch deutsche Behörden, ein Zimmer pro Familie, Nachbar Herr Karp mästete Gänse, Leben spielte sich draußen ab, enge Wohnsituation, Versuche in Augsburg, München oder Landshut eine Existenz aufzubauen, Auswanderung, Gespräche der Erwachsenen über Verfolgung und Leiden, Sobibor, Treblinka, Majdanek, Auschwitz, Uniformen, Schäferhunde, Lagerpolizei, Geschenke von amerikanischen Soldaten, Amerikaner und Israelis brachten Hilfe ins Lager, aber keine Deutschen, Bedrohlichkeit alles Deutschen und Christlichen, christlicher Widerstand gegen Hitler, "gute Deutsche" nicht präsent, kein Kontakt zu den umliegenden Orten, Situation für die Kommunen, Leben mit dem "Fremdkörper", Rechnung für die Nazis "beglichen", keine Exekutivgewalt, illegale Übergriffe durch Lagerinsassen, belastete Leute in den Verwaltungen, deutsches Leben nur über den Schulbetrieb nach Föhrenwald gekommen, deutsche Lehrer an der jüdischen Volksschule, erster Kontakt mit einem Deutschen, deutsche Sprache, zu Hause sprachen die meisten Jiddisch, Deutsch gelernt, Lehrer war ein junger Mann, Schließung des DP-Lagers Föhrenwald 1956, am Ende noch 800 bis 1.000 Menschen in Föhrenwald, verteilt auf München, Frankfurt und Düsseldorf, viele lebten von der deutschen Sozialhilfe, soziale Probleme, sozialer Wohnungsbau, nach Obergiesing/München gekommen, 8 Jahre alt, kalter Winter 1955/56, Häuser noch im Rohbau, Feuchtigkeit, Eis an den Wänden, ein Teil wurde nach München-Ludwigsfeld gebracht, Flüchtlingslager, vier jüdische Wohnblöcke, gegenüber wohnten Bereitschaftspolizisten, Heimgärten, deutsche Volksschule - 1956 Giesing, Kinderbanden im Viertel, gemischt-konfessionelle Icho-Schule, Volksschule, Probleme mit mathematischen Fächern, nachmittags Religionsschule, Kontakte zu Deutschen, Schulkameraden, jüdischer Lebensmittelpunkt, Synagoge in der Reichenbachstraße, Religionsunterricht, liberaler als in Föhrenwald, Jugendzentrum Noah, Möhlstraße, International Refugee Organisation (IRO), Joint, Schwarzmarkt, jüdische Geschäfte, Jugendheim 1958/59 in Villa in Staatsbesitz eingerichtet, Rechtsnachfolge der NSDAP, Bayern, Aktivitäten im Jugendhaus: Foto, Tanz, Briefmarkensammler, zionistische Jugend, Partys, Jazzkeller, Samstage, Jugendleiter aus Israel: Matriachim, zionistisches Israel-betontes Weltbild, Kinderverschickungen im Sommer, zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, Jugendsommererholungsheime im Schwarzwald und bei Bad Kreuznach, vier bis sechs Wochen, israelische Jugendleiter, Erziehung, israelische Lieder, Fahne, Tänze, Sketche, 1965 erstmals nach Israel gefahren, Unabhängigkeitstag Israels schon in Föhrenwald gefeiert, Vorbereitung auf Israel, politische Gruppierungen in der Diaspora, Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland, in Israel erstmals damit konfrontiert, dass R. Deutscher ist, aus Sammeltaxi geworfen, keine Akzeptanz, dass man als Jude noch in Deutschland lebt, keine Chance wegzugehen vor dem Abitur, jüdisches Bewusstsein, Schwankungen der religiösen Praxis, jüdische Identität, Auseinandersetzung mit dem Holocaust, Eugen Kogon: "Der SS-Staat", prägende KZ-Zeit, Fehlen der Großeltern und Verwandten, Zionistische Jugend Deutschlands, Israelreise regt zum Nachdenken über Verhältnis zu Deutschland an, eigenes Bild, BRD und DDR sind nicht das „Dritte Reich“, aber kein Hinwegsehen, Verantwortung gegenüber der eigenen Geschichte, Wurzeln, Verflechtung des jüdischen und deutschen Schicksals, Belastung der jungen Deutschen mit den Verbrechen ihrer Vorfahren, Entwicklungen die zur NS-„Machtergreifung“ (Machtübernahme durch die Nationalsozialisten) 1933 führten, Kontinuität der Geschichte vor 1933 und nach 1945, Sprechen und Nachdenken, Rolle der Juden in der deutschen Geschichte, erster nachgewiesener Jude in Köln, Grabstein von 325: Callonimus, jüdischer Beitrag zur deutschen Kultur, Herauspicken jüdischer Kulturschaffender: Kafka, Einstein, Freud, jüdische Alltagskultur ignorieren, Familie leidet, Helen Epstein, Leiden der Kinder, Leiden von Deutschen, Menschenrechte im Grundgesetz, Bereitschaft diese aufzunehmen und zu tragen, Ausstieg aus der Geschichte darf nicht geschehen, "Gnade der späten Geburt", kleine jüdische Minderheit in Deutschland, Notwendigkeit der Erinnerung, nationale Renaissance, Abitur 1969, Studium in Israel, Universität Jerusalem, Gersho Sholem, Jega Leaden, David Flusser, jüdische Geschichte, Philosophie, Bibelwissenschaften, Archäologie, ablehnende Haltung der Behörden, Begegnung mit gleichaltrigen Israelis, wenig Gemeinsamkeiten, Mitbewohner im Wohnheim war bereits im Krieg gewesen, einziger Jude im Asam-Gymnasium, keine antisemitischen Äußerungen, keine Vorteile als Jude in Deutschland, Mitbewohner: Moshe Lasar, andere Lebenserfahrung, verwundet, Freunde verloren, auf Jiddisch unterhalten, erst Hebräisch gelernt, Krieg 1967, religiöse Erziehung spielte in Israel keine Rolle, fehlende Militärerfahrung, keine Verwandten in Israel nur Freunde aus Deutschland, Idee Mutter nach zu holen, kein Interesse Israels an alten Leuten, nach einem Jahr nach Deutschland zurückgekehrt, München als Heimat anerkannt, Germanistik studiert, weiterhin Engagement für Israel, jüdischer Studentenverband, jüdischer Kreis, Verhältnis zur Heimat Israel und Bayern, negative Gefühle gegenüber Deutschland, emotionale Beziehung zu Bayern, Distanz zu deutschen Menschen, anerzogene Bedrohung, ähnlich denkende Deutsche unterstützen, Heimatgefühl Bayern, Paranoia der Verfolgung und Flucht, Hoffnung nie Fliehen zu müssen, politische und gedanklich-ideologische Situation, keine Normalität im eigenen Leben, Familie Jakob Wassermann, keine Normalität für Juden in Deutschland nach 1945, aber auch keine Normalität der Deutschen im Umgang mit ihrer Geschichte.