Zeitzeugen berichten

Otto Rubner Elektriker

Signatur
zz-1121.01
Copyright
Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)
Referenzjahr
1947

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Otto Rubner von den Gründen, die zur Aussiedlung seiner Familie aus dem Egerland nach Bayern führten.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Otto Rubner, geführt am 12.10.2005 in Unterschleißheim, im Rahmen des Projekts: Bayern-Böhmen, über die politische Situation in Eger vor 1938, seine Jugend während des Zweiten Weltkriegs, die Geschichte seines Vaters (DSAP-Mitglied, KZ-Inhaftierung, Einberufung zum Kriegsdienst), und sein berufliches Leben nach der Aussiedlung 1947 nach Bayern.

Biogramm

1930 in Haslau im Egerland geboren, erlebte als Jugendlicher die politischen Spannungen vor 1938, Vater als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei 1939 in die Konzentrationslager Flossenbürg und Dachau deportiert, 1940 wieder entlassen, Mitglied der Hitler-Jugend (HJ), erlebte die Bombardierung der Skoda-Werke in Pilsen, Aussiedlung der Familie 1947 nach Bayern, bis zu seiner Pensionierung bei den Isar-Amper-Werken tätig.

Inhalte

Politische Situation in Eger vor 1938, Vater Metzger beim Konsum, Mitglied der DSAP (Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei) in Tschechien, 1. Mai-Feiern, Henlein-Partei = Sudetendeutsche Partei, Saalschlachten, zersplitterte politische Verhältnisse, schlechte Wirtschaftslage, Münchner Abkommen 1938, Republikanische "Rote" Wehr, nach Hitler-Rede am 12.09.1938 Marsch der Henlein-Anhänger durch Eger, Übergriffe auf das Volkshaus, Flucht der Mutter mit den Kindern nach Radnice, Vater blieb zurück - Der deutsche Einmarsch 1938, 01.-10.10.1938 Okkupation des Sudetenlandes, 04./05.10.1938 Treffen der Sozialdemokraten in Komotau: Exil oder Rückkehr, Rückfahrt mit dem Zug, SS am Bahnhof sortierte Leute aus (darunter auch R.s Vater), Kreisgefängnis Eger, keine Besuchsmöglichkeit, Transport ins Nürnberger Zuchthaus - Deportation des Vaters ins KZ Dachau, von dort einige Monate später ins KZ Flossenbürg überstellt, Bekanntschaft mit dem SS-Mann Adolf Kellermann, dieser übermittelte Nachrichten und Weihnachtspäckchen, 1940 wieder entlassen, Rückkehr nach Eger, Gestapo verprügelte den Vater, Arbeit in der Margarinefabrik, 1943 Einberufung zur Marine nach Ostfriesland - Jungvolk, HJ-Feuerwehr, Einsätze bei den Luftangriffen auf Eger, Anfang 1944 wurde der Jahrgang 1930 in einer Kaserne zu Eintritt in die SS aufgefordert, Kriegsfreiwilliger in der SS Kavalleriedivision Florian Geier, Bescheid ins Klo gespült, Kriegsende 1945, Vater in Kriegsgefangenschaft bis 1947 in tschechischem Bergwerk - Die Situation der Deutschen in Eger nach 1945, weiße Armbinden, Antifaschisten hatten andere Lebensmittelmarken, auch Antifaschisten entschlossen sich zur Auseise, Alex Ulmann - UNRRA, Aussiedlung nach Bayern, über Wiesau nach Freising, Giesenbach, Vater bei der Regierung von Oberbayern als Wohnraumermittler tätig, Verhältnis zu den Bauern im Ort, Einheimische-Flüchtlinge, Vater erhielt Stelle im Konsum in Penzberg - R. zog nach Maisach, Arbeit bei den Isar-Amper-Werken, Schwester in Allershausen als Näherin, Familie driftete auseinander, Vater baute in Penzberg ein Haus und starb dort 1972, Schulzeit in Eger, Elektrikerlehre in Freising, ab 1949 bei den Isar-Amper-Werken, Freileitungsmonteur, Zählermonteur, Meisterprüfung, Betriebsstellenleiter in Mainburg in der Holledau, 1969 Betriebsstellenleiter in Schrobenhausen, in Schrobenhausen Stadt- und Kreisrat für die SPD, 1973 Wechsel zu den Bayernwerken, Hauptschaltmeister bis zur Rente 1990 - Verbundenheit mit der ehemaligen Heimat, Klassentreffen, Bekannte in Eger, Frau Lippert - Die Situation in der Schule nach 1938, Hören von "Feindsendern", BBC - Bombardierung der Skoda-Werke in Pilsen - Einsatz bei der Feuerwehr-HJ, guter Freund Toni Rupp kam beim Bombenangriff ums Leben, R. war bei der Bergung dabei - Der Einmarsch der Alliierten 1945 auf dem Land in Wazgenreuth, Tiefflieger, 07.05.1945 nach der Kapitulation feierten die Amerikaner, R. bekam Pfannkuchen und Whisky - Beflaggung vor und nach 1938, rote Fahnen, 1937/38 weniger rote Fahnen, 1939 zu Hitlers 50. Geburtstag Hakenkreuzfahnen und Transparente "Wir danken unserem Führer" - Buchenwald-Prozess in Dachau, als Zuschauer miterlebt, Vater als Zeuge geladen - Ausbildungssituation in Eger, Geselle Lavacz - Vorgänge bei der Aussiedlung 1947, Details zum Arbeitsleben, erst nach dem Tod des Vaters Mitglied in der Seliger-Gemeinde, Treffen mit DDR-Freunden in Eger seit 1967, Aussiedlung der Tante 1970 - Einsatz polnischer Zwangsarbeiter bei Bauern in Wazgenreuth.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Interview
Dauer:
2:00 h
Aufnahmedatum:
12.10.2005
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Dr. Ludwig Eiber

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.