Edi Felbinger schildert seine Kindheit und Jugend, in welcher Freiheit er aufgewachsen ist und welche Diskussionen er im Elternhaus geführt hat.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Thematisches Zeitzeugeninterview der Journalistin und Historikerin Dr. Heike Bretschneider mit Edi Felbinger über seine Zeit in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) in Augsburg, aufgenommen 1983. (Nur Ton)
Biogramm
Edi Felbinger wurde 1912 in Nürnberg geboren. Sein Vater, Georg Feldbinger, war Hilfsarbeiter und Soldat im Ersten Weltkrieg. 1919 zog die Familie nach Augsburg/Pfersee um. Der Vater bekam eine Stelle als Gewerkschaftssekretär beim Deutschen Verkehrsverbund. Er war Sozialdemokrat und die Eltern gehörten der Freireligiösen Gemeinde an, einem Zusammenschluss von Freidenkern und Monisten. Nach der Volksschule begann Edi Felbinger eine Lehre als Werkzeugmacher. 1931 wurde er arbeitslos und fing 1934 am Flugplatz Lechfeld als Elektriker an. Es war für ihn klar, dass die Produktion der Kriegsvorbereitung diente. Die Familie war bei den Nationalsozialisten als „links“ verschrien. Drei Hausdurchsuchungen fanden bei ihnen statt. Politisch hielt Edi Felbinger sich während des "Dritten Reiches" sehr zurück. Nach 1945 engagierten sich Elise Felbinger und Edi Felbinger jahrelang als Helfer bei den Falken. 2003 ist Edi Felbinger verstorben.
Inhalte
tobre 122:
Edi Felbinger sagt, dass die Freundschaften, die in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) geschlossen wurden, meistens ein Leben lang hielten. Nachdem er seinen Lehrvertrag unterschrieben hatte, trat er sofort in den Deutschen Metallarbeiterverband ein. Er war bei den Arbeitersportlern, den Faltbootfahrern, bei der Solidarität (den Radlern), beim „Sturmvogel“, den Sportfliegern. Er war Mitglied bei der Volksbühne. Mit einem Beitrag von 50 Pfennig konnte man einmal im Monat ins Theater gehen. 1931 wurde Edi Felbinger arbeitslos. 1934 fing er am Flugplatz Lechfeld als Elektriker an. Es war für ihn klar, dass die Produktion der Kriegsvorbereitung diente. Sein Vater war Gewerkschaftssekretär gewesen, die Familie bei den Nationalsozialisten als „links“ verschrien. Drei Hausdurchsuchungen fanden bei ihnen statt. Politisch hielt Edi Felbinger sich im "Dritten Reich" sehr zurück. Nach 1945 engagierten sich Elise Felbinger und Edi Felbinger jahrelang als Helfer bei den Falken. In unauslöschlicher Erinnerung war für alle, die dabei waren, das Internationale Sozialistische Jugendtreffen in Wien 1929. Zwei Jahre lang sparte die Augsburger SAJ, um an dem Ereignis teilnehmen zu können.
tobre 123:
Er wurde am 10.11.1912 in Nürnberg geboren. Sein Vater, Georg Feldbinger, war Hilfsarbeiter.1914 wurde er eingezogen und kam erst 1918 aus dem Krieg zurück. 1919 zog die Familie nach Augsburg/Pfersee um. Der Vater bekam eine Stelle als Gewerkschaftssekretär beim Deutschen Verkehrsverbund. Er war Sozialdemokrat und die Eltern gehörten der Freireligiösen Gemeinde an, einem Zusammenschluss von Freidenkern und Monisten. Für die Kinder gab es einen Moral- und Sittenunterricht, dessen Abschluss die Jugendweihe war. Nach der Volksschule begann Edi Felbinger eine Lehre als Werkzeugmacher. 1926 bekamen Felbingers von der Baugenossenschaft eine Wohnung Rechts der Wertach zugewiesen. Edi Felbingers Eltern waren sehr aufgeschlossen, er ist frei erzogen worden. Als Einzelkind bekam er, wenn möglich, manchen Wunsch erfüllt, z.B. einen neuen Ball für seine SAJ Gruppe. Mit 14 Jahren war er Mitglied der SAJ geworden. Ihm standen auch relativ viele Bücher zur Verfügung, sein Vater war im Bücherkreis und seine Mutter in der Büchergilde Gutenberg. Der Vater besorgte für ihn Bücher über sexuelle Aufklärung. Auch die SAJ Gruppe schuf sich eine kleine Bibliothek. In der SAJ Gruppe achtete man auf demokratische Prinzipien und von dem Einzelnen wurde Disziplin verlangt.
Daten
Interview und Technik: Dr. Heike Bretschneider