Zeitzeugen berichten

Dr. Elisabeth Jüngling Dolmetscherin, Hostess bei Olympia 1972 in München, Realschullehrerin

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Haus der Bayerischen Geschichte (Georg Schmidbauer M.A.)

Im hier gezeigten Ausschnitt berichtet Dr. Elisabeth Jüngling über die Deutsche Kommission in Madrid, ihre Aufgabengebiete als Mitarbeiterin und die Arbeitsplatzsituation in Spanien in den 1960er-Jahren.

Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:

Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Dr. Elisabeth Jüngling, aufgenommen am 08.12.2016 in München, über ihren beruflichen Werdegang, ihre Tätigkeit bei der Deutschen Kommission in Madrid, die wirtschaftliche und politische Situation in Spanien in den Jahrzehnten von 1960 bis 1990, das Auswahlverfahren der „Gastarbeiter“ in Spanien in den 1960er-Jahren, die Ausbildung und den Einsatz als Hostess in der Leitzentrale bei den Olympischen Spielen in München 1972, das Attentat und die dadurch veränderte Stimmung bei den Olympischen Spielen sowie das Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972.

Biogramm

Elisabeth Jüngling wurde 1939 in Lichtenfels in Oberfranken geboren, besuchte die städtische Realschule und absolvierte in den 1950er-Jahren in Heidelberg an der Fachakademie, dem Englischen Institut, eine Ausbildung zur Übersetzerin der spanischen und englischen Sprache. Während ihrer Ausbildungszeit unternahm sie zwei Auslandsaufenthalte.1957 arbeitete sie ein halbes Jahr in England als Host Staff und 1958 besuchte sie an der Universität Barcelona den „Cursos de Estudios Hispanicos para Extranjeros“ und arbeitete in einem Hotel als Recepcionista am Empfang in Tossa del Mar. Nach Abschluss ihrer Ausbildung reiste sie nach Madrid und arbeitete für ein Jahr bei einem deutschen Exportkaufmann, bevor sie im Mai 1960 bei der Deutschen Kommission in Madrid eine Arbeitsstelle erhielt. Hier war sie für die Anwerbung spanischer „Gastarbeiter“ zuständig und bei den Auswahlverfahren in den verschiedenen spanischen Provinzen als Dolmetscherin beteiligt. Nach ihrer Rückkehr arbeitete Elisabeth Jüngling ab März 1962 in der Übersetzerabteilung der Siemens-Reiniger-Werke in Erlangen. 1964/65 war sie bei der spanischen Botschaft in Bonn in der Arbeits- und Sozialabteilung angestellt, die die Betreuung der spanischen „Gastarbeiter“ vornahm. Ab 1966 war sie Sekretärin des Auslandsdirektors bei der Firma Dyckerhoff & Widmann in München. Nebenberuflich absolvierte sie Abendkurse für das Begabtenabitur. Anschließend studierte sie Hispanistik, Anglistik und Geschichte in München und legte im Jahre 1973 die Realschullehrerprüfung ab. 1972, während des Studiums, bewarb sie sich als Mitarbeiterin beim Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in München. Im Rahmen ihres Einsatzes als Hostess lernte sie dort viele Persönlichkeiten aus den Bereichen Sport und Politik kennen. An der Universität München führte sie ihre Forschungen in den Bereichen Englisch, Geschichte und Sozialkunde weiter und trat 1975/76 in den Referendardienst für das Realschullehramt ein. Nach dem Referendardienst übte sie die Lehrtätigkeit an Berufsaufbauschulen in Landshut und Miesbach aus. Ab 1994 arbeitete Frau Dr. Elisabeth Jüngling bis zu ihrer Pensionierung als Lehrerin für Englisch, Geschichte und Sozialkunde an der staatlichen Wirtschaftsschule in Freising. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich als Lesepatin und Wahlhelferin.

Inhalte

Geboren 1939 in Lichtenfels in Oberfranken – Realschule bis 1954 – Ausbildung zur Übersetzerin der spanischen und englischen Sprache in Heidelberg am Englischen Institut – Auslandsaufenthalte während der Ausbildungszeit: 1957 England, 1958 Spanien – Kastilische und Katalanische Sprache – Ausbildungsabschluss 1960 – Reise nach Madrid – Kennenlernen der Deutschen Kommission durch Kommilitonin in Madrid – Arbeitsstellensuche über die deutsch-spanische Handelskammer – Arbeitsstelle bei deutschem Exportkaufmann – Ab 1960 Arbeitsstelle bei der Deutschen Kommission in Spanien (deutsche Behörde) – Aufgabengebiete bei der Deutschen Kommission – Arbeitsplatzsituation in Spanien in den 1960er-Jahren – Zusammenarbeit mit deutsch-spanischem Reisebüro Comisión alemán – Mitglied der Reisegruppe bei der Deutschen Kommission als Dolmetscherin – „Gastarbeiter“-Auswahlverfahren – Arbeit als Dolmetscherin bei ärztlichen Untersuchungen und der Vermittlung – Verhalten abgelehnter Bewerber – Arbeit als Dolmetscherin bei ärztlichen Untersuchungen – Herkunftsorte und Motive der Bewerber – Entwicklung einer tiefen Verbundenheit mit Spanien durch Tätigkeit bei Deutscher Kommission – Enttäuschung und Abwendung von Spanien durch Burgos-Prozesse in der letzten Franco-Zeit Anfang der 1970er-Jahre – Verfahren mit den berücksichtigten Bewerbern – Transport der berücksichtigten Bewerber nach Deutschland – Tätigkeit als Sachbearbeiterin in der Transportabteilung der Deutschen Kommission in Spanien – Verplomben der Personentransportzüge – Verhalten der abgelehnten Bewerber – Arbeitsverträge mit den „Gastarbeitern“ aus Spanien – Wirtschaftliche Situation Franco-Spaniens Anfang der 1960er-Jahre – Stadt-Land-Verhältnis im Vergleich – Arbeitsstellen der Vermieterin in Madrid – Katholische Prägung Barcelonas – Studentenproteste in Barcelona – 1996/97 und 1998 Besuch der internationalen Universität in Santander – Enttäuschung und Abwendung von Spanien durch Burgos-Urteile der letzten Franco-Jahren in den 1970er-Jahren – Wiederentdeckung der Leidenschaft für Spanien nach der Demokratisierung Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre – Olympische Spiele 1992 in Barcelona – Ferienreise nach Madrid 1990 – Treffen mit Freunden in Spanien 1995 – Schwierige wirtschaftliche Situation im Spanien der 1960er-Jahre – Nebentätigkeit als Reiseleiterin in Andalusien in den 1970er-Jahren – Veränderungen der wirtschaftlichen Situation und der Infrastruktur in Andalusien im Laufe der 1970er-Jahre – Streiks in Andalusien in den 1970er-Jahren – Wahlkampf in Andalusien – Wahlsieger Felipe Gonzalez – Begeisterung der ehemaligen Vermieterin in Madrid für Felipe Gonzalez – Anwerbung von ungelernten Arbeitern und Facharbeitern in den 1960er-Jahren – Verteilung des Einflusses der spanischen Regierung und der Bundesrepublik Deutschland auf das Auswahlverfahren – Akademiker aus Spanien als „Gastarbeiter“ in Deutschland – Politische Verhältnisse in Spanien – Europrojekt zur Beurteilung des Fremdsprachenunterrichts – Werk des José Luis López-Aranguren (spanischer Philosoph) – Arbeitsrhythmus bei der Deutschen Kommission in Spanien – Anwerbe-Gebiete – Arbeitslosigkeit wegen Mienenschließungen – Tätigkeit als Mitglied der Reisegruppe bei der Deutschen Kommission – Umgang mit der begrenzten Aufenthaltsgenehmigung für Ortskräfte – Anwerbe-Gebiete – Eindruck von Madrid in den 1960er-Jahren – Lebenssituation der Vermieterin in Madrid – Vergleich der Städte Madrid und Barcelona – Rückkehr nach Deutschland – Tod des Vaters 1963 – Tätigkeit in der Übersetzungsabteilung Siemens-Reiniger-Werke in Erlangen ab März 1962 – Die Siemens-Reiniger-Werke – Spanischabteilung der Siemens-Reiniger-Werke mit internationaler Besetzung – Tätigkeit bei der Spanischen Botschaft in Bonn 1964/65 – Politisches Interesse der „Falange y de los Sindicatos“ in der Spanischen Botschaft – Einsatz der IG Metall für spanische „Gastarbeiter“ – Arbeitsplatzsituation für Übersetzerinnen in den 1960er-Jahren in München – Ab 1966 Arbeitsstelle bei der Firma Dyckerhoff & Widmann in München – Tätigkeit als Sekretärin des Auslandsdirektors bei Dyckerhoff & Widmann – Arbeitsfeld der Firma Dyckerhoff & Widmann (Mitarbeit an Entwicklungshilfeprojekt in Peru) – Staudammbauten der Firma Dyckerhoff & Widmann – Internationale Erfahrungen aufgrund der Arbeit bei der Firma Dyckerhoff & Widmann – Abendkurse für Begabtenabitur – Voraussetzung und Prüfung für Begabtenabitur in München – Studium der Hispanistik, Anglistik und Geschichte in München, Realschullehrerprüfung 1973 abgelegt – Verschärfungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG) in den 1970er-Jahren – Während des Studiums Bewerbung als Hostess bei den Olympischen Spielen – Fernlehrkurs und Ausbildung zur Qualifizierung als Hostess für die Olympischen Spiele – Schmink-Kosmetik-Kurs von der Firma Revlon für Hostessen – Vortrag von Rüdiger von Wechmar (deutscher Journalist und Diplomat, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland bei den Vereinten Nationen in den 1970er-Jahren) zur Hostess-Vorbereitung für die Olympischen Spiele – Erstes Zusammentreffen mit Silvia Renate Sommerlath (später Königin von Schweden) während der Ausbildungskurse – Aufgabengebiet in der Gästebetreuung (Gäste zum Besuch des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, Willi Daume) in der Leitzentrale bei den Olympischen Spielen 1972 in München – Hotelierstochter aus dem Rheinland als Chefhostess – Aufgabe der Silvia Sommerlath als Chefhostess – Begegnungen während der Tätigkeit als Hostess bei den Olympischen Spielen in München mit Joachim Fuchsberger (deutscher Schauspieler, Entertainer, bei Olympia 1972 Stadionsprecher in München), Jesse Owens (Olympiasieger 1936), Rainer Barzel (deutscher Politiker) und Mark Spitz (US-amerikanischer Weltklasse-Schwimmer) – Fotoaufnahmen mit Prominenten – Besucher aus der brasilianischen Delegation für Willi Daume – Nachmittagsdienst als Hostess am Tag des Attentats – Fehlinformation am Tag nach dem Attentat – Zum Verhalten und zur Person Willi Daume s– Briefing am Morgen nach dem Attentat – Verhalten Willi Daumes nach dem Attentat – Hans „Johnny“ Klein (Pressesprecher des Olympischen Organisationskomitees) – Wandel der Stimmung bei den Olympischen Spielen nach dem Attentat – Zugang zu Sportveranstaltungen und dem Olympiadorf als Hostess – Stimmung bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele 1972 in München – Olympische Spiele: „ein ganz entscheidendes Erlebnis in meinem Leben“ – Forschungen an der Universität in den Bereichen Englisch, Geschichte, Sozialkunde – Förderung durch Prof. Gerhard A. Ritter (deutscher Historiker und Politikwissenschaftler) und Karl Bosl (deutscher Historiker) – Eintritt in den Referendardienst für das Realschullehramt 1975/76 – Nach Abschluss des Referendardienstes: Lehrtätigkeit in Berufsaufbauschulen in Landshut und Miesbach – Modellversuch ‚Fremdsprachen an der Berufsschule‘ – Ab 1994 Lehrtätigkeit an der staatlichen Wirtschaftsschule in Freising bis zur Pensionierung – Erscheinungsbild der Olympischen Spiele 1972 in München – Entwurf von Otl Aicher (deutschen Gestalter bzw. Grafikdesigner) – Kontakt zu berühmten Persönlichkeiten als Hostess – Schwimmhalle und Olympiahalle – Publikumslieblinge: Mark Spitz, Klaus Wolfermann (deutscher Leichtathlet), Ulrike Meyfarth (deutsche Hochspringerin), Heide Rosendahl (deutsche Leichtathletin) – Duke of Edinburgh bei den Reiterwettbewerben – Entschluss zur Weiterführung der Spiele nach dem Attentat – Karriere Willi Daumes nach Olympia – Erinnerungskultur bzgl. Willi Daume – Tätigkeitsbereich als Hostess in der Leitzentrale – Vergleich der Olympischen Spiele 1972 mit heute – Hauptunterschied: heute starke Kommerzialisierung – Persönliches Bild von Bayern – Bayerische Verfassung – Wunsch der stärkeren Beachtung Frankens in Bayern – Einheit Bayerns nach Vorbild Graf von Montgelas – Charakter der Bayern – Vergleich der Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen – Gefahr der Überheblichkeit in der CSU – Wunsch stärkerer Kontrolle der Verwaltung durch den Bayerischen Landtag – Ansehens Bayerns im Ausland – Meinung zum Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern heute.

Daten

Art:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugen-Interview
Dauer:
1:30 h
Aufnahmedatum:
08.12.2016
Sprache:
deutsch
Aufnahmeteam:

Interview: Georg Schmidbauer M.A.

Kamera: Georg Schmidbauer M.A.